Schlieren
Cloud-Konzept soll Datenschutz der App User sichern

Die Benutzer der Smartphone-Applikation «Schlieren» müssen persönliche Daten bei der Installation angeben. Gemeinderat Dominik Ritzmann der Grünen kritisiert dies.

Sebastian Schanzer
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Smartphone-Applikation «Schlieren»: Auswertungen der Daten fänden statt, wenn auch nur «für statistische Zwecke und anonym in Zusammenhang mit der Nutzung der App», so der Stadtrat.

Smartphone-Applikation «Schlieren»: Auswertungen der Daten fänden statt, wenn auch nur «für statistische Zwecke und anonym in Zusammenhang mit der Nutzung der App», so der Stadtrat.

zvg

Die persönlichen Daten, die Benutzer der Smartphone-Applikation «Schlieren» bei der Installation angeben müssen, werden von dem App-Entwickler Anthrazit AG und der Stadt Schlieren weder gelesen noch gespeichert, wie der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Anfrage von Gemeinderat Dominik Ritzmann (Grüne) schreibt. Auswertungen der Daten fänden hingegen statt, wenn auch nur «für statistische Zwecke und anonym in Zusammenhang mit der Nutzung der App».

Der von der Applikation eingeforderte und von Ritzmann kritisierte Zugriff auf die Kamera, auf persönliche Kontakte oder die GPS-Ortung würde einzig dazu benötigt, «Daten in die Datenstrukturen der Benutzerinnen und Benutzer schreiben zu können», so der Stadtrat. Dieser Vorgang sei wichtig für die Nutzung diverser Anwendungen: so etwa für die Übertragung des städtischen Abfallkalenders in den persönlichen Kalender oder, wie im Fall der GPS-Ortung, für Distanzberechnungen.
Ritzmann bezeichnete die geforderten Zugriffsberechtigungen in seiner Anfrage als «tiefgreifend» und deren Notwendigkeit «mehr als fragwürdig». Mit einem Programm auf seinem Android-Gerät kann Ritzmann der App nämlich die geforderten Zugriffsberechtigungen entziehen, ohne dass in der Folge die Funktionen des Apps eingeschränkt würden. An den Aufforderungen zur Zugriffsberechtigung können die App-Entwickler laut Antwort des Stadtrates aber nichts ändern. Diese stammten von Google und Apple. Es handle sich dabei um «Standards, die weltweit gleich behandelt» würden.

Cloud-Konzept wird angepasst

Die Fragen zur App waren jedoch nicht die einzigen datenschützerischen Bedenken, die Ritzmann umtrieben. Er wollte auch wissen, wie die Stadt mit ihren Einwohnerdaten umgeht. Daten von Polizei und Zivilschutz sowie Einwohner-, Finanz- und Personaldaten würden auf Servern in verschiedenen Schweizer Rechenzentren gespeichert und unterstehen damit dem Schweizer Recht, so der Stadtrat. Deren Sicherheit würden die jeweiligen Zentren gewährleisten. Fachapplikationen und persönliche Daten sind hingegen im Stadthaus gespeichert — unverschlüsselt.

Ritzmanns Frage, ob die Stadt auf das sogenannte Cloud Computing zurückgreife, verneint der Stadtrat — mit Ausnahme der Rechenzentrendaten. Beim Cloud Computing können Nutzer Daten auf einen Server laden und von verschiedenen Standorten darauf zugreifen. An Standorten im Ausland sind diese Daten auch dessen Recht unterstellt.

Mit dem Hinweis, dass viele Länder den Datenschutz «zu Ungunsten der Persönlichkeitsrechte auslegen», fragte Ritzmann deshalb nach einem allfälligen Reglement betreffend Cloudspeicherung für die Mitarbeitenden der Gemeinde. Schon heute müsse eine Regelung betreffend Umgang mit elektronischen Daten von jedem neuen Mitarbeitenden unterschrieben werden, so die Antwort. Theoretisch sei es aber möglich, «dass einzelne Mitarbeitende Daten in Clouds speichern». Denn da es sich dabei um ein neues Phänomen handle, gebe es noch keine Bestimmungen dazu. Das Reglement werde aber demnächst überprüft und angepasst.

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