Schlieren

Cytos setzte auf ein einzelnes Produkt, das scheiterte - nun folgt die Massenentlassung

In einem Labor von Cytos in Schlieren bei Zürich

In einem Labor von Cytos in Schlieren bei Zürich

Cytos steht vor dem Aus: Eine Liquidation oder ein Konkurs wird geprüft. Die Geschichte des Schlieremer Biotechnologie-Unternehmens ist eng mit der Geschichte des Technoparks verbunden.

Sie stand am Anfang der Erfolgsgeschichte des Schlieremer Bio-Technoparks - nun ist sie am Ende: Einer Medienmitteilung der Cytos Biotechnology AG war gestern zu entnehmen, dass die Firma vor dem Aus steht. 16 Jahre nach ihrer Niederlassung in Schlieren als Spin-off der ETH und einer bewegten Geschichte muss Cytos allen verbliebenen 36 Mitarbeitern kündigen. Der Verwaltungsrat beauftrage die Geschäftsleitung damit, ein Liquidations- oder gar ein Konkursverfahren zu prüfen.

Der Grund: Ihr Hoffnungsträger - ein Asthmamedikament mit dem Namen CYT003 - überstand die Testphase 2 einer klinischen Studie nicht. Während des Versuches mit über 360 Patienten mit mittlerem oder schwerem allergischem Asthma stellte man zwar eine klinisch relevante Verbesserung in der Kontrolle der Krankheit fest, als sie mit CYT003 behandelt wurden. Doch auch bei der Kontrollgruppe, die mit Placebo versorgt worden war, konnte dieser Effekt festgestellt werden - die Wirksamkeit des Stoffs war damit nicht nachgewiesen.

«Der Verwaltungsrat hat angesichts dieses Resultats entschieden, dass die Weiterführung unserer operativen Tätigkeit nicht mehr finanzierbar ist», sagt Cytos-CEO Christian Itin auf Anfrage. Zwar verfügt die Firma noch über rund 31 Millionen Franken an flüssigen Mitteln. Diese werden aber gebraucht, um den Verpflichtungen gegenüber Schuldnern gerecht zu werden, die Cytos bereits 2012 aus einer finanziellen Krise (siehe Infobox unten) halfen, wie Itin erklärt: «Unseren Aktionären werden wir wohl kein Geld ausschütten können.» Die Cytos-Aktie befindet sich bereits seit dem 8. April im freien Fall. Gestern notierten die Titel gegen 16 Uhr noch bei 14 Rappen. Bei ihrem Börsendebüt im Oktober 2002 wurden die Titel noch mit einem Kurs von über 47 Franken gehandelt.

War es rückblickend also ein Fehler, alle Kräfte der Firma auf die Entwicklung eines einzelnen Produkts zu konzentrieren? Itin verneint: «Von den Entwicklungen, die sich nach unserer letzten Krise 2012 in unserer Pipeline befanden, war CYT003 am weitesten entwickelt und hatte das grösste Potenzial auf finanziellen Erfolg.» Weil die Mittel des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt sehr begrenzt gewesen seien, habe man sich auf ein Produkt fokussieren müssen.

Sozialplan ist nicht vorgesehen

Der drohende Konkurs führte damals auch zu einer starken personellen Verkleinerung des Unternehmens: Die Belegschaft wurde in zwei Schritten von 80 auf 30 Angestellte verkleinert. Mit der aktuell bevorstehenden Firmenauflösung werden nun alle aktuell 36 Mitarbeitenden freigestellt. Als «Massenentlassung» soll diese Kündigung nach juristisch vorgegebenen Abläufen vor sich gehen. Ein Sozialplan ist aber nicht vorgesehen, wie Itin sagt: «Bei unseren Angestellten handelt es sich um hoch qualifiziertes Personal, das auf anderen Wegen unterstützt werden muss.»

Die Unternehmensspitze werde den Angestellten jedoch so gut wie möglich dabei helfen, bald eine neue Anstellung zu finden.

Eine herbe Enttäuschung war das Studienergebnis vom vergangenen Freitag auch für Mario Jenni, den Geschäftsführer des Bio-Technoparks: «Es ist schade, dass wir gerade diese Pionierin unseres Life-Science-Clusters verlieren», erklärt er.

Als sich Cytos 1998 in Labors der ETH auf dem Wagi-Areal niederliess, habe dies eine starke Sogwirkung zur Folge gehabt und erfolgreiche Start-ups wie Glycart oder ESBATech in den Bio-Technopark gelockt. Heute sind auf dem Wagi-Areal 34 Jungunternehmerfirmen und über zehn Forschungsgruppen sowie Institute des Universitätsspitals und der Universität Zürich angesiedelt.

Könnte das Scheitern von Cytos nun auch einen negativen Einfluss auf den Schlieremer Life-Science-Cluster und die dort ansässigen Unternehmen haben? «Nein», ist Jenni überzeugt, «das Risiko, das solche kleinen Start-up-Firmen im Biotechnologiebereich und ihre Entwicklungen in sich bergen, ist Investoren und Firmengründern bewusst».
Diese Ansicht teilt auch Cytos-CEO Itin. Innovation sei immer mit Risiken verbunden, erklärt er: «Aber es gibt keinen anderen Weg.

Kleine Start-ups schaffen sich ein geschütztes Umfeld, um sich Zeit für Entwicklungen nehmen zu können, die grosse Pharmakonzerne nicht haben.» Die wirtschaftlichen Risiken würden sich aber lohnen, weil man als kleine Firma im Medizinalbereich viel bewirken könne.

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