Den Traum vom Singen hegen viele Menschen, und das nicht erst, seit auf jedem TV-Kanal ein Bühnentalent mittels Castingshow gesucht wird. Dummerweise beweisen diese Sendungen auch, dass manche Ambitionen besser im Verborgenen geblieben wären.

Als sich am Freitag der «Chor für Unmusikalische» in der katholischen Stadtkirche St. Agatha ankündigte, um ein Kurz-Konzert im Rahmen der «Feierabendmusik» zu bestreiten, war das Interesse gross. Besagter Chor wurde erst vor einem Jahr in Dietikon gegründet, die Leitung übernahm Liliane Huber-Müller, eine Sängerin, Dirigentin, Blockflötistin und Musikpädagogin aus Leidenschaft.

«Es gibt keine unmusikalischen Menschen»

Sie vertritt die These, dass es keine unmusikalischen Menschen gibt. Jeder verfüge über ein musikalisches Gespür und kann mit seiner eigenen Stimme singen, wenn man sie sorgfältig pflegt und entsprechend ausbildet.

Der Auftritt in der Kirche war gleichzeitig auch die Premiere für den Chor. «Vor dem Publikum zu singen, ist eine grosse Herausforderung. Wir haben für diesen Abend deswegen auch drei Monate lang geprobt», erzählte die Chorleiterin. Acht Lieder standen auf dem Programm, um das begrenzte Zeitfenster von 20 Minuten der «Feierabendmusik» auszufüllen.

Von Nervosität war nichts zu spüren. Vielleicht lag es am Ambiente der Kirche. Sicher auch am dezenten Auftritt der 13 Sängerinnen und Sänger, der Chorleiterin sowie Bernhard Hörler an der Orgel. Trotzdem stellte sich die Gruppe selbstbewusst in das Kirchenschiff und stimmte die ersten Töne an. Ruhig und beinahe sinnlichwurde etwa der «Halleluja-Kanon» von Paul Horn dargeboten.

Das Publikum lauschte ergriffen und es wurde klar, dass der angebliche «Chor für Unmusikalische» mit seinem Namen doch etwas kokettiert. Die Stimmen bilden ein angenehmes Klangerlebnis und sind meilenweit von einem befürchteten Sakrileg entfernt.

Um das Konzert abzurunden, verordnete sich Liliane Huber-Müller mit «Ave Maria» und «I am his Child» auch zweimal den Sologesang. Als Zuhörer wurde man dabei an den Film «Sister Act» erinnert. Whoopie Goldberg gab darin eine Nonne, welche den Kirchenchor zu Höchstleistungen anspornte. Am Ende jubelte sogar der Papst. In der Stadtkirche St. Agatha jubelte am Schluss das Publikum. Der Chor gab mit «Heaven is a wonderful Place» eine flotte Zugabe. In der Tat eine positive musikalische Überraschung.