Tennis
«Natürlich war es eine Katastrophe»: So sehr leidete der Spielbetrieb der Schlieremer letztes Jahr

Bald startet für die Tennisclubs die neue Saison und die Anlagen werden wieder geöffnet. Für TC-Schlieren-Präsident Olivier Wehrli endet damit eine Leidenszeit. Im Interview gibt er einen Rückblick auf die schwere Zeit während der Pandemie im letzten Jahr.

Ruedi Burkart
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Freut sich auf die neue Tennis-Saison: Olivier Wehrli, Präsident des TC Schlieren.

Freut sich auf die neue Tennis-Saison: Olivier Wehrli, Präsident des TC Schlieren.

Ruedi Burkart / Limmattaler Zeitung

Olivier Wehrli präsidiert seit 2016 den Tennisclub Schlieren mit seinen rund 400 Mitgliedern. Kurz vor dem Start in die neue Saison blickt der 47-Jährige zurück auf ein schwieriges Jahr mit der Coronapandemie. Und freut sich auf den Tennis-Sommer 2021. Zudem verrät er, weshalb auch dieses Jahr die prestigeträchtige ITF-Tour nicht im Limmattal halt macht.


Wir stehen hier auf der grosszügigen Anlage des TC Schlieren und blinzeln in die Sonne. Wunderbares Wetter, pfeifende Vögel und dazu das Wissen, dass die Aussenplätze bald wieder bereit gemacht werden. Da muss das Herz jedes Tennisspielers höherschlagen.

Olivier Wehrli: Das tut es, keine Frage.


Verspüren Sie Aufbruchstimmung?

Ja, in einer gewissen Weise schon. Es geht vorwärts. Ich hoffe darauf, dass wir die Anlage spätestens um Ostern herum öffnen können.


Vor 12 Monaten war alles anders. Erst schien nichts auf ein spezielles Jahr hin­zudeuten. Und dann wurde am 16. März 2020 der Lockdown ausgerufen. Nichts ging mehr.

Ich erinnere mich ungern daran zurück. Wir hatten unsere Aussenplätze damals noch nicht geöffnet gehabt. Aber den Betrieb in der Halle hat der Lockdown natürlich voll getroffen.


Wenn Sie zurückschauen: Welches Fazit ziehen Sie als Präsident des Tennisclubs Schlieren?

Gute Frage.


War es eine Katastrophe? Oder doch nicht so schlecht, wie man meinen könnte?

Aus Sicht eines Vereinspräsidenten war das vergangene Jahr natürlich eine Katastrophe. Daran gibt’s eigentlich nichts zu deuteln. Der Spielbetrieb hat gelitten, das soziale Leben war betroffen, Existenzen waren bedroht und sind es weiterhin, da unser Restaurant ja geschlossen bleiben muss. Normalerweise ist es ganzjährig geöffnet. Zudem hat auch die Tennisschule unter den Massnahmen gelitten und tut dies immer noch.


Sie konnten im vergangenen Sommer die ITF Tour, dieses mit 25000 Dollar dotierte internationale Turnier, nicht durchführen …

Das auch, ja. Wir hatten 2018 und 2019 zwei wunderbare Turniere hier auf unserer Anlage, einmal durften wir die Weltnummer 300 bei uns begrüssen. Das sind schon sehr schöne Erlebnisse. Letztes Jahr war für uns eine Durchführung wegen der Pandemie nicht möglich.


Wie gross waren die finanziellen Folgen?

Nicht sehr gross. 2018 haben wir bei der Premiere 20 Franken Verlust gemacht, ein Jahr später resultierte unter dem Strich ein Plus von 500 Franken. Sie sehen, wir organisierten das Turnier nicht, um damit viel Geld zu verdienen.


Sondern?

Wir konnten Werbung für unseren Verein machen und den aufstrebenden jungen Akteuren eine Gelegenheit zum Spielen bieten. Zudem war eine Woche lang Betrieb auf der Anlage.


Kehrt das Turnier im Sommer zurück nach Schlieren?

Nein, wir haben bereits abgesagt. Die ganze Organisation wird dieses Jahr aufgrund der Coronavorgaben noch viel aufwendiger als sonst schon. Zudem werden gemäss heutigem Stand noch keine Zuschauer erlaubt sein. So wird es dann kein Happening mehr.

