Urdorf

Danilo Follador: «Da hat mich dann die Lust gepackt»

CVP-Gemeinderat Danilo Follador, Vorsteher von Planung, Bau und Umwelt, tritt erneut an.

CVP-Gemeinderat Danilo Follador, Vorsteher von Planung, Bau und Umwelt, tritt erneut an.

Danilo Follador will in den Gemeinderat – im Interview sagt der CVP-Politiker, wie dieser Wunsch entstanden ist.

In Danilo Folladors Büro hängt ein Gemälde von Walter Erismann. Es zeigt Urdorfer Wahrzeichen, von der alten reformierten Kirche bis zum Märt am Muulaffeplatz. Daneben hängt ein Wimpel des FC St. Gallen, und mit einer Mitarbeiterin spricht Follador italienisch, beides Zeichen seiner Herkunft. Für die Fotografin nimmt er Platz auf orangen Sesseln, im Pausenraum der Migros-Pensionskasse in Schlieren. Die Damen, die zuerst da waren, nehmen es dem Chef nicht übel, sondern lachen gleich mit. Humor sei ihm wichtig, sagt er, sowie Respekt und Sachlichkeit. Seit 2012 war er Präsident der CVP Urdorf. Nun hat er das Amt an Marc Joye abgegeben. Denn Follador kandidiert jetzt für die CVP als Gemeinderat. Gibt es bis Ende Februar keine weiteren Kandidaturen, ist er in stiller Wahl gewählt.

Danilo Follador, fangen wir beim C an. Wie wichtig ist Ihnen der Glaube?

Danilo Follador: Ich bin wohl Katholik, aber nicht sehr praktizierend. Das christliche Gedankengut finde ich aber gut und wichtig. Bei der CVP dabei bin ich vor allem, weil sie weder extrem links noch rechts, dafür vernünftig politisiert, mit Fokus auf Wirtschaft und Familie. Das spricht mich an.

Als Christian Brandenberger Ende 2016 zurücktrat, haben Sie da gleich gedacht: So, jetzt bin ich an der Reihe?

Nein, ich war sehr überrascht vom Rücktritt und musste mir als Parteipräsident Gedanken darüber machen, ob wir einen Nachfolger stellen können. Schon vor der Besprechung im Vorstand kamen dann CVP-Mitglieder auf mich zu und haben gesagt, jetzt sei doch ein guter Zeitpunkt für mich. Ich kam dann zum Schluss, dass das tatsächlich aufgehen könnte.

Was gab schliesslich den Ausschlag?

Dass auch mein Umfeld hinter mir steht. Meine Frau ist jetzt zwar nicht gerade in Begeisterungsstürme ausgebrochen, aber sie erklärte sich einverstanden. Auch mein Vorgesetzter bei der Migros-Pensionskasse ist einverstanden. Die Konstellation stimmt also. Als ich das gemerkt habe, da hat mich dann schon die Lust gepackt.

Bei der Migros-Pensionskasse führen Sie 30 Mitarbeiter, die über 80 000 Versicherte und Rentner betreuen. Wie finden Sie da noch die Musse für das Gemeinderatsamt?

Wenn ich so weitermachen würde, wäre das Amt unmöglich. Aber ich bin jetzt 61 Jahre alt. Bei der Migros ist die ordentliche Pensionierung im Alter von 64 Jahren. Spätestens ab 2018 reduziere ich langsam mein Pensum. So habe ich genug Zeit.

Es ging ja nicht lange, bis die CVP Sie als Kandidat ins Spiel brachte.
Gab es überhaupt Alternativen?

Ich hätte schon drei, vier Persönlichkeiten im Fokus gehabt. Der Vorstand meinte aber, wenn ich mir die Kandidatur vorstellen könne, dann sei das gut so.

Zurückgetreten ist ja Christian Brandenberger. Er schloss bei Wahlen stets sehr gut ab. Seine Ideen werden weiterverfolgt. Wird es schwer sein, die grossen Fussstapfen auszufüllen, die er als Bauvorstand hinterlassen hat?

Es ist ja gar nicht gesagt, dass ich dann auch Bauvorstand werde.

Aber es ist wahrscheinlich.

Das muss der Gemeinderat noch entscheiden. Aber zu Ihrer Frage, Christian Brandenberger hat die Arbeit tipptopp gemacht, mit sehr grossem Engagement. Das und sein Job als Unternehmer hat ja auch dazu geführt, dass es ihm zu viel wurde. Aber in seine einzelnen Dossiers habe ich zu wenig Einblick, als dass ich sagen könnte, da und dort müsste man etwas ändern. Aber eben, warten wir die Konstituierung ab. Der Gemeinderat muss sagen, ob es sinnvoll ist, ein Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen die Ressorts auszuwechseln.

Welches hätten Sie denn gerne?

Ich bin offen für jedes Ressort, weil ich alle Bereiche der Gemeinde interessant finde.

Was nehmen Sie sich vor für das Amt?

Dazu möchte ich zuerst sagen, dass Urdorf super aufgestellt ist. Wir haben gute Schulen, eine gute Infrastruktur und mit 9600 Einwohnern auch eine gewisse Grösse. Entwicklungsszenarien für Wohnraum und Arbeitsplätze gibt es ja auch schon, zum Beispiel den Wirtschaftsraum Nord. Die wirklichen Probleme sind nun mal finanzpolitischer Natur. Wir haben zu viele Schulden. Das ist die Herausforderung, an der auch ich mitarbeiten will. Aber leider habe ich auch kein Patentrezept, um die Schulden in den nächsten zehn Jahren abzubauen.

Teuer sind die Urdorfer Sportstätten. Schliessungen sind hin und wieder ein Thema. Sie ernsthaft vorzuschlagen, ist aber tabu. Wie stehen Sie dazu?

Ausschliessen darf man nichts. Ausser die Eisbahn, die hat das Volk so gewünscht, für diese Bestellung muss die Rechnung bezahlt werden. Gerade beim Hallenbad könnte ich mir aber vorstellen, dass das Feld offen ist für eine andere Lösung.

Kommen wir noch zu einem regionalen Thema. Viele Grossbaustellen kommen auf das Limmattal zu. Wie nehmen Sie die Entwicklung wahr?

Diese Entwicklungsphase, insbesondere die Limmattalbahn, kommt Urdorf zugute, auch wenn wir nur am Rand betroffen sind. Unser Problem wird der Durchgangsverkehr von der Autobahn bleiben. Der Umbau der Birmensdorferstrasse bringt sicher etwas, aber sie wird ein Schleichweg bleiben, das müssen wir akzeptieren. Zudem müssen wir auch in Zukunft die Stadt Schlieren im Auge behalten. Sie ist wirtschaftlich ein Konkurrent, befindet sich in einer viel grösseren Wachstumsphase als wir und wird immer attraktiver. Ich denke aber, dass der Kuchen genug gross ist für beide. Denn wir haben mit der Limmattalbahn und dem Autobahnanschluss eine exzellente Lage.

Zum Schluss: Wie lange möchten Sie nach Ihrer Wahl das Amt ausführen?

Wenn ich weiterhin so gesund bin wie jetzt, will ich an die laufende Amtsperiode zwei anhängen, also bis ich 70 Jahre alt bin. Das ist mein Horizont.

Und wie lüften Sie Ihren Kopf?

Ich bin Mitglied in zwei Männerabend-Kochclubs, einer davon in Urdorf. Das ist mein Hobby. Zudem mag ich Sport, zurzeit vor allem das Skifahren in Flims. Dort haben wir eine Ferienwohnung.

Meistgesehen

Artboard 1