Limmattal
Coiffeursalons suchen Lehrlinge

188 Ausbildungsplätze sind im Kanton noch frei und auch Salons der Region fehlt der Nachwuchs – das liegt am Überangebot, meint Coiffeuse Cornelia Hickenbick aus Dietikon

Von Anina Gepp
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Coiffeur gehört immer noch zu den zwanzig meistgewählten Berufen in der Schweiz, wie eine Studie zeigt. Keystone

Coiffeur gehört immer noch zu den zwanzig meistgewählten Berufen in der Schweiz, wie eine Studie zeigt. Keystone

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Kurz vor den Sommerferien sind im Limmattal viele Lehrstellen noch frei – und zwar in diversen Berufen. Besonders gesucht sind aber angehende Coiffeure, wie ein Blick in den Lehrstellennachweis «Lena» der Berufsberatung zeigt. Insgesamt 188 Ausbildungsplätze sind im Kanton Zürich in der Coiffeurbranche noch zu vergeben. Auch fünf Salons in Dietikon, Schlieren und Urdorf haben noch freie Stellen ausgeschrieben. Doch was sind die Gründe für den Lehrlingsmangel in den Coiffeurbetrieben?

Für Cornelia Hickenbick, Inhaberin des Coiffeurs Hickenbick in Dietikon, liegt der Grund auf der Hand: «Es gibt inzwischen schlichtweg zu viele Coiffeure.» Sie selbst habe zwar keine Mühe, Lehrlinge zu finden. Dass die Nachfrage aber kleiner sei als das Angebot, erstaune sie nicht.

36 Coiffeursalons in Dietikon

Die Dietikerin hat damit nicht unrecht: Auf 10 000 Einwohner kommen in der Stadt Zürich tatsächlich 16,9 Coiffeurgeschäfte. In keiner anderen der 55 untersuchten deutschsprachigen Städte hat es annähernd so viele Salons, wie ein Vergleich der deutschen Ausgabe von «MensHealth» zeigt. In Dietikon sieht es nicht viel anders aus. Wer im Internet nach Coiffeursalons in der Stadt sucht, erhält aktuell 36 Treffer. Somit liegt die Coiffeurdichte pro 10 000 Einwohner auch in Dietikon bei 15,7. Der Coiffeursalon Hickenbick konnte sich gegen die Konkurrenz durchsetzen und ist mittlerweile seit 50 Jahren in der Stadt. Das Geheimrezept, so Hickenbick, sei ihre Passion für den Beruf. Sobald sie im Wachzustand sei, drehe sich bei ihr alles um den Beruf. «Es ist mein Leben. Ich stecke all meine Energie in den Salon», sagt sie. Diese positive Einstellung übertrage sich auf alle Mitarbeiter.

Dass der Coiffeurberuf heute unbeliebter sein könnte als früher und deshalb noch viele Lehrstellen frei sind, glaubt Hickenbick nicht. Sie schwärmt von ihrem Beruf. «Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen, als Haare zu schneiden», sagt sie. Tatsächlich bestätigen aktuelle Zahlen des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, dass Coiffeur nach wie vor zu den zwanzig meistgewählten Berufen in der Schweiz gehört. Insgesamt stehen rund 230 berufliche Grundbildungen zur Wahl.

Anforderungen sind gestiegen

Giuseppe Liserra, Präsident des Verbands Coiffure-Suisse der Sektion Limmattal und Amt, erklärt sich die Mühen bei der Lehrlingssuche einerseits durch die geburtenschwachen Jahrgänge. «Wir wussten schon im Voraus, dass es in den kommenden drei bis fünf Jahren so weit sein wird», sagt er. Hinzu komme, dass im Coiffeurberuf die Anforderungen gestiegen sind. Das sei der Bevölkerung aber oft gar nicht bewusst. Er persönlich stelle in seinem Salon deshalb nur noch Lernende mit Sek-A-Abschluss ein, so Liserra.

Jedes Jahr bildet auch Hickenbick ein bis zwei neue Lehrlinge in ihrem Salon aus. Wer eine Coiffeurlehre bei ihr machen wolle, müsse vor allem einen Sinn für Ästhetik haben, so Hickenbick. Die schulische Leistung ist für sie weniger wichtig. Viel entscheidender sei das Gespür für Menschen.

Der Lehrling müsse zudem teamfähig sein und gut mit den Kunden umgehen können. Denn das sei die Herausforderung am Beruf: sich mit allen Menschen aus den unterschiedlichsten Altersklassen gut zu verstehen. Bis auf 2 Personen haben alle 13 Mitarbeiter des Teams im Hickenbick die Lehre absolviert. Ihr sei es wichtig, die Lehrlinge so auszubilden, dass man sie auch gerne nach der Lehrzeit noch im Salon behalte, so die Coiffeuse.