Dann ist die ITF Tour in Schlieren Geschichte?

Das wird man sehen. Wenn Swiss Tennis für das laufende Jahr einen neuen Organisator findet, der den ganzen Aufwand stemmen kann, dann verlieren wir selbstverständlich unsere Poleposition für die kommenden Jahre.


Wie steht der TCS aktuell finanziell da? Riss Corona ein grosses Loch in die Vereinskasse?

Ein Loch nicht gerade. Aber Zusatzkosten und hohe Ausfälle in der Wintersaison. Wir haben in den letzten Jahren jedoch ein Polster anlegen können und zehren nun davon.


Also keine Existenzängste?

Bezogen auf den Tennisclub Schlieren: ganz klar nein. Für die Tennisschule und das Klublokal sieht es wesentlich ernster aus.


Gab es trotz allen negativen Schlagzeilen in den vergangenen Monaten auch positive Erlebnisse?

Ich hatte im August, als wir nach dem ersten Lockdown doch noch einen verkürzten Interclub spielen durften, den Eindruck, dass alle das Tennisspielen und das Zusammensein auf eine andere Weise genossen haben als vor Corona. Er war eine gute Stimmung, allen Schutzmassnahmen zu Trotz. Tennisspieler verbringen ja die Zeit, die sie auf der Anlage sind, nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz …

... im Restaurant und auf der Terrasse.

Genau. Und das soll ja auch so sein.


Ein Erfolg war auch der Aufstieg Ihrer Mannschaft in die 1. Liga.

Ja, ja, der ist am grünen Tisch zu Stande gekommen. Ein Team hat verzichtet, und jetzt spielen wir eben eine Klasse höher. Mal schauen, wie das kommt.


Stichwort Interclub: Gehen Sie persönlich davon aus, dass am Wochenende des 8./9. Mai die Saison gestartet werden kann?

Ich hoffe darauf.


Wie hat sich die Coronakrise auf die Mitgliederzahl ausgewirkt?

Nicht wirklich. Eine gewisse Fluktuation ist normal, aber speziell viele Austritte hatten wir nicht. Der TC Schlieren zählt knapp 400 Mitglieder, davon 260 aktive. Ich darf unseren Mitgliedern ein Kränzchen winden. Als wir im vergangenen Winter die Halle schliessen mussten, verzichtete die grosse Mehrheit auf das Rückzahlen der bereits geleisteten Beiträge für die Platzmiete.


Blicken wir zum Schluss voraus auf den Schlieremer Tennis-Sommer. Welches sind Ihre persönlichen Highlights der kommenden Monate?

Ich freue mich einfach auf alles, was wieder möglich sein wird. Freunde treffen, Tennis spielen und an der Sonne etwas trinken.
Was ist mit dem Fest zum 60-Jahr-Jubiläum des TC Schlieren? Das musste letztes Jahr bekanntlich verschoben werden. Das ist momentan für Ende August vorgesehen. Aber die Lage ist zu unsicher, was im Sommer erlaubt und was immer noch verboten sein wird. Wir werden im Vorstand nochmals darüber debattieren. Je nach dem feiern wir eben 2022, dafür mit einem zünftigen Anlass. Dann können wir mit freiem Kopf und vollem Elan an die Planung gehen.


Wie haben Tennisklubs im ­Limmattal die Coronapandemie bisher überstanden?

Vier ­Klubpräsidenten geben Auskunft:

Thomas Bosshart, Präsident TC Weihermatt in Urdorf.

Thomas Bosshart, Präsident TC Weihermatt in Urdorf.

zvg / Limmattaler Zeitung

TC Weihermatt

Thomas Bosshart, Klubpräsident

Seit drei Jahren steht Thomas Bosshart dem 1968 gegründeten Urdorfer Klub als Präsident vor. Er lobt vor allem die grosse Solidarität der aktuell 270 Mitglieder: «Die meisten haben erfreulicherweise im ersten Lockdown auf eine Rückzahlung nicht geleisteter Platzmieten durch das verfrühte Ende der Wintersaison verzichtet.» Auch dank strenger Kostenkontrolle während der letzten 15 Jahre war die Existenz des TCW laut Bosshart nie in Gefahr. Dies trotz erheblicher Mehrbelastung wegen des zweiten Lockdowns von Mitte Dezember 2020 bis März 2021.

