Coronavirus

Coronavirus: Die Ansteckungsrate ist im Limmattal am grössten

Die Zahl der positiven Coronatests nimmt im Kanton Zürich zu - im Limmattal überproportional stark.

Die Zahl der positiven Coronatests nimmt im Kanton Zürich zu - im Limmattal überproportional stark.

Der Kanton färbt den Bezirk Dietikon am dunkelsten ein: Das Limmattal weist gemäss der kantonalen Gesundheitsdirektion im Vergleich mit den anderen Zürcher Regionen am meisten neu bestätigte Corona-Fälle auf.

Das Limmattal ist die Region, die im Kanton am stärksten von neuen Coronafällen betroffen ist: Gemäss dem täglichen Lagebulletin Covid-19 der Zürcher Gesundheitsdirektion sind in den vergangenen sieben Tagen im ­Bezirk Dietikon pro 10'000 Einwohner 3,5 bis 4,5 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Die Bezirke Zürich, Meilen, Uster und Bülach weisen in derselben Zeitspanne 2,3 bis 3,4 positive Personen auf. In den sieben weiteren Bezirken wurden in den vergangenen sieben Tagen pro 10'000 Einwohner weniger als 2,2 Coronafälle nachgewiesen.

Vom Mittelfeld an die Spitze

Noch in der vergangenen Woche lag der Bezirk Dietikon mit einem Wert von 1,3 bis 2 positiv getesteten Personen im Mittelfeld. Seither ist die Zahl der Fälle kantons- und landesweit gestiegen, im Limmattal überproportional stark. Seit einigen Tagen ist das Limmattal auf den Karten der Gesundheitsdirektion jeweils am dunkelsten eingefärbt – bis vorgestern noch gemeinsam mit anderen Bezirken, seit gestern allein.

Die Limmattaler Gemeinden sind trotz dieser Entwicklung nicht alarmiert. Es sei zwar unerfreulich, dass der Bezirk etwa viermal höhere Fallzahlen als der Bezirk Affoltern aufweise, meint der Schlieremer Sicherheitsvorstand Pascal Leuchtmann (SP). «Aber von einem eigentlichen Hotspot kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesprochen werden.» Auf dem Höhepunkt der Coronakrise während der ersten Welle seien die Zahlen viel höher gewesen.

In Urdorf wird die Lage als «angespannt, aber nicht akut» bezeichnet, wie Patrick Müller, Leiter Stab der Verwaltung, sagt. Und in Dietikon zeigt sich die zu Beginn der Coronakrise zum ersten Mal aktivierte Gemeindeführungsorganisation «wachsam, aber nicht verängstigt», wie Stadtrat Heinz Illi (EVP) die Gemütslage umschreibt.

In absoluten Zahlen sind es noch wenig Fälle

Die absoluten Zahlen, die für die einzelnen Gemeinden erhältlich sind, relativieren die dunklen Bezirkswerte denn auch ein wenig: In den meisten Limmattaler Ortschaften werden für die vergangenen sieben Tage nur Einzelfälle ausgewiesen (null bis drei positiv getestete Einwohner). Einzig für Urdorf werden in dieser Zeitspanne sieben bis neun Fälle gemeldet. Und in den Städten Schlieren und Dietikon wurden je zwischen 13 und 15 Einwohner registriert, die positiv getestet ­wurden.

Grundsätzlich überraschen diese Zahlen nicht: Je grösser eine Gemeinde ist, desto mehr Fälle gibt es in der Regel natürlich auch. Auffällig ist aber, dass Dietikon (knapp 28000 Einwohner) und Schlieren (knapp 19000 Einwohner) im Vergleich mit ähnlich grossen Ortschaften im Kanton schlechter abschneiden. Wetzikon weist mit rund 25'000 Einwohnern lediglich null bis drei Fälle auf. Kloten mit 20'000 Einwohnern sieben bis neun – so viele wie das halb so grosse Urdorf.

Über die Ursachen des Anstiegs gibt das tägliche Covid-19-Lagebulletin keine Auskunft. Denkbar ist, dass es das ­Virus im dicht bebauten Limmattal, in dem mehr Menschen herumwuseln, einfacher hat. So leben in Schlieren fast 2900 Einwohner und in Dietikon fast 3000 Einwohner auf einem Quadratkilometer zusammen, in Wetzikon sind es 1500, in Kloten 1100.

Die Statistik als Warnsystem

Über einen allfälligen Hotspot sagen die Zahlen ebenfalls nichts aus; denn sie zeigen, in welchen Gemeinden positiv Getestete leben, nicht aber, wo sie sich angesteckt haben. Diese Statistik sei für die Gemeinden deshalb nicht sonderlich relevant, sagt Heinz Illi. «Wir wollen Fälle verhindern, nicht erst im Nachhinein darauf reagieren.» Auch Patrick Müller verweist auf den präventiven Beitrag, den die Gemeinde Urdorf mit laufenden Informationen auf der Website, dem Austausch mit kommunalen Veranstaltern oder mit adäquaten Schutzkonzepten bei eigenen Veranstaltungen leiste.

KantonZürich_Covid_Stand_19_8_online_Zeichenfläche 1

KantonZürich_Covid_Stand_19_8_online_Zeichenfläche 1

Die Zahlen könnten aber als Warnsystem dienen und die Bevölkerung aufrütteln, meinen Illi, Müller und Leuchtmann. «Hände waschen, Social Distancing, Masken tragen – diese Regeln sollten von allen unbedingt befolgt werden», sagt Leuchtmann. Dass die ausgearbeiteten Schutzkonzepte zwingend umgesetzt und eingehalten werden müssten, fordert auch Illi. Er beobachtet derzeit wieder vermehrt, dass im öffentlichen Raum und in Geschäften die Abstandsregeln nicht eingehalten werden. «Deshalb hat das Virus leider wieder eine Chance erhalten.»

Meistgesehen

Artboard 1