Adventsgeschichten

Clowns und Narren gehören in unsere Welt

Stefan Baier erzählt im Kellertheater die Geschichte von Till Eulenspiegel: «Narren sagen die Wahrheit».  Fsc

Stefan Baier erzählt im Kellertheater die Geschichte von Till Eulenspiegel: «Narren sagen die Wahrheit». Fsc

Im Dietiker Kellertheater standen am ersten Advent Geschichten über Till Eulenspiegel auf dem Programm. Stefan Baier vermochte es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und das Publikum zum Lachen zu bringen.

Der letzte Platz im Kellertheater ist besetzt. Gespannt wartet Klein und Gross auf die angekündigten Adventsgeschichten des Dietiker Theatermachers Stefan Baier. Sind es Geschichten zu Weihnacht, über den Niklaus, die Engel und Hirten? Baier ist überzeugt: «Für den Advent braucht es keine speziellen Geschichten. Es müssen einfach gute Geschichten sein, die das Warten bis zum grossen Fest abkürzen.» Gut ist eine Geschichte für den Theatermacher, wenn auch Humor dabei ist, denn der Tragik dieser Welt sei nur mit Humor zu begegnen.

«Dumme gibt es immer»

Von Tragik ist an diesem Sonntagmorgen im Kellertheater Dietikon nichts zu spüren. Auf dem Programm stehen Geschichten über Till Eulenspiegel, den Narren und Gaukler, der im 14. Jahrhundert in Deutschland seinen Schabernack getrieben und der Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten hat. Mancher Zuschauer habe sich gründlich über Eulenspiegel geärgert, weiss Baier. Der aber sei überzeugt gewesen: «Die, die sich über mich ärgern, das sind die Dummen – und Dumme gibt es immer.»

Gekonnt schlüpft Baier in die Rolle des Till Eulenspiegel, der getäuschten Räuber, des betrogenen Bäckermeisters oder der überheblichen Professoren, die partout nicht glauben können, dass Till einem Esel schon nach wenigen Tagen die Buchstaben I und A beibringen kann. Die Geschichten bringen auch heute die Menschen zum Lachen. Die Kleinsten verstehen wohl noch nicht, worum es geht – sie lachen dafür umso ausgelassener über Baiers Faxen und Grimassen. Felix Weidmann, Gitarrist und Primarlehrer am Schulhaus Wolfsmatt, unterstützt Baier gekonnt mit der Gitarre bei den rockigen Liedern über Till seine Narreteien.

Dalia Schilling wartet gespannt auf die Aufführung: «Ich glaube, es wird lustig!» Was hat ihr am Ende am besten gefallen? «Dass unsere Grittibänzen von Till Eulenspiegel abstammen sollen, das fand ich das Beste», lacht die Schülerin. Till hatte sich als Bäckerlehrling verdingt, ohne eine Ahnung von Backen zu haben. Statt Brote und Zöpfe buk er Meerkatzen und Eulen und machte damit – zum Ärger des Bäckermeisters, der ihn vorher zum Teufel gejagt hatte – das grosse Geld.

«Narren sagen die Wahrheit»

«Unsere Aufgabe ist es, die Leute zu berühren. Wenn das gelingt, kommt es zurück in Form von Stille, von Lachen, von grossen Augen», erklärt Stefan Baier und ergänzt: «Ich glaube, Clowns und Narren gehören in unsere Welt. Vielleicht bräuchte es wieder mehr Narren. Sie sagen die Wahrheit.» Am Ende wird es doch noch ein wenig Advent: Felix Weidmann und Stefan Baier verabschieden die Zuschauer mit einem Adventskalenderlied. Kein weihnächtliches, versteht sich – ein richtig rockiges.

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