Schlieren
Daniel Vischer und Cornel Reshef diskutierten mit Schülern über Nahostkonflikt

Beim Podium mit Daniel Vischer und Cornel Reshef zeigte sich, wie verhärtet die Fronten zwischen Israel und Palästina sind. In einer sehr sachlich geführten Debatte gab es aber immer wieder auch überraschende Momente, wo sich die beiden einig waren.

Florian Niedermann
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Nationalrat Daniel Vischer (Grüne) und Cornel Reshef von der Gesellschaft Schweiz-Israel diskutierten über den Nahostkonflikt. fni

Nationalrat Daniel Vischer (Grüne) und Cornel Reshef von der Gesellschaft Schweiz-Israel diskutierten über den Nahostkonflikt. fni

Der Nahostkonflikt ist in den Medien allgegenwärtig und wird sehr kontrovers diskutiert. Die Schlieremer Sekundarschule Kalktarren will ihren Schülern einen vertieften Einblick in die bewegte Geschichte Israels und Palästinas bieten. Aus diesem Grund hat sie Cornel Reshef von der Gesellschaft Schweiz-Israel und Daniel Vischer, Nationalrat (Grüne) und Präsident der Gesellschaft Schweiz-Palästina, zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Zwei Sekundarklassen bekamen so die Möglichkeit, Kennern der Krisenregion Fragen zu stellen, die ihnen auf der Zunge brannten.

In den Antworten von Reshef und Vischer zeigte sich einmal mehr, dass sich die Auffassungen davon, wer die Verantwortung für den Konflikt trägt und wie die Region befriedet werden könnte, je nach Perspektive stark unterscheiden. In einer sehr sachlich geführten Debatte gab es aber immer wieder auch überraschende Momente, in denen sich die beiden Meinungsvertreter einig waren.

Räumung steht ausser Frage

Auf die Frage einer Schülerin etwa, wie die beiden mit den jüdischen Siedlern im Westjordanland verfahren würden, stimmten Reshef und Vischer überein, dass viele Siedlungen entweder geräumt oder in einem künftigen palästinensischen Staat integriert werden müssten, um eine Zweistaatenlösung überhaupt je erreichen zu können.

Auch räumte Reshef ein, dass es nach dem Palästina- und dem Sechstagekrieg (1948/1967) zu Vertreibungen von Palästinensern durch die Israelis gekommen sei. Vischer erklärte, dass diese Einsicht sich bis heute in Israel nicht vollständig habe durchsetzen können. «Für die Palästinenser ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen Frieden, dass Israel seine Schuld in diesem Punkt eingesteht und den Vertriebenen das Rückkehrrecht in ihr Land gewährt», erklärte er. Reshef sagte daraufhin, dass Israel die Flüchtlinge aus den Camps in Syrien, Jordanien und dem Libanon wohl nicht wieder aufnehmen werde: «Der Staat würde sonst seine jüdische Identität verlieren. Die arabischen Staaten pochen auf das Rückkehrrecht, um Israel mithilfe der Rückkehrenden zu arabisieren.»

Der Teufel steckt im Detail

Im weiteren Verlauf der Diskussion offenbarte sich den Sekundarschülern auch, dass der Teufel in diesem langjährigen Konflikt im Detail steckt: In der Frage der Rechtmässigkeit der Grenzzäune, die Israel zu den Palästinensergebieten errichten liess, oder der Rolle, die die USA im Konflikt wahrnehmen soll, waren sich Vischer und Reshef abermals nicht einig.

Als ein Schüler schliesslich wissen wollte, ob Palästinenser und Israelis überhaupt jemals vergessen und neu anfangen könnten, äusserte Vischer seine Zweifel. «Ein Friede mit einer Zweistaatenlösung wäre vom heutigen Standpunkt aus eine unglaubliche Sensation», erklärte er. Etwas zuversichtlicher zeigte sich Reshef: Er glaube, Friede im Nahen Osten sei möglich, sagte er. «Dazu müsste man den Konflikt aufgrund der heutigen Situation verarbeiten. Geschichte oder Glaube dürfen nicht bestimmend sein.»

Die beiden Referenten betonten am Ende, wie wichtig solche Podien seien, um das Wissen über den Konflikt zu vermitteln. Vom Kenntnisstand der Sekundarschüler waren sie überrascht. «Ich war über die präzisen Fragen erstaunt», sagte Vischer.

Initiantin des Anlasses war die Geschichtslehrerin der beiden Sekundarklassen, Marianne Perry. Der Nahe Osten gehöre zum Stoff der dritten Oberstufe, sagte sie. Bei diesem Thema habe sich eine Podiumsdiskussion angeboten: «Es geht um einen Konflikt, bei dem man sagen kann, dass beide Seiten legitime Anliegen haben», so Perry. Als sie die Gesellschaften Schweiz-Israel und Schweiz-Palästina angeschrieben habe, hätten sie sich sofort bereit erklärt, einen Vertreter für ein Podium zur Verfügung zu stellen. «Dass sie gleich Vorstandsmitglieder zu uns senden würden, hätte ich aber nicht erwartet», so Perry.