Schlieren

Chefin der erfolgreichsten Cheerdancegruppe: «Werden oft belächelt»

Flora Maurer (unten links), Präsidentin der Eurodancers, gewinnt mit ihrer Tanztruppe seit 2008 jedes Jahr die Schweizer Meisterschaften.

Flora Maurer (unten links), Präsidentin der Eurodancers, gewinnt mit ihrer Tanztruppe seit 2008 jedes Jahr die Schweizer Meisterschaften.

Die Schlieremerin Flora Maurer kämpft mit ihrer Tanzgruppe Eurodancers gegen Klischees an. Die gebürtige Österreicherin verfolgt ihre erfolgreiche Karriere in einem Sport, der in der Schweiz noch zu wenig Anerkennung findet.

Planen, entwickeln, realisieren: Als Architektin weiss sich Flora Maurer zu organisieren. Das kommt ihr nicht nur in ihrem Beruf zugute. Als Präsidentin der Eurodancers, der erfolgreichsten Show- und Cheerdancegruppe der Schweiz, hat sie genug um die Ohren. Damit sie den Überblick über alle Termine behält, habe sie die Wettkampf- und Auftrittsliste immer dabei, sagt die Schlieremerin.

Nach den erfolgreichen Weltmeisterschaften in den USA, die Eurodancers belegten in der Kategorien Double Dance den 9. Platz und mit dem Team den 13. Platz, stehen am 30. Mai die Schweizer Meisterschaften an. Ziel sei nichts anderes, als in allen Disziplinen zu glänzen und wenn möglich als Sieger hervorzugehen, so die 32-Jährige.

Vom Ballett zum Cheerdance

Ihre Augen funkeln, wenn sie über ihre Tanztruppe spricht. Stimmung machen, das Publikum mit der guten Laune anstecken: Das sei es, was sie bis heute am Cheerdance begeistere. Schon seit sie fünf Jahre alt ist, tanzt Maurer. Angefangen mit Ballett, beherrschte die gebürtige Österreicherin auch bald schon Jazz und Hip-Hop. Die Ausbildung zur Aerobic-Trainerin und zur Wertungsrichterin im Cheerdance komplettierte das Repertoire der Sportlerin.

Zum Cheerdance kam Maurer mit 18 Jahren, als sie mit ein paar anderen jungen Frauen eine Basketballmannschaft in Wien unterstützte. Doch schon nach einem halben Jahr reichte das der ehrgeizigen Tänzerin nicht mehr. Sie beschloss, die ganze Gruppe zu übernehmen, und veranstaltete ein grosses Casting, um mehr Mitglieder zu finden. Maurers Cheerleaderinnen feierten in Österreich schnell einen Erfolg nach dem andern und der Verein wuchs stetig.

Aus Liebe

Die Entscheidung, in die Schweiz zu kommen, fiel schliesslich 2007 – fünf Jahre nach der Gründung der Millenniumdancers. Es sei die Liebe gewesen, die sie diesen Schritt habe machen lassen, sagt Maurer. Klar war für Maurer aber schon da: Würde sie auswandern, dann nur, wenn sie in ihrer neuen Heimat wieder eine Tanzgruppe auf die Beine stellen kann. Um sich einen Überblick über die Konkurrenz in der Schweiz verschaffen zu können, nahm Maurer 2007 als Jurymitglied an den Schweizer Cheerleading-Meisterschaften teil.

«Schnell ist mir beim Zusehen klar geworden, dass es in der Schweiz Potenzial gibt», sagt Maurer heute. Motiviert und überzeugt davon, schon im nächsten Jahr mit ihrer eigenen Gruppe anzutreten, rief sie zum Casting auf. Von 50 Bewerberinnen bewährten sich 15 Tänzerinnen. Drei Monate blieben den jungen Frauen, um eine Choreografie einzustudieren. Es war eine harte Zeit mit intensivem Training, doch die neue Gruppe hat nicht aufgegeben, und so gewannen die Eurodancers 2008 das erste Mal die Schweizer Meisterschaften.

In der Schweiz wenig populär

Seither haben sie den Titel nicht mehr aus der Hand gegeben. Um auch in Zukunft Erfolge feiern zu können, brauche es neben Unterstützung auch neuen tänzerischen Nachwuchs. Um bei den Eurodancers mitzutanzen, seien Tanzerfahrung, Körperbeherrschung und der Willen, im Team zu funktionieren, ausschlaggebend, sagt Maurer. Obwohl die Eurodancers inzwischen viele Fans bei Facebook und Instagram haben, wünscht sich Maurer für ihre Tanzgruppe und die Sportart mehr Bekanntheit, Unterstützung und Anerkennung.

Cheerdance sei in der Schweiz nach wie vor wenig populär und werde oft belächelt. Da der Schweizer Cheerdance- und Cheerleading-Verband noch zu wenige Mitglieder hat, um bei Swiss Olympic anerkannt zu sein, sei es sehr schwierig für alle Teams. Die Sportart sei anspruchsvoll und setze intensives Training und Arbeit voraus.

Eurodancers – X-Mas Show 2014

Eurodancers – X-Mas Show 2014

Damit sich die Schweizer Cheerleaderinnen die Wettkämpfe überhaupt leisten können, treten sie an verschiedensten Veranstaltungen auf und sind immer auf der Suche nach Kooperationen und Sponsoren. Da die Mindestanzahl im Team bei internationalen Wettkämpfen in den nächsten Jahren auf 16 Personen erhöht wird, werden die Kosten für Wettkämpfe immer höher, und ohne Unterstützung wird eine Teilnahme nicht mehr möglich sein.

Unter die besten Fünf

Die Weltmeisterschaften werden im nächsten Jahr wieder in den USA stattfinden. «Dabei versucht unser Team die Kosten immer so tief wie möglich zu halten, wie in diesem Jahr durch den Abflug von Stuttgart», so Maurer. Das Erlebnis der letzten WM möchte keine der Cheerleaderinnen missen. Es sei ein unglaubliches Gefühl, die Schweiz vor dem grossen internationalen Publikum zu vertreten und alles zu geben, so Maurer.

Der nächste internationale Wettbewerb, der ansteht, sind die Europameisterschaften in Slowenien im Juni. Das weiss Maurer auch, ohne ihre Auftrittsliste aus der Tasche zu kramen. Sie und ihr Team trainieren fast täglich, um bestmöglich vorbereitet zu sein. «Unter die besten fünf zu kommen, ist unser Ziel», so Maurer.

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