Beim Bio-Technopark auf dem ehemaligen Wagi-Areal in Schlieren wächst derzeit das zweite Hochhaus in den Himmel. Fertiggestellt sein wird es im Jahr 2018. Das rasante Wachstum der Branche, das anhand der Bautätigkeit ersichtlich ist, zeigt sich nun auch in einem Bericht des Kantons. Erst kürzlich veröffentlichte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) das «Cluster Porträt Life Science Zürich 2016».

Diesem ist zu entnehmen, dass die Life-Science-Branche der am stärksten wachsende Wirtschaftszweig des Kantons ist. Die Bruttowertschöpfung wuchs jährlich um 8,6 Prozent, die Anzahl Beschäftigter um 3,8 Prozent. Neben der Medizinaltechnik und der Pharmaindustrie gehört auch die Biotechnologie zur Branche. Das Cluster-Porträt, welches alle Unternehmen und Förderprogramme wie etwa die Technoparks in Zürich und Winterthur, wie auch jener in Schlieren einbezieht, kommt zum Schluss: «In den nächsten Jahren wird die Life-Science Branche an Bedeutung für den Kanton Zürich gewinnen.»

Insbesondere wegen der fortscheitenden Alterung der Gesellschaft wird ihr ein sehr hohes, gar «überdurchschnittliches» Wachstumspotenzial bescheinigt. Aktuell arbeiten im Kanton Zürich rund 5600 Menschen in der Branche, die eine Wertschöpfung von rund 215 Millionen Franken generieren. Angeführt wird die Liste der ertragreichsten Branchen noch immer vom Finanzsektor, der mit 82 000 Arbeitnehmern jährlich über 25 Milliarden Wertschöpfung generiert.

Rahmenbedingungen verbessern

Für den Geschäftsführer des Bio-Technoparks, Mario Jenni, ist der AWA-Bericht von grosser Bedeutung, wie er auf Anfrage der Limmattaler Zeitung sagt. «Viele sind sich des Potenzials der Branche heute noch nicht bewusst. Dieses wird nun aber deutlich aufgezeigt», so Jenni. Davon erhofft er sich, dass die Politik bereit ist, die Rahmenbedingungen für Bio-Technologie-Unternehmen zu verbessern. Zwar wird im Bericht darauf verwiesen, dass der Kanton bezüglich Innovationsfähigkeit und attraktiver Standortfaktoren gut aufgestellt sei. «Wie auch Jungunternehmer aus anderen Branchen kämpfen unsere rund 40 Organisationen aber mit denselben Problemen», sagt er. So würden etwa die Praxisänderung des kantonalen Steueramts in Sachen Vermögenssteuer von Start-ups, der starke Franken, aber auch die Ungewissheit bezüglich möglicher Kontingente im Zusammenhang mit der Masseneinwanderungsinitiative für Verunsicherung sorgen. Aktuell arbeiten rund 750 Personen am Standort Schlieren, hinzu kommen rund 300 Forschende von universitären Einrichtungen.

Grosse Erträge für die Stadt

Im AWA-Bericht ist zudem ersichtlich, dass in Sachen Wertschöpfung noch mehr möglich wäre. Denn: Da die Entwicklung eines Medikamentes bis zur Marktreife bis zu 15 Jahre in Anspruch nehmen kann und für Start-ups eine sehr kostspielige Angelegenheit ist, suchen sich diese in der Regel etablierte Partnerunternehmen. «Dies hat meistens eine Auslagerung der Produktion ausserhalb des Kantons Zürich zur Folge», heisst es. Mit der Marktreife geht der finanzielle Erfolg des Unternehmens einher. Dies jedoch meist in einem anderen Kanton. Jenni bestätigt, dass sich die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus Basel und dem Ausland etabliert habe.

Dass Schlieren dabei leer ausgeht, trifft nicht ganz zu. Bezüglich der Wertschöpfung wird im Bericht auch der Verkauf des Start-ups Glycart an Roche für 235 Millionen Franken im Jahr 2005 detailliert geschildert. Jenni bestätigt, dass bei jedem der bisher acht Verkäufe eines Medikaments oder Start-ups des Bio-Technoparks auch «teilweise grosse» Steuerbeträge in die Schlieremer Stadtkasse fliessen.

Wie sich solche Verkäufe en détail auf die Steuereinnahmen der Stadt ausgewirkt haben, darüber gibt Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) aufgrund des Steuergeheimnisses keine Auskunft. Sie bestätigt, aber, dass die Stadt durchaus davon profitiere: «Für die Rechnung 2016 erwarten wir beispielsweise einen ausserordentlichen Steuerertrag in Millionenhöhe, der aus einem Unternehmensverkauf resultiert ist», so Stiefel. Dass der Bio-Technopark den Namen Schlierens in die Welt hinaustrage, sei langfristig jedoch von nachhaltigerem Wert, sagt sie.

Die beiden Hochhäuser, welche das Wagi-Areal bereits heute von weit her sichtbar machen, werden nicht die Einzigen bleiben. So ist der Bau von zwei weiteren vorgesehen. «In den nächsten fünf bis zehn Jahren wollen wir die zur Verfügung stehende Fläche verdoppeln», sagt Jenni. Von heute 45 000 Quadratmeter auf deren rund 90 000.