Schlieren
Colette Binder-Peier spricht die Sprache der älteren und jüngeren Generation

Während die Jungen über virtuelle Clouds oder das neuste IPhone diskutieren, leben ältere Menschen oft in der Vergangenheit und fühlen sich unverstanden. Diesem Problem widmet sich Colette Binder-Peier in ihrer Broschüre «Erinnerungen».

Ladina Trachsler
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Limmattaler Zeitung

Die Kommunikation zwischen Alt und Jung kann manchmal ganz schön verkorkst sein. Ältere Menschen leben oft in der Vergangenheit und fühlen sich von der jüngeren Generation unverstanden. Die Jungen diskutieren demgegenüber gerne über das neuste Apple IPhone oder virtuelle Clouds; Themen, über die ältere Generationen oft nicht mehr mitreden können. Erlebnisse, Lebenserfahrungen und Wertvorstellungen ändern sich von Generation zu Generation. So entsteht oft ein unangenehmes Schweigen, wenn Alt und Jung zu plaudern versuchen.

Diesem Problem widmet sich Colette Binder-Peier in ihrer Broschüre «Erinnerungen», die eine Anregung für mögliche Gespräche mit älteren Menschen sein soll. Diese Broschüre stellte sie am Mittwochnachmittag im Schlieremer Stürmeierhus, im Rahmen des Erzählnachmittags der reformierten Kirche, vor.

Mit Maggi, Hero und Schallplatten in die Vergangenheit

Zur Inspiration breitet sie viele verschiedene Gegenstände von früher auf einem Tisch in der Mitte des Raumes aus: Ein Maggi-Gewürz, eine Hero-Dose, Schallplatten und ein Teppichklopfer stechen sofort ins Auge. «Diese Dinge sollen uns helfen, in die Vergangenheit zu reisen», begrüsst sie die Gäste. Auf die Einstiegsfrage, wer denn von den Damen Zöpfe getragen habe, folgt sogleich ein aufgeregtes Kopfnicken und fast alle Hände recken in die Luft. «Meine waren so lange», «Meine gingen bis zur Hüfte», ertönt es von allen Seiten. Auch die Hero-Dose auf dem Tisch weckt alte Erinnerungen bei einigen Besuchern.

So erzählt beispielsweise Lilly Steiger, wie sie als Kind immer in den Schulferien für die Hero-Konfitüre Beeren pflücken musste. «Mit diesem Sackgeld konnte ich mir mein Konfkleid finanzieren», erzählt sie stolz. Dass Kinder arbeiten mussten, sei früher keine Seltenheit gewesen, stimmen auch die anderen Gäste zu. So musste Sonja Fuchs etwa mit dem Fahrrad den Pferdekutschen nachfahren und die Pferdeäpfel einsammeln. Diese verkaufte sie anschliessend an die benachbarten Bauern als Düngemittel und konnte sich so ihren Sommerpass für die Badi kaufen, erzählt sie schmunzelnd.

Treffpunkt der Hausfrauen

Auch das Thema des Migros-Wägelis, das jeden Tag von Dorf zu Dorf fuhr, bringt eine angeregte Diskussion ins Rollen. Es sei der Treffpunkt der Hausfrauen gewesen, denn alle seien sie zur gleichen Zeit am gleichen Ort einkaufen gegangen und danach habe man sich meist noch lange «verschwazt», sagt Trudi Horisberger.

In ihrer Broschüre «Erinnerungen» präsentiert Colette Binder-Peier auf 30 Seiten zahlreiche Fragen und Bilder zu Themen aller Art (LIZ vom 2. April 2013). So schlägt sie beispielsweise unter dem Thema «Frauenmode» vor, nach den ersten Seidenstrümpfen oder der Rocklänge zu fragen. Besonders fasziniert habe sie auch eine Anekdote ihrer Mutter, dass früher Handtasche, Handschuhe, Hut und Schuhe farblich zusammenpassen musste, erzählt sie fröhlich.

«Das wäre heute nicht mehr denkbar», fügt sie lächelnd an. Ein Gespür für das Gespräch mit älteren Menschen habe sie schon immer gehabt, wobei es schwieriger sei, einen älteren Herren «abzuholen», als eine Frau. Bei Frauen seien es oft die Führung des Haushalts oder natürlich die Mode, wohingegen bei Männern eher Themen wie die Wirtschaft, Autos oder das Militär zum Gespräch anregen.