Dietikon

Damit es kühler wird: Dietikon verschenkt 460 Bäume

Gärtner Patrick Bräm, Abteilungsleiter Stephan Kündig und Stadtrat Lucas Neff verschenken 460 Jungbäume: Diese sollen das Lokalklima abkühlen.

Gärtner Patrick Bräm, Abteilungsleiter Stephan Kündig und Stadtrat Lucas Neff verschenken 460 Jungbäume: Diese sollen das Lokalklima abkühlen.

Die Stadt gibt 460 Jungbäume gratis ab. Als einzige Auflage gilt: Interessierte müssen die Bäume in Dietikon pflanzen und langfristig pflegen. Mit der Aktion soll die Stadt nicht nur grüner werden, sondern sie soll auch dem Lokalklima dienen.

460 Bäume in Töpfen stehen bei der Dietiker Stadtgärtnerei bereit. Patrick Bräm von der Stadtgärtnerei hat die Jungpflanzen mit seinen Arbeitskollegen gerade nochmals etwas aufgedüngt. «Jetzt können sie gut gepflanzt werden, die Herbstzeit ist dazu ideal.»

Wer diese Bäume pflanzen wird und wo, das steht aber noch nicht fest. Denn die Stadt Dietikon hat sie nicht für ein Projekt der öffentlichen Hand gekauft, sondern will sie an interessierte Dietiker Privatpersonen und Hausverwaltungen gratis abgeben. Wer sich eine Sommerlinde, eine Kornelkirsche, eine Holzbirne oder einen von sechs weiteren einheimischen Bäumen für seine Wiese wünscht, muss nur das auf der städtischen Website verfügbare «Bestellformular für einen Klimabaum oder Klimastrauch» ausfüllen. Und schon kann er seinen Baum am 26.September am Wochenmarkt oder am 3.Oktober auf dem Werkhof abholen.

Viele Auflagen macht die Stadt den neuen Besitzern nicht. Diese gehen nur die Verpflichtung ein, den Baum effektiv in Dietikon zu pflanzen und ihn langfristig zu pflegen. Zudem sind sie angehalten, der für die Aktion verantwortlichen Infrastrukturabteilung ein Bild des gepflanzten Baumes einzuschicken.

Bäume für das Klima, die Tiere und das Auge

Von der Verteilaktion erhofft sich Stadtrat Lucas Neff (Grüne) viel: «460 neue Bäume in Dietiker Gärten und Wiesen – das wäre ein schöner Erfolg.» Denn gerade angesichts der zunehmend heisser werdenden Sommer seien Stadtbäume, die mithelfen, das lokale Klima zu regulieren, extrem wichtig, sagt Neff. So spenden die Bäume nicht einfach nur Schatten, sondern kühlen die Umgebung durch das Verdunsten von Wasser und auch die Fotosynthese aktiv ab. «Deshalb ist es im Sommer unter einem Baum auch viel angenehmer als unter einem blossen Sonnenschirm», sagt Neff.

Zudem tragen Bäume zur Biodiversität bei, wie Stephan Kündig, der Leiter der Infrastrukturabteilung, sagt. Aus diesem Grund wurden bewusst neun Arten für die Verteilaktion ausgewählt, die Vögeln und Insekten einen geeigneten Lebensraum bieten. So werden beispielsweise die Blüten des Speierlings gern von Bienen und Hummeln angeflogen, und seine zwei bis drei Zentimeter grossen Früchte werden von den Vögeln als Futter geschätzt.

Ein weiterer Vorteil von Bäumen liegt auf der Hand: Sie sehen schön aus – eine Begrünung mit Blütenpracht kann einem Stadtbild guttun. Und dass in der Stadt mehr Grün vorkommt, das ist offenbar eine Herzensangelegenheit der Dietikerinnen und Dietiker. Im Dialog zur Stadtentwicklung vor einem Jahr hatten sie sich zumindest entsprechend geäussert. Die Infrastrukturabteilung hatte sich in der Folge überlegt, wie sie diesen Wunsch nach mehr Natur im Stadtraum umsetzen kann, wie Lucas Neff sagt. Als Aktion, die kostengünstig ist und dennoch eine grosse Breitenwirkung entfachen kann, ist die nun lancierte Abgabe von Jungbäumen entwickelt worden.

Für die Anschaffung der Pflanzen hat die Stadt rund 3000 bis 3500 Franken aufwenden müssen. «Für diesen Betrag werden wir am Ende, wenn die Aktion auf Interesse stösst, 460 Bäume in der Stadt wachsen sehen können.» Ein einzelner Baum, den die Stadt im öffentlichen Raum pflanze, komme demgegenüber jeweils schnell einmal auf 3000 Franken zu stehen, sagt Neff. Denn dieser müsse in der Regel, damit er gleich von Beginn an eine Funktion erfüllen könne und beispielsweise Schatten spendet, schon älter und grösser sein. Damit sei er beim Einkauf natürlich auch teurer. Im Weiteren seien beim Pflanzen der Bäume oft auch aufwendige Arbeiten erforderlich, gerade wenn auf einem bereits bestehenden Stadtplatz eine grosse Baugrube ausgehoben werden müsse.

Die Mieterinnen und Mieter haben ein Baumproblem

Die Stadt Dietikon will mit ihrer Aktion die gesamte Bevölkerung ansprechen. Ein Problem besteht dabei allerdings: Während die Hausbesitzer selber entscheiden können, ob sie in ihrem Garten einen Baum pflanzen wollen oder nicht, steht diese Möglichkeit den Mieterinnen und Mietern nicht zu. Doch oft würde gerade bei grösseren Überbauungen ein zusätzlicher Baum auf einer Wiese durchaus guttun, sind sich Kündig und Neff einig. Sie hoffen nun, dass sich Mieter an ihre Haus­verwaltungen wenden und auf die ­Aktion aufmerksam machen oder dass die Ver­waltungen gleich selber das Bestell­formular für einen Klimabaum herunterladen. «Auch Hausverwaltungen können einen Jungbaum reservieren, wenn sie ihn in Dietikon pflanzen», hält Neff fest.

Die Dietiker Infrastrukturabteilung kann nicht abschätzen, ob sie alle Bäume abgeben kann oder ob bloss 20 Anfragen eingehen werden: «Wir wagen einfach einen Versuch, da ist alles möglich», sagt Kündig. Doch die ersten Signale seien positiv. Viele Arbeitskollegen hätten bereits angekündigt, dass sie auch einen Baum bestellen wollten. Und definitiv weg ist auch schon einer; Lucas Neff hat sich am Mittwoch eine Sommerlinde reserviert, die bis zu 30 Metern hoch werden kann. Bis 21.September können die Bäume bestellt werden.

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