Dietikon

«Damit haben wir nicht gerechnet.»: Veranstaltungsverbot verhindert Sommerfest und bremst «Gleis 21»

Die Stadt Dietikon hat dem «Gleis 21» zwei Monatsmieten erlassen. (Archivbild)

Die Stadt Dietikon hat dem «Gleis 21» zwei Monatsmieten erlassen. (Archivbild)

Dietikon verzichtet auf sein Sommerfest. «Gleis 21» verkauft Solidaritätstickets und hofft auf Theatertag im August.

Vergangenen Juni rockte Pasquale Aleardi mit seinen Phonauten den Kirchplatz. Der in Dietikon aufgewachsene Schauspieler und Musiker trat erstmals seit 1991 wieder in seiner Heimat auf und sorgte für den Höhepunkt am neu lancierten Dietiker Sommerfest. Alle waren sich einig, dass das Fest zum fixen Bestandteil des Dietiker Kulturkalenders wird. Aber wegen der Coronapandemie musste das Fest dieses Jahr abgesagt und wird erst 2021 wieder stattfinden, wie das Organisationskomittee mitteilt.

«Obwohl wir lange gehofft haben, war die Absage leider absehbar. Es hat sich immer deutlicher abgezeichnet, dass es noch länger dauern wird, bis wieder grosse Veranstaltungen stattfinden können», sagt Irene Brioschi, OK-Mitglied des Sommerfests und Kulturbeauftragte der Stadt Dietikon. Deshalb habe das OK bereits vor gut einem Monat die eigene Arbeit stark reduziert. Um den Schaden möglichst gering zu halten, wollten die Organisatoren dann nicht noch länger zuwarten und entschieden direkt vor Ostern, das Fest abzusagen. Bevor dies veröffentlicht wurde, habe man zuerst alle Künstler, Dienstleister und Partner kontaktiert, sagt Brioschi.

«Uns war wichtig, mit den Künstlerinnen und Künstlern gute, individuelle Lösungen zu finden», sagt sie. «Veranstalter und Künstler sind aufeinander angewiesen und sollten solidarisch sein», fügt sie an. Weil die Stadt Dietikon finanziell hinter dem Sommerfest steht, stehe sie auch in der Verantwortung, sich grosszügig und kulant zu zeigen, sagt Brioschi. Kleinere, private Veranstalter seien viel schneller existenziell bedroht und hätten solche Möglichkeiten nicht.

Das Sommerfest-OK erlebte selbst auch schöne solidarische Überraschungen. So habe die Zürcher Kantonalbank Dietikon mitgeteilt, ihren Sponsoringbeitrag trotz Absage auszurichten, sagt Brioschi. Und die Sicherheitsfirma Pampasus AG verzichtet auf ihre Ausfallentschädigung.

Standort für 2021 steht noch nicht fest

Die Organisatoren richten ihren Blick nun weiter nach vorne. Fest steht bisher nur, dass das Fest am 4. und 5. Juni 2021 stattfinden soll. Weil die Limmattal­bahn-Bauarbeiten in den nächsten Jahren auf dem Kirchplatz zu Einschränkungen führen, wird erst nach den Sommerferien entschieden, wo das Fest steigen wird. Erst dann kann die Arbeit an einem konkreten Konzept beginnen, sagt Brioschi.

Auf der anderen Seite des Bahnhofs herrschte im Kulturlokal «Gleis 21» nach einer ­Umstrukturierung die grosse Aufbruchstimmung: Neuer ­Geschäftsleiter, Pop-up-Zwischennutzung, neues Gastro­angebot, neue Konzertideen. Doch dann kam das Virus dazwischen. «Im Moment ist es sehr schwer abzuschätzen, wann es wieder weitergehen kann. Deshalb arbeiten wir vor allem im Hintergrund. Auch unser neuer Geschäftsleiter Michael Minder ist schon voll dabei», sagt Mona Sorcelli, die im Vorstand des «Gleis 21» für die Kommunikation verantwortlich ist. Neben diversen Arbeiten im Gebäude würden derzeit etwa mögliche Beschattungen und zusätzliche Bepflanzungen diskutiert. Auch Ideen wie Take-away-Fenster oder ein sommerlicher Pop-up-Grill auf dem Kiesplatz vor dem Gebäude stehen im Raum.

Der Vorstand habe nach aktuellem Stand nicht vor, Kredite für die ausgefallenen Einnahmen zu beantragen, sagt Sorcelli. Eventuelle Löcher in der Kasse könnten notfalls mit privaten Mitteln gestopft werden. Das «Gleis 21» erhält aber auch externe Unterstützung: «Dankenswerterweise hat uns die Stadt Dietikon zwei Monatsmieten erlassen», sagt Sorcelli. Und bis Ende Mai können auf der Ticketplattform Eventfrog Solidaritätstickets für das «Gleis 21» gekauft werden. So seien schon fast 1000 Franken zusammengekommen, so Sorcelli. «Damit haben wir nicht gerechnet. Die grosse Solidarität motiviert uns und steigert unsere Vorfreude auf die kommende Saison.»

Besucherinnen und Besucher müssen sich gedulden, bis wieder Konzerte und weitere Anlässe im Kulturlokal stattfinden können. «Wenn alles gut läuft, wird der Theatertag am 22. August zum Start in die neue Saison», sagt Sorcelli.

Meistgesehen

Artboard 1