Kein Unterricht

Chaostage an den Schulen in Aussicht: 10'000 Kinder und Jugendliche im Limmattal betroffen

So leer wie dieses Zimmer der Dietiker Schule Wolfsmatt sollen die Schulräume in der Region ab Montag sein.

So leer wie dieses Zimmer der Dietiker Schule Wolfsmatt sollen die Schulräume in der Region ab Montag sein.

Wegen des Corona-Virus fällt der Unterricht bis zu den Frühlingsferien aus. Die Schulen müssen Betreuungsangebote bereitstellen.

Im Bezirk Dietikon gibt es rund 2000 Kindergärtler, 5500 Primarschüler und 2200 Oberstufenschüler: Für diese 9700 Kinder und Jugendlichen müssen nun über das Wochenende neue Betreuungsmöglichkeiten gefunden werden.

Denn der Bundesrat hat gestern entschieden, dass wegen des grassierenden Corona-Virus landesweit der Unterricht an den Schulen eingestellt werden muss. Das Verbot gilt vorerst bis am 4. April. Im Kanton Zürich fällt der Unterricht sicher eine Woche länger aus, wie Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) gestern Abend an einer Medienkonferenz ausführte. Die Schulen werden den Betrieb frühestens nach den Frühlingsferien wieder aufnehmen, die am 11. April beginnen.

Beim Schulstopp handelt es sich nicht um Schulschliessungen, sondern um eine Einstellung des Unterrichts, wie Steiner gestern sagte. Denn an der Volksschule soll zumindest ein zweckmässiges Betreuungsangebot auf die Beine gestellt werden. «Wir werden nicht mehr unterrichten, aber jene Kinder betreuen, deren Eltern keine adäquate Betreuung organisieren können», sagte Steiner.

Auch Tagesstrukturen und Musikschulen fallen aus

Silvia Steiner sprach gestern davon, dass es nun zunächst wohl zu ein paar Chaostagen kommen werde, bevor sich alles eingespielt habe. Die Schulpflegen in der Region sind denn auch seit gestern am Rotieren. Sie müssen bis spätestens am frühen Montagvormittag wissen, wie viele Schülerinnen und Schüler trotz ausfallendem Unterricht erscheinen werden.

«Wir werden die Eltern über die bestehenden Klassenalarme informieren», sagt Daniela Kugler, Präsidentin der Primarschule Oetwil-Geroldswil. Den Eltern werde dabei bewusst bis Sonntagabend Zeit gelassen, um sich zu melden. So sollen sie genügend Zeit haben, um zunächst nach einer eigenen Betreuungsmöglichkeit zu suchen. Es wird dabei nicht nur der Schulbetrieb an sich eingestellt, auch die weiteren Tagesstrukturen, die Musikschule und die Freizeitkurse fallen aus.

In der Gemeinde Uitikon ist ebenfalls mehr als der Unterricht betroffen, wie die Schule mitteilte. Gestrichen sind vorerst auch die freiwilligen Schulsportkurse, das Chorsingen und die Tastaturschreibkurse.

In Schlieren hatte das Virus bereits vor dem Bundesratsentscheid zugeschlagen: Wegen einer bestätigten Corona-Infektion waren eine Kindergarten- und eine Primarschulklasse heimgeschickt worden, wie Schulpräsidentin Bea Krebs entsprechende Gerüchte bestätigt. Die Schlieremer Corona-Taskforce der Schule wird sich heute Samstag nun intensiv mit dem Unterrichtsstopp befassen. Die grosse Unbekannte sei, wie viele Schüler am Montag erscheinen werden und betreut werden müssten, sagt Krebs.

In Dietikon geht Schulpräsident Reto Siegrist (CVP) davon aus, dass es «substanziell weniger Schüler als üblich» sein werden, die auf den Schulanlagen erscheinen werden. Und die Zahl der Schüler, die zwingenden Betreuungsbedarf aufweist, dürfte im Verlauf der Woche weiter abnehmen. «Einige berufstätige Eltern werden erst am Montag mit ihren Vorgesetzten reden können, um nach Lösungen zu suchen.»

Die Lehrpersonen, die bereits über das Wochenende Kontakt mit den Eltern aufnehmen werden, sind deshalb angehalten, am Montag nochmals nachzuhaken, ob die Betreuung noch benötigt wird. «Primär steht im Vordergrund, dass die Kinder zuhause betreut werden.»

Die meisten Schulgemeinden der Region halten sich wegen des engen Zeitfensters bei ihrer Information an den Musterbrief, den das kantonale Volksschulamt gestern bereitstellte. «Wir bitten Sie, Ihr Kind/Ihre Kinder zuhause zu behalten und am Montag nicht zur Schule oder in den Kindergarten zu schicken», heisst es darin. «Sollte Ihnen dies nicht möglich sein, weil niemand das Kind betreuen kann, informieren Sie die Klassenlehrerin/den Klassenlehrer.» Für Notfälle werde die Schule eine Betreuung organisieren. «In dieser für uns alle ausserordentlichen Situation sind wir auf gegenseitige Hilfe und Solidarität angewiesen. Wir sind Ihnen dankbar, wenn Sie uns dabei unterstützen», steht im Musterbrief, den unter anderem die Primarschule Oetwil-Geroldswil, die Schule Uitikon und die Schule Urdorf gestern Abend auf ihren Internetseiten aufgeschaltet hatten.

Das Ziel der Unterrichtseinstellung ist klar: Die Ausbreitung des Virus soll verzögert werden, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird und es sich um die schweren Fälle kümmern kann. Im Musterbrief heisst es deshalb: «Wenn Ihr Kind daheim bleibt, ist es wichtig, dass Ihr Kind die Zeit möglichst nicht in einer Gruppe mit anderen Kindern verbringt.»

Das Virus und die Jugendlichen

Kinder und Jugendliche sind zwar wegen des Corona-Virus gesundheitlich nicht besonders bedroht. Bei einer allfälligen Infizierung ist ein milder Verlauf die Regel. «Kinder und Jugendliche können aber bei der Verbreitung des Virus ein grosser Treiber sein», sagte Bildungsdirektorin Steiner gestern. Sie appellierte deshalb an die Kinder und Jugendlichen, dass sie, die ansonsten unbeschwert und manchmal auch unvorsichtig sein dürften, nun ihr Verhalten ändern und mithelfen sollten. «Wir stehen vor Herausforderungen, wie wir sie so an den Schulen noch nie erlebt haben.»

Der kantonale Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter begrüsste die beschlossene Einstellung des Unterrichts an der Volksschule: Die Schulleitungen seien für die Lehrpersonen und deren Gesundheit verantwortlich, hielt der Verband gestern mit. «Wenn man die Ansteckungen von Kindern in Kauf nimmt, wie das zurzeit geschieht, setzt man die Lehrpersonen einem extrem hohen Ansteckungsrisiko aus. Viele gehören zu einer Risikogruppe und sind besonders gefährdet.»

Ausserhalb der Volksschule sollen gemäss Steiner altersadäquate Lernformen angewandt werden. Die Schüler der Mittelschulen werden ab Montag eigenständig zu Hause lernen. An der Universität und in den Fachhochschulen wird der Unterricht ausschliesslich auf digitalem Weg fortgesetzt.

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