Ganz Dietikon war auf den Beinen. Bereits das erste Wochenende des mehrtägigen Festes versprach grosse Unterhaltung. Mit der Fahnenweihe der Stadtjugendmusik am Samstagabend ging es los. Tags darauf vergnügten sich die Besucher mit Bier und Brezel am Oktoberfest. Die Dietiker Festwoche war erfolgreich gestartet. Es folgten weitere Highlights.

Die vier Musiker des Golden-Gate-Quartetts sorgten mit ihrem Auftritt für Begeisterung und hinterliessen auch beim Barpersonal bleibenden Eindruck. Die Turner von Jack Günthard versetzten das Publikum in Staunen. Hauptattraktion war aber stets der Austragungsort der Festivitäten – die neu eröffnete Stadthalle. Im Frühjahr 1969 wurde mit ihrem Bau begonnen, am 26. September 1970 konnte sie bereits eingeweiht werden.

Es war ein besonderer Moment, nicht nur weil die mehrtägigen Feierlichkeiten den Charakter eines Dorffestes hatten. «Wir spürten einen gewissen Stolz, dass wir Vereine das zustandegebracht hatten», sagt Xaver Schnüriger, Ehrenpräsident der Genossenschaft Stadthalle Dietikon, die heute Abend an der Generalversammlung ihren 50. Geburtstag feiert.

Er war damals Präsident der Stadtmusik und hat miterlebt, wie die Vereine den neuen Veranstaltungsort herbeisehnten. «Es war uns deshalb ein Anliegen, dass möglichst alle Vereine in der Genossenschaft vertreten sind», erinnert sich Schnüriger. Von Anfang an sei klar gewesen, dass man kein politisches Gremium wolle. Das habe sich bis heute bewährt, sagt Schnüriger, der die Genossenschaft von 1991 bis 2002 präsidierte.

Ihre Gründung am 15. Mai 1968 markierte den Grundstein für den Bau des neuen Veranstaltungsorts, der sich bis heute weit über die Stadt hinaus grosser Beliebtheit erfreut.
Bis es soweit war, musste allerdings ein langer Weg zurückgelegt werden. Bereits in den 1950er-Jahren wurde der Ruf nach einer neuen Halle für die Vereine laut. Denn nach und nach verschwanden in der Gemeinde Säle, die bislang von den Turnern oder Stadtmusikern als Auftrittsorte genutzt wurden. Es wurde immer schwieriger, geeignete Orte für die vielfältigen Anlässe zu finden. Das kulturelle Leben in der Gemeinde schien in Gefahr.

Den Stein ins Rollen brachte schliesslich Fritz Hunziker. Er reichte 1959 dem Gemeinderat, dem heutigen Stadtrat, eine Petition mit 753 Unterschriften ein. Sie verlangte die Erstellung eines Gemeindesaals und führte zur Einberufung eines Aktionskomitees, das damit beauftragt wurde, eine zweckdienliche Lösung zu suchen.

Reisen in ganz Europa

Als erstes musste geklärt werden, ob man den Bau eines Theater- und Konzertsaals anstreben sollte oder doch lieber eine Mehrzweckhalle, die auch von den Sportvereinen genutzt werden kann. Damit verbunden war auch immer die Standortfrage. Verschiedene Ideen wurden in der Folge ins Spiel gebracht und auch wieder verworfen.

In der Zwischenzeit hatte sich die Schule dazu bereit erklärt, den Vereinen die Turnhalle II des Zentralschulhauses für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen, um die Platznot zu lindern. «Die Turnhalle war für die Vereine eine günstige Möglichkeit, um Anlässe durchzuführen. Allerdings war sie für viele Veranstaltungen nicht gut genug ausgerüstet», sagt Schnüriger.

Deshalb sei man bestrebt gewesen, möglichst schnell eine Lösung für das Problem zu finden.
Das Aktionskomitee unternahm Reisen in ganz Europa, um dort Hallen zu besichtigen und Eindrücke zu gewinnen. Doch es sollte bis 1968 dauern, ehe richtig Schwung in die Angelegenheit kam.

Auf eine Mehrzweckhalle im Fondli hatte man sich verständigt und die Genossenschaft als künftige Betreiberin gegründet. Der Kostenvoranschlag für das Projekt betrug 1,72 Millionen Franken. Am 17. Oktober genehmigte der Grosse Gemeinderat die Ausrichtung eines unverzinslichen Darlehens von 1,5 Millionen Franken, welches das Volk zwei Monate später an der Urne definitiv bewilligte. Ausserdem stimmte der Grosse Gemeinderat einer Beteiligung am Genossenschaftskapital mit 50 000 Franken zu.

