Oberengstringen

Daniel Siegfrieds Hilfswerk «Child’s Dream» als Dok-Film im Fernsehen

Neue Erfahrung – an einer buddhistischen Zeremonie erhält Daniel Siegfried Baumwollbändel. Sie sollen ihn vor bösen Geistern beschützen.

Neue Erfahrung – an einer buddhistischen Zeremonie erhält Daniel Siegfried Baumwollbändel. Sie sollen ihn vor bösen Geistern beschützen.

Als der gebürtige Oberengstringer vor knapp zehn Jahren sein Leben als Banker in Südostasien hinter sich liess, um aus dem «goldenen Käfig» auszubrechen, trat er eine Reise ins Ungewisse an.

Daniel Siegfried fährt mit seinem Wagen auf den thailändisch-laotischen Grenzübergang zu. Was ihn dort am Zollgebäude erwarten wird, weiss er nicht. Erfahrungsgemäss kann sich der Grenzübertritt kompliziert gestalten. Um in Laos einzureisen, braucht es verschiedenste Genehmigungen und Dokumente sowie unendliche Geduld. Dieses Mal geht alles reibungslos. Sämtliche Zollbeamte sind vor Ort, die notwendigen Papiere können ausgestellt werden.

Zu sehen ist diese Szene im Dokumentarfilm «Child's Dream - zwei Banker auf Sinnsuche», den das Schweizer Fernsehen vergangenen Sonntag erstmals ausgestrahlt hat. Die Ungewissheit an der Grenze passt zum Leben des 34-jährigen Siegfrieds, einem der beiden Protagonisten des Films. Als der gebürtige Oberengstringer vor knapp zehn Jahren sein Leben als Banker in Südostasien hinter sich liess, um aus dem «goldenen Käfig» auszubrechen, trat er eine Reise ins Ungewisse an.

Dreh dauerte insgesamt ein Jahr

Im Norden Thailands absolvierte er ein Volontariat bei einem Kinderhilfswerk und merkte schnell, dass er seine Berufung gefunden hatte. Die Motivation, jeden Morgen ins Büro zu gehen, liess immer stärker nach. Unerfahren auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe, aber mit besten Kontakten in die Bankenwelt, gründete er mit Marc Jenni in Thailand das Hilfswerk «Child's Dream». Seither kümmern sich die beiden um unterprivilegierte Kinder, bauen in Thailand, Laos, Burma und Kambodscha Schulen und starten Gesundheitsprojekte.

Von dieser Arbeit, vom radikalen Bruch im Leben der beiden gut bezahlten Banker, aber auch dem Verzicht auf eine verheissungsvolle Karriere erzählt der Film von Urs Frey, Teilhaber von Contrast Film. Er begleitete die beiden Schweizer während knapp eines Jahres. Frey besuchte sie in Chiang Mai, im Norden Thailands, wo «Child's Dream» zu Hause ist. Er begleitete Siegfried und Jenni auf Besuchen in der Heimat, sprach mit Freunden, Familienangehörigen und ehemaligen Weggefährten.

Obwohl Siegfried in seinem Leben schon viel erlebt hat, waren die Dreharbeiten ein besonderes, bisweilen auch anstrengendes Ereignis. «Ich habe das Projekt unterschätzt», sagt Siegfried und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Er habe gedacht, dass er wie immer seiner Arbeit nachgehen könnte und dabei gefilmt werde. «Die Realität sah anders aus. Die Kamera lief nicht permanent. Deshalb musste ich gewisse Szenen, die nicht gefilmt wurden, den Filmemachern aber gefielen, nochmals inszenieren. Das konnte anstrengend sein.»

Missen möchte er die Erfahrung aber keinesfalls. «Der Film half uns, unsere Arbeit mit anderen Augen zu betrachten. Wir konnten quasi von aussen auf unsere Tätigkeit blicken», sagt Siegfried. Dabei sei ihm wieder bewusst geworden, dass er sich vor zehn Jahren für den richtigen Weg entschieden habe. «Wir drehten auch bei unserem früheren Arbeitgeber UBS. Dafür mussten wir wieder Anzug tragen. Da wurde mir nochmals vor Augen geführt, dass es richtig war, die Bankenwelt hinter mir zu lassen.»

Schön seien die Dreharbeiten auch gewesen, weil sie den Kindern viel Spass bereitet hätten. «Vor allem, wenn sie hinter der Kamera stehen und den Filmern bei der Arbeit zuschauen konnten», hält er fest. Die Kinder seien zu nichts gezwungen worden. Sie seien stets gefragt worden, ob sie gefilmt werden könnten.

Nachhaltigkeit als Ziel

Mit dem Ergebnis ist Siegfried zufrieden. «Der Film hat unsere Arbeit gut eingefangen», sagt er. Ihm sei bewusst, dass man in knapp 50 Minuten nicht alle Facetten von «Child's Dream» zeigen könne. Insgesamt hätten sie bislang 180 Projekte zusammen mit den 31 zumeist lokalen Mitarbeitern implementiert - den grössten Teil davon im Bildungsbereich. «Uns ist es ein Anliegen, den Kindern und Jugendlichen eine gute Ausbildung zu ermöglichen, damit sie später auf eigenen Beinen stehen können», so Siegfried. Deshalb arbeite man eng mit der Lokalbevölkerung zusammen. «Nur so ist die Nachhaltigkeit unserer Projekte gewährleistet», sagt er.
Auch deshalb ist der Film für «Child's Dream» ein wichtiger Meilenstein. «Es ist schön, dass wir uns durch den Film einer breiten Öffentlichkeit in der Schweiz zeigen können», so Siegfried. Ungefähr ein Drittel der jährlich rund fünf Millionen Franken Spendengeldern stamme aus der Schweiz, etwa 50 Prozent aus Asien. Auf das Geld ist «Child's Dream» auch angewiesen, denn in den kommenden Jahren stehen grosse Herausforderungen an. «Die Demokratisierungsbewegung in Burma macht es möglich, dass wir uns dort künftig noch stärker engagieren können.»

Der Film «Kindertraum- Zwei Banker auf Sinnsuche» ist am 5. Januar um 12.05 Uhr und am 7. Januar um 11.10 auf SRF 1 zu sehen. Auf 3sat wird er am 17. Februar um 22.30 Uhr gezeigt.

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