Oberengstringen
Claudia Trüb rät ihrem Nachfolger, öfter mal auf den Tisch zu hauen

Gemeinderätin Claudia Trüb tritt aus der Exekutive aus, um sich künftig der Kirchenfusion zu widmen.

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Gemeinderätin Claudia Trüb: «Zeitweise riefen Menschen samstags und sonntags bei mir zu Hause an, um ihren Unmut auszudrücken.»

Gemeinderätin Claudia Trüb: «Zeitweise riefen Menschen samstags und sonntags bei mir zu Hause an, um ihren Unmut auszudrücken.»

Alex Rudolf

Frau Trüb, Sie ziehen sich auf Ende Februar 2016 aus der Oberengstringer Exekutive zurück. Was ist Ihre grösste Errungenschaft?

Claudia Trüb: Als ich frisch in den Gemeinderat gewählt wurde, galt es, das Parkplatzproblem zu lösen und die Einführung von Tempo 30 zu prüfen. Dies dürfte wohl eine der gewichtigsten Neuerungen gewesen sein.

Claudia Trüb packt die heissen Eisen der Regionalpolitik an

Die politische Karriere von Claudia Trüb (FDP) begann 1999 mit ihrer Wahl in die reformierte Kirchenpflege von Oberengstringen. Zehn Jahre später schaffte die gebürtige Hönggerin die Wahl in den Gemeinderat und trat somit die Nachfolge von Hanspeter Seiler an. Die heute 53-Jährige fungiert als Gesundheits- und Sicherheitsvorsteherin. In der Bevölkerung ist die Mutter von drei Töchtern äusserst beliebt: Bei den Gesamterneuerungswahlen von 2010 und 2014 erzielte sie beide Male das zweitbeste Resultat unter ihren Kollegen in der Exekutive. Die beiden Ämter im Kirchenpräsidium und in der Exekutive seien bis anhin gut aneinander vorbeigekommen, sagt Trüb. Doch damit ist nun Schluss. Die Oberengstringer Reformierten segneten im vergangenen Oktober die Absichtserklärung zur Fusion zu einer grossen Stadtzürcher Kirchgemeinde ab. Voraussichtlich bis im Jahr 2019 soll diese Fusion umgesetzt werden. (aru)

Keine einfachen Geschäfte.

An diversen Infoveranstaltungen zu diesen Themen habe ich versucht, die Einwohner zu informieren und sie so auch ins Boot zu holen. Ich machte mir aber nicht nur Freunde. Realisieren die Leute, dass vor ihrem Haus ein Parkplatz aufgehoben wird, dann können sie schnell emotional werden.

Wie äusserte sich dies?

Zeitweise riefen Menschen samstags und sonntags bei mir zu Hause an, um ihren Unmut auszudrücken. Als im Nachzug des neuen Regimes erstmals Strafzettel verteilt wurden, kam dies besonders oft vor. Es gab aber auch sehr viele positive Reaktionen. Zum Beispiel junge Mütter, die sich über Tempo 30 freuten.

Hatten Sie Probleme damit, sich abzugrenzen?

Als ich in der Migros beim Wiegen von Gemüse einmal von einem erzürnten Mann gefragt wurde, ob ich meine «verfluchten» Tempo-30-Tafeln schon alle gekauft hätte, da überlegte ich mir schon kurz, ob ich künftig nach Regensdorf einkaufen gehen solle. Dies tat ich dann aber nicht.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg?

Man muss in diesem Gremium seine Meinung vertreten, gesunden Menschenverstand haben und durchsetzungsfähig sein. Womöglich sollte man öfters auf den Tisch hauen, als ich das in den vergangenen sechs Jahren getan habe (lacht). Die Zusammenarbeit in den Kommissionen und mit der Verwaltung war stets hervorragend.

Man muss also stark sein, um in der Oberengstringer Exekutive zu bestehen. Der Gemeinderat hat also noch Potenzial in Sachen Zusammenarbeit unter den Mitgliedern?

(lacht) Das haben Sie schön formuliert. Dieses Potenzial für eine bessere Zusammenarbeit ist sicherlich vorhanden.

Ihren Rücktritt begründen Sie mit dem Amt als Präsidentin der Reformierten Kirchenpflege Oberengstringen. Diese befindet sich derzeit im Umbruch mit der Fusion der Stadtzürcher Kirchgemeinden.

Der Reformprozess in der Stadt Zürich ist schon länger im Gang. Nach der Abstimmung vom September 2014 intensivierte sich die Arbeit rapide. Wir mussten abklären, wie es mit den Oberengstringer Reformierten weitergehen sollte. Ob wir bei der Stadt bleiben oder im Bezirk einen Fusionspartner suchen. Die Anzahl Sitzungen nahm zu. In diesem Sommer merkte ich, dass die Doppelbelastung wegen vieler Überschneidungen zum Problem wird. Ich will Ämter nicht halbbatzig führen.

Im Oktober gab die Kirchgemeinde Oberengstringen grünes Licht zur Partizipation am Fusionsprozess mit den Stadtzürcher Kirchgemeinden. Dem fast einstimmigen Abstimmungsresultat ging jedoch eine längere Diskussion voran.

Das war keine längere Diskussion. Hauptsächlich wurden Fragen bezüglich der Informationsstrategie gestellt. Dies nehme ich mir zwar zu Herzen. Doch ist es schwierig, über etwas zu informieren, von dem man noch nicht weiss, wie es dereinst aussehen wird.

Wie bei den Parkplätzen müssen Sie sich auch hier wieder mit hochemotionalen Fragen beschäftigen. Wird Oberengstringen nach der möglichen Fusion 2019 noch einen eigenen Pfarrer haben, wird es noch einen sonntäglichen Gottesdienst im Dorf geben?

Genau. Diese Fragen kann ich allesamt noch nicht beantworten, weil wir nun mit den Vertretern aus Höngg und Wipkingen West – voraussichtlich wird Oberengstringen mit diesen Kirchgemeinden einen Kirchenkreis bilden – im Gespräch sind. Fakt ist, dass alle Kirchgemeinden zu geringe Einnahmen haben, um das aktuelle Leistungsangebot aufrechtzuerhalten.

Es ist also keine der derzeitigen Leistungen in Stein gemeisselt?

Wir sind bestrebt, Angebote für Senioren oder junge Familien im Dorf zu behalten. Weil die Jungen mobiler sind, ist es denkbar, dass Jugendarbeit über die Gemeindegrenzen hinausgedacht wird. Ich will die Meinungen und Bedürfnisse der Oberengstringer Reformierten in Erfahrung bringen, sodass ich diese in den Reformprozess einbringen kann.