Nun konnte mit dem Bau begonnen werden. Doch im Verlaufe der Arbeiten zeigte sich, dass das Geld nicht ausreichen würde. Deshalb sollte das Gemeindedarlehen um 865 000 Franken erhöht werden. Doch das Volk lehnte, wenn auch knapp, ab. Erst im zweiten Anlauf, eine Erhöhung des Darlehens um 790 000 Franken wurde nun beantragt, klappte es. Und so konnte die Stadthalle im Herbst 1970 in Betrieb genommen werden. Schnell entwickelte sie sich zum neuen Wahrzeichen Dietikons. Viele Vereine, aber auch nationale und gar internationale Grössen, traten in der Halle auf.

Xaver Schnüriger und Jürg Meier.

Geschätzt wurden nicht nur ihre Vielseitigkeit, sonder auch der Umstand, «dass man bei uns selber wirten kann. Gerade für Vereine ist das ein grosser Vorteil», so Schnüriger. Die Erfolgsgeschichte der Halle fand jedoch ein jähes Ende.

Der grosse Schock

In der Nacht vom 6. auf den 7. April 2001 brannte die Stadthalle bis auf die Grundmauern nieder. Noch immer ist nicht geklärt, wer damals in das Gebäude eindrang und die Vorhänge mit Brandbeschleuniger in Brand setzte. Bei den Zeitgenossen hat das Ereignis einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. «Die Bilder der brennenden Halle sind bis heute präsent», sagt Jürg Meier, seit 2014 Präsident der Genossenschaft Stadthalle Dietikon.

Vor 17 Jahren war er bei der Brandbekämpfung als Offizier der Feuerwehr an vorderster Front dabei. «Als ich alarmiert wurde, konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Stadthalle tatsächlich brennt. Ich dachte zuerst, es handelt sich um die Stallungen hinter der Halle», erinnert sich Meier. Auch Schnüriger wurde mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen. Ihm sind bis heute die herunterhängenden Eisenträger in Erinnerung geblieben.

Trotz des Schocks sass der Vorstand der Genossenschaft bereits zwei Tage nach dem Brand zusammen. «Für uns war klar, dass die Halle so schnell als möglich wieder aufgebaut werden muss», sagt Schnüriger. Das sah auch die Dietiker Bevölkerung so.

Weil die Versicherungssumme nicht ausreichte, um das mit Kosten von 11,25 Millionen Franken veranschlagte Neubauprojekt zu finanzieren, war ein städtischer Beitrag von maximal 3 Millionen Franken notwendig. Am 2. Juni 2002 genehmigten die Stimmbürger das Geld mit 3800 Ja- gegen 638 Nein-Stimmen. Bereits am 26. September 2003 konnte die neue Halle mit einem dreitägigen Fest eingeweiht werden.

Mit der Entwicklung, die die zweite Stadthalle in den letzten 15 Jahren genommen hat, ist Meier zufrieden. Rund 110 bis 120 Veranstaltungen beherbergt sie im Jahr. Darunter Hochzeiten mit bis zu 1000 Gästen. Aber auch Konzerte von südamerikanischen Superstars, wie jenes des Brasilianers Gusttavo Lima. «Anfangs wusste ich gar nicht, wie populär dieser Künstler überhaupt ist», sagt Meier. Demnächst, am 19. Dezember, werden die Kastelruther Spatzen in der Stadthalle gastieren.

«Als ich das gehört habe, konnte ich es zuerst nicht glauben», so Meier. Vom Veranstalter habe er erfahren, dass die Stadthalle wegen ihrer familiären Atmosphäre geschätzt werde. «Er hat mir erklärt, dass es bei uns schneller geht, bis der Funke von der Bühne auf das Publikum überspringt als etwa im Hallenstadion», sagt Meier.

Neben internationalen und nationalen Künstlern dient die Stadthalle nach wie vor verschiedenen lokalen Vereinen als Heimat ihrer Anlässe. Allerdings sind es nicht mehr ganz so viele wie auch schon. Aus Meiers Sicht hat das mit einer generellen Entwicklung zu tun und nicht, wie auch schon behauptet wurde, mit den Vermietungstaxen.

«Viele Vereine haben Mühe, genügend Leute zusammenzubringen, um einen Anlass an so einem Veranstaltungsort durchzuführen. Gerade für Kartellvereine ist die Miete immer noch günstig. Auswärtige Veranstalter zahlen ein Vielfaches», sagt Meier, der als ehemaliger Präsident des Turnvereins KTV Dietikon solche Entwicklungen selber miterlebt hat.

Nichtsdestotrotz spürt Meier bis heute einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung für ihre Stadthalle. Und das soll auch so bleiben. Deshalb werden in den nächsten Jahren einige Unterhaltsarbeiten durchgeführt. Damit das Dietiker Wahrzeichen noch lange erhalten bleibt.

Früher schossen auch schon Filzkugeln durch die Halle