Urdorf
Chugeli-Bahnen verwandeln Ortsmuseum in Spieloase

Das Urdorfer Ortsmuseum zeigt Heiri Ganterts Chugeli-Bahnen aus recycliertem Material. Kinder freuen sich über die neue «Spielzeug-Erfindung.»

Ly Vuong
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Kugelbahnen
7 Bilder
Die Serpentina-Chugeli-Bahn - eine Achterbahn für Murmeln.
Faszinierende Chugeli-Bahnen aus recycliertem Material.
Kinder experimentieren mit den Chugeli-Bahnen.
Die Chugeli-Bahnen verführen auch Erwachsene zum Spielen.
Chugeli-Bahnen verwandeln Orsmuseum zur Spieloase.
Die Murmel rollt durch alle Dosendeckel und macht Blechmusik.

Kugelbahnen

zvg

Es rattert und klingelt an der Chugeli-Bahn-Vernissage im Urdorfer Ortsmuseum. Kinder rennen von einer Chugeli-Bahn zur anderen. «Cool», meint der 3-jährige Jayden, während er den Lauf der Murmel beobachtet und in die Hände klatscht. Gleich nebenan experimentieren einige mit den Bahnen und schaffen es, mit zu vielen Murmeln auf einmal das Bahn-System zu überfordern. Die erfüllte Erwartung beim Spielexperiment entlockt den Kindern ein Juchzen.

«Kinder sind die besten Spieler», findet der 84-jährige Urdorfer Heiri Gantert. Vor sechs Jahren hat Gantert, gelernter Elektriker und Sek-Lehrer, angefangen, Chugeli-Bahnen aus Abfall wie altes Fahrrad-Schutzblech, Objekte aus Baumulden, Büchsen, Dosendeckel oder Schulhausglocken für seine zwei Enkel zu bauen. Mit der Zeit habe er einen Blick für Wiederverwendbares entwickelt, sagt Gantert, der in den Nachkriegsjahren zu Sparsamkeit mit Ressourcen erzogen wurde.

Den Chugeli-Bahnen gibt Gantert sprechende Namen wie «Serpentina», «Alpuufzug» oder «Bella», wobei «Bella» ein Wortspiel aus Bell (Englisch für Glocken) und Bella (Italienisch für schön) ist. Insgesamt hat Gantert 17 Chugeli-Bahnen aus recycliertem Material gebastelt, 12 davon sind bis Mitte November im Ortsmuseum Urdorf ausgestellt.

«Diese Chugeli-Bahn-Ausstellung soll mehr Kinder ins Ortsmuseum bringen», erklärt der Präsident der Heimatkundlichen Vereinigung Urs Wüthrich. Das Ortsmuseum sei nämlich ein Ort der Begegnung und Bildung, der die Bevölkerung mit der Vergangenheit Urdorfs verbindet, sagt Wüthrich.

In der Tat verbinden viele der Besucher, ob jung oder alt, gute Erinnerungen mit Chugeli-Bahnen. «Mein Vater hat mal selber eine Chugeli-Bahn aus Holz für mich gebaut. Das war sehr schön», erzählt der 11-jährige Justin Aschwanden. «Ich kann mich noch an Spiele erinnern, bei denen wir schauten, wer die schnelleren Murmeln hatte», berichtet die 29-jährige Ramona Gartmann. Viel Nostalgie kommt auch bei der 72-jährigen Urdorferin Elisabeth Lüchinger auf. «Als Kind hatten wir keine Glaskugeln, deshalb haben wir aus Lehm Kugeln geformt und sie in der Sonne getrocknet. Wir stellten Holzbretter auf und liessen dann die Lehmkugeln da runterrollen. Das waren unsere Chugeli-Bahnen», erzählt Lüchinger.

Zurück in der Gegenwart, nutzen die Besucher die Gelegenheit, Gantert Fragen zu seinen Werken zu stellen, und erfahren, dass Gantert Büchsen quer statt längs schneidet, so dass es lange Blechbahnen gibt. Dabei zeichnet Gantert keine Pläne, sondern geht von den Materialien aus. Bei seinen Bahnen sind nur die Schrauben und Nägel gekauft. «Die Idee des Recyclings gefällt mir sehr gut. Ich habe gar nicht daran gedacht, dass die Materialien so vielfältig klingen», lobt Otto Kaufmann.