Schlieren

Chilbiplatz-Pläne stossen auf wenig Gegenliebe

Die Umgestaltung des Chilbiplatz gestaltet sich schwieriger als angenommen.

Die Umgestaltung des Chilbiplatz gestaltet sich schwieriger als angenommen.

Schlieren Nach dem Nein zur Umgestaltung des Chilbiplatzes verhärten sich in der städtischen Politik die Fronten. Vonseiten der Städtebau-Experten sind die Meinungen jedoch einhellig

Nur selten bewegt ein politisches Geschäft die Gemüter derart stark wie jenes zum Geissweidplatz, der auch Chilbiplatz genannt wird. Ende Dezember sagte das Schlieremer Parlament Nein zu dessen Umgestaltung. Zur Wendeschlaufe des 2er-Trams und der Haltestelle der Limmattalbahn, die ohnehin kommen, hätte dort für 992 000 Franken ein Stadtpark mit 80 einheimischen Bäumen entstehen sollen. Doch das Parlament präferiert einen Hochbau, der Rendite in die Stadtkassen spülen soll. Die Liberale Baugenossenschaft Schlieren präsentierte wenige Tage später ein konkretes Projekt. So soll ein sechsgeschossiges Wohnhaus entstehen, unter dem das Tram verkehrt.

Die Fronten zwischen den Politikern haben sich verhärtet. Einig sind sich hingegen Experten aus den Bereichen Planung und Architektur, die eine Aussensicht auf das Projekt und auf die Stadt Schlieren haben.

«Aus städtebaulicher Sicht gibt es eine klare Haltung dazu», sagt etwa Stefan Kurath auf Anfrage. Der Leiter des Instituts Urban Landscape der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) verweist darauf, dass der Geissweidplatz nicht als Einzelfall, sondern als Teil des Konzepts der neuen Mitte Schlierens betrachtet werden soll. So sei es sehr sinnvoll, dass die Tramschlaufe mit Bäumen versehen werde: «Auf die Anwohner haben die Bäume eine Filterwirkung.

Zudem bilden sie einen Übergang mit hoher Aufenthaltsqualität zwischen dem grünen und den bebauten Teilen des Stadtparks.» Hinzu komme, dass es sich bei der Gestaltung des Geissweidplatzes um einen Teil des über Jahre gereiften Stadtkonzepts handle.

Der Idee, stattdessen einen Wohnbau zu realisieren, kann Kurath nur wenig Positives abgewinnen. «Aus städtebaulicher Sicht wäre dies ein Schnellschuss, der die ganze im Stadtentwicklungskonzept festgehaltene Idee empfindlich stört.» Kurath spricht gar von einem «städtebaulichen wie auch architektonischen Murks». Dies sei eines der grossen Probleme im Städtebau: «Wegen partikularer Interessen verliert man immer wieder den Blick aufs Ganze und fokussiert auf einen zu kleinen Ausschnitt.»

Kommt nun Austauschbares?

Roger Weber vom Zürcher Architekturbüro Weberbrunner Architekten kennt sich mit dem Schlieremer Zentrum bestens aus. Sein Büro gewann nach der Jahrtausendwende den Studienauftrag für das Stadtzentrum und zeichnet für die Überbauung Parkside verantwortlich. Auch er steht der Bebauung des Geissweidplatzes kritisch gegenüber: «Die Tramschlaufe ist ein Teil des Stadtparkes. Dieser sollte zur Adressbildung in Schlieren beitragen», sagt er. Mit solchen Freiräumen könne man Städten und Quartieren langfristig ein Gesicht geben. Erstelle man hingegen ein Wohnhaus, wie es das bürgerliche Lager vorsieht, bestehe die Gefahr, dass etwas Unspezifisches, Austauschbares entstehe.

Weber ortet aber auch andernorts Probleme: «Über einem Infrastrukturprojekt einen Wohnhochbau zu erstellen, ist teuer.» Das Beispiel Kalkbreite in Zürich sei ein Spezialfall. «Dort war der Verdichtungsdruck grösser, als er es in Schlieren ist.» Städtebaulich sei es geschickter, auf den Nachbargrundstücken der Geissweid die Ausnützungsziffer zu erhöhen und so eine Verdichtung zur erreichen.

Nichts aus Fehlern gelernt

So einig sich die Experten sind, so uneinig sind sich die Schlieremer Politiker. Seit der Parlamentsdebatte vom Dezember machten viele ihrer Wut Luft in der Leserbriefspalte. Pascal Leuchtmann, Fraktionschef der SP, etwa schrieb in einem Leserbrief, dass er mehr aus dem Schlieremer Zentrum machen wolle als einen grauen Kiesplatz. «Und später folgt ein Hochbau, eingeklemmt zwischen weiteren Hochbauten. Freiraum gibt es einzig für Autos und die Limmattalbahn», schreibt er.

Der Entscheid des Parlaments habe bei vielen Schlieremern Kopfschütteln ausgelöst, schreibt GLP-Gemeinderat Andreas Kriesi. «Man hat aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt.»

Kein Bedarf nach «Miniwald»

CVP-Gemeinderat Rolf Wegmüller verteidigt das Nein zum Projekt des Gemeinderates. So fehle nicht den bürgerlichen Parteien die Weitsicht, wie viele monierten, sondern viel eher dem Stadtrat. «Wer den Plan der Liberalen Baugenossenschaft Schlieren kennt, weiss, dass auf dem Chilbiplatz noch immer sehr viel Grün erhalten bleibt», schreibt er und fragt rhetorisch, ob es im Zentrum von Schlieren wirklich einen Miniwald brauche. «Wohl kaum», lautet seine Antwort darauf.

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