Limmattalbahn
Christian Meier: „Der Kantonsrat hat heute Stau beschlossen“

Der ehemalige Unterengstringer Gemeinderat Christian Meier (SVP) präsidiert das Referendumskomitee. Denn aus seiner Sicht, werde mit der Limmattalbahn das Gegenteil von dem erreicht, was man von ihr erwarte.

Jürg Krebs
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Christian Meier glaubt, dass es machbar ist, die notwendigen 3000 Unterschriften für eine Volksabstimmung zu sammeln.

Christian Meier glaubt, dass es machbar ist, die notwendigen 3000 Unterschriften für eine Volksabstimmung zu sammeln.

Chris Iseli

Limmattaler Zeitung: Christian Meier, Sie präsidieren das Referendumskomitee. Sie sammeln also Unterschriften für ein Referendum gegen die Limmattalbahn?

Christian Meier: Das ist richtig. Im Vorfeld zeichnete sich bereits ab, dass das Ergebnis so rauskommen wird, wie es nun rausgekommen ist. Das Votum ist allerdings sehr deutlich ausgefallen. Dass alle elf Kantonsräte aus dem Limmattal dafür sind, widerspiegelt die Situation in der Region jedoch nicht. Es gibt zwei Lager, über deren Kräfteverhältnisse ich nicht spekulieren will.

Wie setzt sich Ihr Komitee zusammen?

In unserem Komitee sind Unternehmer, aktive und ehemalige Politiker sowie Kulturschaffende vertreten. Wir sind breit abgestützt. Einige wohnen in Altstetten, der grösste Teil in Schlieren und in Dietikon, und dann hat es noch Mitglieder aus den umliegenden Gemeinden.

Ihre eigene Partei, die SVP, hat der Limmattalbahn deutlich zugestimmt. Was verkennen ihre Parteikollegen im Kantonsrat?

Es wurde viel in eine glückliche Zukunft hineininterpretiert. Ich bin Ingenieur und als solcher betrachtet man die Verkehrsthematik aus einer anderen Perspektive. Man fragt sich, ob das richtige Verkehrsmittel gewählt wurde oder ob die Netztopologie stimmt. Das sind jedoch Themen, die schwierig zu vermitteln sind.

Versuchen Sie es trotzdem. Welches ist Ihr grösster Kritikpunkt?

Im Gegensatz zum Busnetz ist die Limmattalbahn ein lineares Verbindungsmittel, das anders als im Glattal die S-Bahnlinie nicht tangential verbindet, sondern parallel zu ihr fährt. Die Limmattalbahn vernetzt also nicht, sondern entlastet die S-Bahn. Eine parallele Entlastung zur S-Bahn ist aber nicht das richtige Mittel, denn die Verkehrsströme sind viel komplexer.

Können Sie das an einem Beispiel erläutern?

Betrachtet man etwa die Verkehrsströme der Mittelschüler an die Kantonsschule, stellt man fest, dass diese nicht exakt aus Westen oder Osten an die Schule gelangen, sondern eher aus anderen Richtungen. Wenn nun behauptet wird, dass gerade dies einen grossen Teil der Nachfrage nach der Limmattalbahn ausmache, bezweifle ich das.

Für Sie ist die Limmattalbahn also zu wenig flexibel. Ein Bus würde auch spätere Linienkorrekturen zulassen?

Ich sage nicht, dass es ein zusätzlicher Bus sein muss. Ein organisches Wachstum des heutigen Busnetzes wäre aber der zukunftsgerichtete Weg. Wenn man nun sagt, dass ein Tram wesentlich umweltfreundlicher sei, als ein Bus, gebe ich zur Antwort, dass es auch mit einem flexiblen Elektrobus möglich ist, die Umweltfreundlichkeit des Trams zu erreichen.

Sie stimmen aber zu, dass es ein Verkehrsmittel braucht, um die künftige Entwicklung aufzufangen?

Normalerweise beobachtet man, wie sich die Nachfrage entwickelt. Hier baut man eine Bahn, um eine Nachfrage zu schaffen. Für gewisse Leute im Limmattal ist das der total falsche Weg.

Allerdings zeigt sich immer wieder, dass viele Jahre vergehen, bis ein solches Verkehrsmittel korrigierend wirkt. Dann beklagen wir uns über den Stau. Ist es nicht zu wenig weitsichtig, noch abzuwarten, bis sich das Problem zeigt?

Mit der Anti-Stau-Initiative fordert unsere Partei den Regierungsrat ja auf den Stau mit jenen Mitteln zu beheben, die richtig wären. Nämlich nicht noch mehr Stau zu produzieren. Der Kantonsrat hat nun aber Stau beschlossen. Richtung Mutschellen wird sich der Verkehr nun stauen.

Können Sie sie das erklären?

Damit die Limmattalbahn beispielsweise die Station Herweg in Urdorf passieren kann, baut man Stauräume in den Kanton Aargau hinein. Das ist nicht der richtige Weg. Der Weg den Stau zu beheben, wäre es, mehr, bessere und leistungsfähigere Strassen zu bauen.

Innerhalb von 60 Tagen müssen sie 3000 Unterschriften sammeln, damit das Referendum zustande kommt. Auf den ersten Blick tönt das nach wenig, es braucht aber eine gewisse Anstrengung. Was macht Sie zuversichtlich, dass ihnen das gelingt?

Das breit abgestützte Referendumskomitee hat ein Netzwerk. Da sind Gewerbeverbände dabei, da sind zwei Vereine aus Schlieren und Dietikon dabei. Das zeigt, dass es machbar ist.

Sind diese Leute alle gegen die Limmattalbahn oder befürworten sie in erster Linie das Referendum, damit ein Volksentscheid Klarheit schaffen kann?

Es gibt wohl drei Gründe, weshalb man unterschreibt. Da wären zum Einen jene Leute, die die Limmattalbahn komplett ablehnen. Dann gibt es zweitens die Leute, die im Schlieremer Spitalquartier wohnen und sich sagen, wir müssen die Bahn nun ablehnen, weil keine Lösung gefunden wurde. Und drittens finden Leute, dass nur schon wegen der finanziellen Tragweite des Projekts darüber an der Urne befunden werden muss.