«Andere Mädchen wollten Krankenschwester oder Lehrerin werden. Ich habe jedoch meiner Mutter bereits als Teenager gesagt, dass ich einmal selbstständig sein will», sagt Cristina Cotoia. Vor anderthalb Jahren hat sie sich diesen Traum mit ihrer Immobilienvermittlungsfirma «Nobil Immo» erfüllt und will nun expandieren.

Noch ist Cotoias Firma überschaubar. In einem Raum im Mediacampus in Altstetten, gleich neben dem Stadion Letzigrund, ist sie eingerichtet. Die Unterengstringerin ist selbstbewusst, freundlich, spricht laut und deutlich und verliert nie den Augenkontakt zum Gegenüber. Sie ist eine Macherin.

Das Vertrauensverhältnis, das sie zu ihren Kunden pflegt und die gute Arbeit, die sie erbringt, seien ihr Erfolgsgeheimnis. «Der Kauf oder Verkauf einer Immobilie ist etwas sehr Persönliches. Es ist wichtig, dass der Kunde weiss, dass er fair behandelt wird», sagt sie. So habe sich ihr Name in der Branche verbreitet.

«Heute arbeite ich nur auf Empfehlung, erhalte meine Aufträge durch Mund-Propaganda», sagt Cotoia und verweist darauf, dass dies eine Seltenheit sei.

Ebenfalls eine Seltenheit seien Frauen in der Immobilienbranche. Cotoia schätzt, dass rund sieben von zehn Maklern männlich sind. Eine nachteilige Behandlung ihres Geschlechts wegen habe sie aber noch nie erlebt «Es kam einmal vor, dass ich als Frau weniger ernst genommen wurde. In dieser Situation blieb ich sachlich und fokussiert. Ich zog mein Ding durch.» Ein professionelles Auftreten sei unabdingbar.

Cotoia kennt nur wenige Unternehmerinnen. Dies möge am Risiko liegen, das man mit der Selbstständigkeit eingehe. «Es wäre schön, würden sich mehr Frauen trauen.» Umso mehr freut sie sich auf den kommenden Sonntag, da sie dann an der «Women’s Expo» ausstellen wird. «Der Austausch mit Gleichgesinnten wird sicher interessant, doch hoffe ich auch, die eine oder andere ehemalige Kundin zu treffen und potenzielle Kunden auf mich aufmerksam zu machen.»

Mehr Arbeit als angenommen

Die 37-Jährige wurde in Steinmaur geboren und ist Zürich Höngg aufgewachsen. Mit zehn Jahren siedelte die Familie über nach Geroldswil. Heute lebt sie in Unterengstringen. Cotoia bezeichnet sich selber als «Limmattalerin durch und durch.» Nach den obligatorischen Schulen absolvierte sie eine Lehre bei Jelmoli an der Zürcher Bahnhofstrasse im Detailhandel.

Anschliessend bildete sie sich im Bereich Personalwesen weiter, mit Anfang Dreissig wechselte sie ins Immobilienbusiness und wurde Immobilienberaterin in einem Grossunternehmen. Dort bildete sie sich mit unterschiedlichen Branchen-Ausbildungen weiter und wurde Teamleiterin.

Ursprünglich wollte sie den Schritt in die Selbstständigkeit nicht allein, sondern zu zweit wagen. Mit einem guten Freund fasste sie den Entschluss. «Wir beide wollten gemeinsam eine eigene Firma ins Leben rufen. Doch er bekam kalte Füsse und entschied sich, weiter in einem Anstellungsverhältnis zu bleiben», sagt sie.

Den Entscheid, alleine weiterzumachen, habe sie aus dem Bauch heraus getroffen. «Trotzdem haderte ich. All die Verantwortung, die finanziellen Risiken und der Zeitaufwand, davor hatte ich enormen Respekt.» Sie habe keine schlaflosen Nächte gehabt, sei aber eine Zeit lang sehr gereizt gewesen.

Nun, anderthalb Jahre nach der Gründung, könne sie sagen, dass der Arbeitsaufwand grösser sei, als sie ihn sich vorgestellt habe, sie jedoch nichts bereue. Heute arbeitet Cotoia sechs Tage die Woche, doch fühle es sich nicht an wie Arbeit, da jeder Tag anders als der nächste sei. Morgens erledige sie mehrheitlich Administratives. Nachmittags und abends stünden dann Besichtigungen und Treffen mit Käufern und Verkäufern an.

Im Portfolio von «Nobil Immo» finden sich rund 60 Immobilien in den Kantonen Zürich, Luzern, Aargau, Solothurn und im Tessin. Cotoia will jedoch expandieren. «Ziel ist es, in verschiedenen Kantonen Ableger von Nobil Immo zu gründen. Es soll eine kleine Makler-Kette entstehen», sagt sie. Details gelte es aber erst noch abzuklären.

Auch Kinder sind eine Option

Bekannte und Freunde, die in einem Angestellten-Verhältnis arbeiten, hätten oft kein Verständnis für den Effort, den Cotoia in ihr Unternehmen steckt. «Dass ich mich abends weniger spontan mit Freunden verabreden kann, verstehen viele nicht.»

Cotoia lebt mit ihrem Hund Speedo in Unterengstringen. Er ist derzeit der einzige Mann in ihrem Leben. Hat sie sich für die Karriere und gegen Mann und Kinder entschieden? «Nein», sagt sie. Sie habe den Richtigen einfach noch nicht kennen gelernt. «Würde ich jemanden treffen, der Kinder will, dann sei alles möglich.» Ihr sei bewusst, dass sie dann in ihrer Firma kürzertreten müsste. «Dies liesse aber sich sicher irgendwie arrangieren.»