Urdorf/Dietikon
Collegium Musicum Urdorf läutete neues Jahr gleich doppelt ein

Eine überragende Trompetensolistin, ein mitreissender Dirigent sowie ein beschwingtes barockes und wienerisches Konzertprogramm: So eröffnete das Collegium Musicum Urdorf (CMU) das taufrische Jahr 2013 in Urdorf und Dietikon.

Christian Murer
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Neujahrskonzert CMU Dietikon/Urdorf
11 Bilder
Stadtpraesident Otto Mueller beim Apero
Lorenz Raths spielt das Waldhorn
Simone Welti und Martin Sonderegger an der Klarinette
CMU Neujahrskonzert 2013 Ref Kirche Urdorf
Das Collegium Musicum Urdorf spielte in der vollen Dietiker Stadthalle
Manuela Fuchs spielt das Trompetenkonzert von Jan Neruda
Der junge Geiger Samuel Mittag aus Dietikon und Elisabeth Guidon
Konzertmeisterin Jeanine Brechbuehler und Geiger Silvan Meier
Neujahrskonzert 2013 des CMU in der reformierten Kirche Urdorf
Trompetensolistin Manuela Fuchs

Neujahrskonzert CMU Dietikon/Urdorf

Christian Murer

Fulminant begann das CMU unter seinem Dirigenten Pascal Druey mit der «Ouverture» des englischen Barockkomponisten William Boyce am Abend des 1. Januars das Neujahrskonzert in der reformierten Kirche Urdorf. Und in der Dietiker Stadthalle erfreuten sich anderntags über 800 Kultur- und Musikfreunde am exzellenten Konzertprogramm.

Zu den Höhepunkten des Programmes gehörte gewiss das Trompetenkonzert in Es-Dur des tschechischen Komponisten Johann Baptist Georg Neruda. Dabei ist die 22-jährige Solistin Manuela Fuchs mit ihrer spürbaren jugendlichen Spielfreude zum Liebling des diesjährigen CMU-Neujahrskonzerts geworden. Nicht weniger souverän interpretierte das CMU die schwungvollen Walzer und Polkas des Wieners Johann Strauss sowie zwei ungarische Tänze von Johannes Brahms. Es war so ganz nach dem Geschmack des zauberhaft gestimmten Publikums.

Achtung vor Neujahrs-Vorsätzen

In seiner kurzen Neujahrsansprache wünschte Stadtpräsident Otto Müller im Namen des Stadtrates allen ein gutes und erfolgreiches neues Jahr: «Gesundheit und Wohlergehen sollen Ihre Begleiter im Jahr 2013 sein.» Der Übergang vom alten zum neuen Jahr sei immer wieder die Zeit des Rückblickes, aber auch des Ausblickes und natürlich die Zeit der guten Vorsätze. Mit den guten Vorsätzen sei aber Vorsicht geboten, denn diese seien vielfach so, wie Johann Nestroy sagte: «wie grüne Früchte, die abfallen, bevor sie reif sind.»

Der Stadtpräsident betonte, dass der Stadtrat in einer Zeit des starken Wandels und Wachstums, wie sie Dietikon gegenwärtig erlebe, seine Verantwortung wahrnehmen wolle. Junge, Familien und die ältere Bevölkerung sollen sich heute und auch künftig in der Stadt wohlfühlen und ein lebenswertes Umfeld vorfinden.

Schliesslich sagte Otto Müller: «Meine am Anfang geäusserten Neujahrswünsche richten sich besonders an Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, die zu den weniger Begünstigten, aber auch zur Gesellschaft gehören: Kranke, Einsame, Arbeitslose, Menschen, die Schicksalsschläge erlitten.» Viele würden einer ungewissen Zukunft entgegenblicken. Gerade diese Menschen bräuchten Quellen der Kraft, Zuversicht und Hoffnung. Doch: «Meine Gedanken und guten Wünsche gehören auch all jenen, die sich für die Benachteiligten einsetzen, vielfach freiwillig. Ihr Dienst an der Gesellschaft ist nicht selbstverständlich und wird sehr geschätzt», so der Dietiker Stadtpräsident.

Beim Apéro sagte die Geroldswiler Gemeindepräsidentin Ursula Hofstetter zum Konzert: «Was dieses semiprofessionelle Orchester und die junge Trompeterin geboten haben, war einfach traumhaft schön.» Reto Siegrist, der Präsident der Genossenschaft Dietiker Stadthalle, ergänzte: «Ich finde es ganz toll, dass wir hier im Bezirkshauptort ein Musikensemble aus dem Limmattal geniessen können.» Mit dem Konzert habe das CMU der Dietiker Bevölkerung eine grosse Freude bereitet.

Urdorf: Neujahrsgedanken der Gemeindepräsidentin

Da Sandra Rottensteiner krankheitshalber die Neujahrsrede nicht persönlich überbringen konnte, verwies Patrick Müller, Leiter Stab, auf die Homepage der Gemeinde. Die Gemeindepräsidentin stellte den Begriff «Zeit haben» in den Mittelpunkt ihrer Gedanken. «Wenn ich am ersten Tag im Jahr meine neue Agenda durchblättere, dann freue ich mich über die vielen noch leeren Seiten», schreibt Rottensteiner. Denn: «Sie sagen mir: ‹Du hast Zeit.› Ein schönes Gefühl. Und ich nehme mir vor, dieses Jahr darauf zu achten, dass sich die leeren Seiten weniger oder wenigstens weniger schnell füllen.» Schon im frühesten Kindsalter werde uns der Stellenwert der Zeit und die Bedeutung von Pünktlichkeit eingeimpft. Denn wer sich nicht an Termine hält, bekomme umgehend Phrasen wie folgende zu hören: «Pünktlichkeit ist fünf Minuten vor der Zeit», «Alles hat seine Zeit» und «Zeit ist Geld». War es früher so, dass das Tageslicht den Lebensrhythmus vorgab, habe der Tag heute, mit der Erfindung des künstlichen Lichts, auf einmal wesentlich mehr Stunden, so die Gemeindevorsteherin. Und sie fragt sich: «Was machen wir daraus? Nur noch Fernsehen schauen genügt schon lange nicht mehr: Gleichzeitig auf dem Hometrainer zu strampeln und mit dem Smartphone Termine über Facebook zu vereinbaren ist heute ja gang und gäbe. Zeit zum Ruhen, Zeit für Musse, Zeit für einen vertieften Austausch mit Familie und Freunde: Sie wird rar oder verschwindet gänzlich.» Rottensteiner schliesst mit einem Zitat von Lucius Seneca: «Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.» Vielleicht sei jetzt zum Jahresbeginn der richtige Zeitpunkt, in unserer Agenda einige Stunden oder Tage zu streichen und bewusst frei zu halten. (MU)