Aesch

CVP-Kantonsrätin über Asylfragen, Gleichberechtigung und ihre Partei

Janine Vannaz sagt, sie vertrete im Kantonsrat den ganzen Bezirk Dietikon, obwohl Aesch geografisch leicht abseits des Limmattals liege.

Janine Vannaz sagt, sie vertrete im Kantonsrat den ganzen Bezirk Dietikon, obwohl Aesch geografisch leicht abseits des Limmattals liege.

Janine Vannaz hat am kommenden Montag ihre erste Sitzung im Kantonsrat. Die Aescher CVP-Gemeinderätin rückt für den zurücktretenden Dietiker Bauunternehmer Josef Wiederkehr nach. Für das Gespräch über ihre künftige Aufgabe wählte die 50-Jährige das traditionsreiche Restaurant Rössli gegenüber des Aescher Gemeindehauses.

Die gebürtige Urdorferin erinnert sich noch gut daran, wie sie als Teenagerin nach dem Tennisunterricht hier einkehrte. Hier habe sich das Dorfleben abgespielt, sagt sie.

Als kleinste Gemeinde des Bezirks stellt Aesch mit Ihnen und Diego Bonato (SVP) zwei der elf Limmattaler Vertreter im Kantonsrat. Hand aufs Herz: Ist Ihre Gemeinde übervertreten?

Janine Vannaz: Es kann niemals genug Aescher im Kantonsrat geben. (lacht)

Weinigen, Unterengstringen, Oetwil, Geroldswil und Ihr grosser Nachbar Birmensdorf stellen niemanden.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass man in Aesch gerne politisiert. Der letzte Limmattaler Nationalrat Hans Egloff (SVP) ist nur eines von vielen Beispielen dafür. Dass unsere Gemeinde übervertreten ist, glaube ich aber nicht. Im Rat werde ich nicht primär Aescherin, sondern Limmattalerin sein.

Obwohl Ihre Gemeinde andere Herausforderungen zu bewältigen hat als beispielsweise die Städte Dietikon und Schlieren?

Natürlich. Obwohl wir geografisch leicht abseits des Tals liegen, sind wir ein Teil des Bezirks. Nicht nur sind wir Mitglied beim Spitalverband Limmattal, sondern auch in anderen Zweckverbänden aktiv. Wir verfügen mit Birmensdorf über eine eigene Sekundarschulgemeinde und ein Alterszentrum.

Am Montag starten Sie im Parlament mit schwerer Kost. Die Budgetdebatte steht an. Konnten Sie sich vorbereiten?

Ich nahm bereits an zwei Fraktionssitzungen teil, aber inhaltlich trage ich nichts bei, weil die grosse Vorarbeit zur Sitzung bereits andere geleistet haben.

Vor zwei Jahren trat sie der CVP bei und in diesem Jahr übernahm die 50-Jährige das Präsidium der Ortspartei Birmensdorf-Aesch.

Vor zwei Jahren trat sie der CVP bei und in diesem Jahr übernahm die 50-Jährige das Präsidium der Ortspartei Birmensdorf-Aesch.

Auf den gängigen Polit-Plattformen zeigt sich, dass Sie bei manchen Themen von der CVP-Parteihaltung abweichen. Sie wurden etwa jüngst als Asyl-Hardlinerin bezeichnet.

Das hat mich selber überrascht, denn ich stehe klar hinter der humanitären Tradition der Schweiz. Ich spreche mich aber dezidiert dagegen aus, dass man Asylsuchende zu früh integriert. Ein negativer Entscheid wird so umso härter. Ich halte das nicht für eine Hardliner-Haltung.

Auf der anderen Seite sprechen Sie sich für Naturschutz, einen starken Sozialstaat, einen Mindestlohn von 4000 Franken und das Stimmrechtsalter 16 aus. Sollten Sie nicht in einer linken Partei sein?

Neben Asylfragen habe ich auch in Sachen EU-Beitritt und in der Sicherheitspolitik fundamental andere Ansichten als die Linksparteien. Derzeit behandelt die Kommission für Justiz und öffentliche Sicherheit, in der ich Einsitz nehmen werde, etwa eine parlamentarische Initiative, nach der Chaoten anstelle von Steuerzahlern für die Schäden aufkommen sollen. Das finde ich richtig. Ich mache aber keinen Hehl daraus, dass ich alles in allem weiter links politisiere als Josef Wiederkehr. Das ist aber genau das Schöne an der CVP. Es haben viele unterschiedliche Haltungen Platz.

Sie sagen selber, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ihr absolutes Kernthema ist. Dabei setzen Sie beispielsweise auf das Mittel der Frauenquote.

Ohne eine Quote würde sich weiterhin nichts verändern. Daher bin ich dafür, dass der Kanton mit gutem Beispiel vorangeht und seine Kaderstellen zu mindestens einem Drittel mit Frauen besetzten muss.

Wurden Sie als Bankerin beruflich benachteiligt, weil Sie eine Frau sind?

Alleine, dass es in den Teppichetagen der Banken wenige Frauen hat, zeigt, dass die Finanzbranche im Bereich Gleichstellung grossen Nachholbedarf hat. Beruflich wäre ich heute wohl in einer anderen Position, wenn die absolute Gleichstellung Realität gewesen wäre, als ich ins Arbeitsleben einstieg.

Sie sind für flächendeckende Fremdbetreuung. Jüngst wurde zudem eine Initiative für 36 Wochen Elternzeit auf Kantonsebene lanciert.

Entgegen meiner Partei bin ich dafür. Der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub ist ein schöner, erster Schritt. Für die Chancengleichheit ist die Aufteilung dieser Zeit auf beide Elternteile zentral. Es darf kein Risiko sein, eine junge Frau anzustellen.

Ein weiteres Problem ist die unentgeltliche Familien- und Freiwilligenarbeit, die geleistet wird.

Wie viele andere Frauen leistete auch ich meinen Beitrag. Weil meine Mutter verstarb, als ich noch ein Kind war, kümmerte ich mich später um meine Grosseltern. Dann erkrankte mein Vater an Demenz. Bevor es nicht mehr ging und wir ihn in einem Heim platzieren mussten, kümmerten sich mein Bruder und ich auch um ihn. Zeitgleich zog ich zwei Kinder gross. Ich möchte all die Jahre nicht missen, aber aus finanzieller Sicht ist mein Engagement weniger Wert als jenes einer berufstätigen Person. Das ist ein Problem.

Was schlagen Sie vor?

Unsere Gesellschaft basiert zu grossen Teilen auf Freiwilligenarbeit. Vielleicht müssen wir Frauen aussetzen, damit der Staat eingreifen muss, was Geld kostet. Auf eine andere Weise werden wir wohl nicht gehört.

In Ihrer Fraktion werden Sie mit einigen Ansichten wohl auf Kritik stossen.

Das ist kein Problem. In einer Demokratie werden solche Dinge diskutiert und man wird manchmal überstimmt und manchmal nicht. In einer Partei muss es Platz haben für unterschiedliche Meinungen.

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die CVP laut über eine Namensänderung nachdenkt. In der allenfalls neuen Bezeichnung soll das C für christlich fehlen.

Es wird sich zeigen, ob das C bleibt oder nicht. Ich selber bin konfessionslos und interpretiere das C als ein Bekenntnis zu den christlichen Grundwerten wie gegenseitigem Respekt und Liebe und nicht striktem Glauben.

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