Limmattal
Da fehlten der Theatergemeinschaft plötzlich 150000 Franken

Die zehn Vorstellungen des Theaterstücks «Die Teufelsuhr», waren ein Erfolg. Das Stück, geschrieben von der 2011 verstorbenen Benediktinerschwester Silja Walter aus dem Kloster Fahr, lockte das Publikum in Scharen in den Steinbruch Würenlos.

Dieter Minder
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2013 war die Würenloser Theaterwelt noch in Ordnung: Auf der Bühne im Steinbruch probten die Schauspieler. Archiv

2013 war die Würenloser Theaterwelt noch in Ordnung: Auf der Bühne im Steinbruch probten die Schauspieler. Archiv

Fabienne Eichelberger

«Alle Vorstellungen im Sommer 2013 waren ausverkauft, die Besucherzahlen lagen über den Erwartungen», sagt Sigi Zihlmann, Präsident der Theater Gemeinschaft Würenlos. Doch damit enden die positiven Nachrichten: In der Kasse der Theatergruppe klaffte danach ein Loch von 150 000 Franken – und dies bei einem Umsatz von rund 600 000 Franken.

Plötzlich wurde alles viel teurer

Ursprünglich sollte die «Teufelsuhr» im Spätsommer 2012 aufgeführt werden. Weil aber im selben Jahr das Stadtfest Baden und das Dorffest Würenlos stattfanden, verschob die Theatergruppe ihre Aufführung um ein Jahr. Weil den fünf vertraglich gebundenen Profi-Schauspielern Ausfallhonorare bezahlt werden mussten, kostete die Verschiebung rund 70 000 Franken. Der Vorstand passte die Organisation an – trotzdem stieg das Defizit weiter. Die Schauspieler benötigten 50 statt der vorgesehenen 25 Proben und das Orchester wurde um fünf Profi-Musiker verstärkt. Die Kostüme konnten nicht, wie erhofft, von der Theatergesellschaft Stein am Rhein übernommen werden, sondern mussten eigens angefertigt werden. Teuer waren auch die technischen Anlagen, wie die Bühne und die Beleuchtung. Zudem musste der Regisseur ausgewechselt werden. «Das war ein Glück», sagt Zihlmann. «Jean Grädel hat das Stück sehr gut inszeniert.»

Gemeinde soll Bank spielen

Unterdessen ist das grosse Loch in der Kasse zum Glück etwas geschrumpft. Dank der Defizitgarantie der Gemeinde Würenlos und dem Swisslos-Beitrag habe man Rechnungen in der Höhe von 50 000 Franken bezahlen können, sagt Zihlmann. 100 000 Franken sind noch offen.

Das verbleibende Defizit will die Theater Gemeinschaft Würenlos mit Sponsorenbeiträgen, Spenden und einem Darlehen tilgen – über Letzteres verhandle man mit der Gemeinde, sagt Zihlmann. Er sei sich aber bewusst, dass momentan kein idealer Zeitpunkt dafür ist. So arbeiten der Gemeinderat und die Finanzkommission an einem Sparpaket, mit dem die Ausgaben der Gemeinde über 300 000 Franken pro Jahr reduziert werden sollen. Es soll in den nächsten Wochen vorgestellt werden, wie Gemeindeammann Hans Ulrich Reber sagt. Zum Fall der «Teufelsuhr» kann er sich noch nicht äussern.

Von der Situation hat inzwischen auch die Generalversammlung der Theatergruppe Kenntnis. Der Mitgliederbeitrag wurde von Null auf 50 Franken erhöht. «Damit haben wir ein Zeichen gegenüber den Gläubigern gesetzt», sagt Zihlmann. Ein Risiko für die Vereinsmitglieder bestehe nicht. Die Theater Gemeinschaft Würenlos hafte nur mit dem Vereinsvermögen: «Ich habe das juristisch abgeklärt, nachdem ein Gläubiger mich persönlich belangen wollte.»

Konzert mit Freschta geplant

Für Peter Früh, den Präsidenten des Kulturkreises Würenlos war das Unternehmen von Anfang an zu gross angelegt: «Die Theater Gemeinschaft Würenlos hat Strukturen, die diesem Vorhaben nicht angemessen waren.» Trotzdem stellt er fest: «Letztlich ist der Vorstand schuld an der Situation.» Er habe zu wenig reagiert, als sich der Verlust abzeichnete. «Deshalb wollen wir alles wieder gut machen», verspricht Zihlmann. Er ist überzeugt, dass der Verein die Schulden bezahlen kann. Der Vorstand denke an eine Frist von drei bis fünf Jahren. Als positiv betrachtet er, dass einige Unternehmen kleinere Rechnungen als Spenden verbucht hätten. Zudem ist ein Benefizkonzert mit der Würenloser Sängerin Freschta geplant. Sie war Teil der Show «The Voice of Switzerland» des Schweizer Fernsehens.