Henner Mohr, Präsident TC Dietikon.

Henner Mohr, Präsident TC Dietikon.

zvg / Limmattaler Zeitung

TC Dietikon

Henner Mohr, Klubpräsident

Die Bezirkshauptstädter spielen unter anderem mit je einem Team in der NLA und in der NLB. Klar, dass sich Interimsklubpräsident Henner Mohr einen regulären Start der Interclub-Saison wünscht. «Aus finanzieller Sicht waren die zwölf zurückliegenden Monate herausfordernd, aber in der Existenz bedroht ist der Klub durch Corona sicher nicht», sagt Mohr. Man habe gewisse Einbussen gehabt, vor allem, da die Tennishalle nicht so ausgelastet werden konnte wie die letzten Jahre. Mohr: «Wir rechnen mit Finanzhilfen von Verbänden.» Als erfreulich taxiert Mohr die «Tennis-After-Work-Anlässe», an welchen das eine oder andere Neumitglied begrüsst werden konnte. Mohr: «Zudem möchte ich die Austragung der Limmattaler Tennismeisterschaften als Hauptklub erwähnen. Das war auch unter den gegebenen Umständen und trotz geringerer Teilnahme als in den letzten Jahren ein gelungener Event.»

Werner Kälin, Präsident TC Engstringen.

Werner Kälin, Präsident TC Engstringen.

zvg / Limmattaler Zeitung

TC Engstringen

Werner Kälin, Klubpräsident

Werner Kälin leitet seit zwei Jahren als Präsident die Geschicke des 1977 gegründeten Vereins. Auf die Frage, wie sein Klub durch die vergangenen zwölf Monate gekommen ist, sagt er mit einem Lächeln: «Eigentlich sehr gut. Wir sind mit unseren insgesamt 170 Mitgliedern ein eher kleiner Verein, viel Betrieb herrschte da im vergangenen Sommer auf den sechs Plätzen nicht, als man noch spielen durfte.» Darum habe man auch immer wieder Spielerinnen und Spieler begrüssen dürfen, die nicht dem Verein angehören. «Die haben ein paar Stunden bei uns gebucht und hatten viel Spass.» Einige seien gar ohne Ausrüstung aufgekreuzt. «Wir haben ihnen einen Schläger vermietet, und dann haben sie einfach mal gespielt.» Und im Klubhaus konsumiert. Kälin: «Wir konnten so unsere Einnahmen im vergangenen Sommer gar erhöhen.» Positiver Nebeneffekt: Sechs der letztjährigen Sponti-Tennisspieler sind mittlerweile dem TCE beigetreten. Für die Zukunft ist Kälin nicht bange. Er hält es für realistisch, dass die Interclub-Saison wie geplant am zweiten Mai-Wochenende gestartet werden kann. «Aber auf das traditionelle gemeinsame Essen nach den Partien werden wir wohl verzichten müssen – leider.»

Martin Tschudi, Präsident TC Uitikon.

Martin Tschudi, Präsident TC Uitikon.

zvg / Limmattaler Zeitung

TC Uitikon

Martin Tschudi, Klubpräsident

Corona hin oder her – der TCU ist laut Präsident Martin Tschudi weiterhin auf moderatem Wachstumskurs und zählt aktuell 460 Mitglieder, davon deren 200 Aktive und 190 Junioren. «Im vergangenen Sommer wurde bei uns auf der Anlage sehr viel Tennis auch während des Tages gespielt», erklärt Tschudi, «das ist sicher ein Homeoffice-Effekt». Aber wie überall konnte das gesellige Beisammensein aufgrund der Schutzkonzepte nicht stattfinden. «Das wird natürlich sehr stark vermisst», so Tschudi. Jetzt hofft der Vereinsboss darauf, «dass wir ab Ostern draussen Tennis spielen können». Das sei dann möglich, wenn es während der Instandstellungsarbeiten ab Mitte März nicht regnet und danach keine Frostnächte mehr gibt.

Folgende Klubs sind ebenfalls im Limmattal daheim: TC Oetwil, TC Geroldswil, TC Langacker, TC Unterengstringen.