Tennis
Chiara Frapolli - Eine Limmattalerin in der Weltrangliste

Der neue Trainingsstandort von Chiara Frapolli aus Bergdietikon macht sich bezahlt

Fabio Baranzini
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Chiara Frapolli trainiert in Waldshut.

Chiara Frapolli trainiert in Waldshut.

Fabio Baranzini

Es war ein Start nach Mass für Chiara Frapolli. Die 19-Jährige, die mit ihren Trainingsbedingungen zuletzt nicht mehr ganz zufrieden war, begab sich auf die Suche nach einem neuen Trainingsstandort. Erste Station: die Tennisschule von Eric van Harpen in Waldshut-Tiengen (De). Im August hat die Bergdietikerin dort eine Testwoche absolviert. Und war sofort begeistert: «Es war zwar die erste Schule, die ich mir angeschaut habe, aber es hat mir auf Anhieb super gefallen. Ich habe mit wirklich guten Trainern und Spielern arbeiten können», so die Limmattalerin.

Chiara Frapolli waehrend dem Finalspiel waehrend dem Schuetzenmatt Cup in Solothurn 2012.

Chiara Frapolli waehrend dem Finalspiel waehrend dem Schuetzenmatt Cup in Solothurn 2012.

Marcel Bieri.

Mit van Harpen einigte sich Frapolli, dass sie mit einer weiteren Spielerin der Akademie an einer dreiwöchigen Turnierserie in der Türkei teilnehmen darf. Quasi als zweiter Teil der Probephase. Im Ferienort Antalya bestritt Frapolli drei Profiturniere der untersten Kategorie mit dem Ziel, endlich ihre ersten WTA-Punkte zu gewinnen. Etwas, das ihr bisher in ihrer Karriere noch nicht gelungen war.

Die nötige Überzeugung gefunden

Doch diesmal kam alles anders. Bei allen drei Turnieren vermochte Chiara Frapolli zu überzeugen und qualifizierte sich zumindest für die zweite Runde, was gleichbedeutend ist mit dem Gewinn eines WTA-Punktes. Beim zweiten von drei Turnieren lief es der Schweizer U18-Meisterin des Jahres 2014 aber gar noch besser. Sie eliminierte in der zweiten Runde die an Nummer zwei gesetzte Chinesin Yan Wang – die Nummer 428 der Welt – in zwei Sätzen und qualifizierte sich danach für die Halbfinals. «Nach diesem Sieg gegen die Chinesin habe ich gemerkt, dass ich bei diesen kleinen Turnieren jede Spielerin schlagen kann. Diese Überzeugung hatte mir zuvor gefehlt. Ich hatte stets viel zu viel Respekt vor der Konkurrenz. Bloss weil eine Spielerin ein Ranking hatte, glaubte ich, dass ich nicht gegen sie gewinnen kann», erklärt Frapolli, die an den drei Events in der Türkei gesamthaft sieben WTA-Punkte sammelte und daher in der Weltrangliste nun auf Rang 1063 geführt wird.

Heute gibts Medaillen statt Pinguine: Chiara Frapolli 2010

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Maila Bermejo

Handgelenk bereitet Sorgen

Nach dem erfolgreichen Abschneiden in der Türkei war für die Bergdietikerin klar, dass sie ihre sportliche Zukunft in Waldshut-Tiengen in Angriff nehmen möchte. «Die Trainer gehen extrem ins Detail und arbeiten viel strukturierter und professioneller, als ich das bisher gekannt habe. Ich habe schon in kurzer Zeit extrem viele hilfreiche Tipps bekommen und viel gelernt», schwärmt Frapolli. Zusätzlich zum Tennistraining wird die Limmattalerin, die vor kurzem die Matura abgeschlossen hat, ein Studium in Business Management in Angriff nehmen. «Als Ausgleich zum Sport», wie sie sagt. Lernen will sie auf der täglichen Zugfahrt zwischen Dietikon und Tiengen.

Doch im Moment verlangt eine andere Sache die volle Aufmerksamkeit von Chiara Frapolli: Seit den Einsätzen in der Türkei sind die Schmerzen im linken Handgelenk zurückgekehrt, die sie bereits im Sommer für zwei Monate ausser Gefecht gesetzt hatten. Das Schlagen der beidhändigen Rückhand wird dadurch verunmöglicht. «Es ist wohl ein mechanisches Problem. Die Knochen und Sehnen spielen nicht richtig zusammen. Das sollte jedoch therapeutisch zu behandeln sein», gibt sich Frapolli zuversichtlich. Zwar hat sie wegen der Schmerzen zwei Turniere in Israel absagen müssen, hofft jedoch, Ende Oktober in München wieder ins Turniergeschehen eingreifen zu können. Schliesslich will sie den Schwung aus der Türkei mitnehmen und ihr WTA-Punktekonto weiter aufstocken.