Verkehr
«Chance, um Pionierarbeit zu leisten» – warum sich die Limmattaler Autobahn für Velofahrer lohnt

Eine Analyse zeigt: Jeder Franken, der in die Veloschnellroute Limmattal investiert wird, kommt sechsfach zurück. Zudem könnten auch die Unfallhäufigkeit und die Unfallschwere eingedämmt werden.

Oliver Graf
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in Abschnitt der Veloschnellroute soll auf bestehenden Wegen am Bahnhof Schlieren (im Bild rechts) vorbeiführen.

in Abschnitt der Veloschnellroute soll auf bestehenden Wegen am Bahnhof Schlieren (im Bild rechts) vorbeiführen.

ARU

Die Idee einer gut ausgebauten und direkten Veloverbindung von Dietikon über Schlieren nach Zürich besteht seit mehreren Jahren. Die Realisierung dieser Veloschnellroute würde sich – trotz erwarteten Baukosten in Höhe von rund 20 Millionen Franken – wirtschaftlich rechnen.

Dies geht aus einer Kosten-Nutzen-Analyse hervor, über welche die kantonale Koordinationsstelle Veloverkehr in der aktuellen Ausgabe der «Zürcher Umweltpraxis» der Baudirektion berichtet.

Das Ergebnis dieser Analyse, die für den Veloverkehr in der Schweiz ein Novum darstellt, fällt eindeutig aus. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis bleibt selbst im konservativsten Szenario positiv, wenn trotz der attraktiven Veloschnellstrasse kein einziger Autofahrer oder öV-Nutzer auf das Velo umsteigen würde. Jeder in die Limmattaler Veloschnellroute investierte Franken würde in diesem Fall zu sechs eingenommenen oder eingesparten Franken führen.

In den optimistischeren Szenarien käme ein Mehrfaches des investierten Betrages zurück; gemäss Analyse könnte das Verhältnis bis zu 1:27 betragen.

Weniger Unfälle, weniger Lärm

Die Eröffnung einer Veloschnellroute kann sich beispielsweise im Hinblick auf die Unfallkosten positiv auswirken: Sowohl die Unfallhäufigkeit als auch die Unfallschwere dürften zurückgehen und abnehmen.

Können Radfahrer auf einer Dorfkreuzung mit einem Auto oder einem Lastwagen zusammenstossen, verringert sich dieses Risiko auf einer «Autobahn für Velofahrer», die weitestgehend auf einem Eigentrasse verläuft, deutlich. Zudem wird die Schnellwegroute explizit für Radfahrer und deren Bedürfnisse konzipiert. Damit entfallen Gefahrenstellen wie Trottoirübergänge. Als Folge davon ist mit einer geringeren Zahl an Selbstunfällen zu rechnen.

Als weitere positive Effekte werden unter anderem Zeitgewinne in die Kosten-Nutzen-Analyse eingerechnet: Radfahrer, die heute im Stadtzentrum Umwege einlegen müssen oder zwischen Autokolonnen im Stau steckenbleiben, werden auf der separaten Veloschnellroute rascher unterwegs sein.

Bei Autofahrern, die wegen der neuen Route auf das Velo umsteigen, ergeben sich – trotz eines allfälligen Zeit- und damit Geldverlustes – positive finanzielle Effekte bezüglich Umwelt- und Lärmbelastung sowie Gesundheitsaspekte. Bei Umsteigern fallen im Weiteren auch geringere Betriebskosten für das Auto an.

Eine ideale Velo-Region

Noch ist unklar, wann die Veloschnellroute im Limmattal erstellt wird. Für die Koordinationsstelle Veloverkehr ist angesichts der Analyse aber klar, dass sich hier eine Chance bietet, «Pionierarbeit zu leisten und den Weg für die Velozukunft zu ebnen».

Die Ausgangslage im Limmattal sei dafür ideal. Die Strecke entlang der Limmat sei flach. Die Distanz von der Kantonsgrenze bis zum Zürcher HB liege mit zwölf Kilometern innerhalb der Reichweite von Velopendlern. Zudem sei die Dichte von wichtigen Einrichtungen wie Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplatzgebieten hoch. «Das Limmattal bietet alle Grundvoraussetzungen für das Pendeln mit dem Velo – es fehlt nur eine attraktive Veloinfrastruktur.»

Dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis für eine Veloschnellroute im Limmattal derart positiv ausfällt, führt die kantonale Koordinationsstelle Veloverkehr insbesondere auch auf die vergleichsweise tiefen Baukosten zurück.

Die geplante Route – von Zürich Altstetten den Juchhof-Sportplätzen und der Bahnlinie entlang nach Schlieren und dann über die Überlandstrasse nach Dietikon – führe weitgehend über bestehende Strassen und Wege. Einige notwendige bauliche Anpassungen könnten zudem mit anstehenden Strassenbauprojekten kombiniert werden.

Gemäss der Analyse ist aber davon auszugehen, dass sich auch andere Schnellrouten im Kanton rechnen würden, selbst wenn dort kostenintensive Ausbauten erforderlich wären. Es sei anzunehmen, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis zwar etwas tiefer läge, aber «immer noch klar positiv» ausfallen würde.

Eine vierspurige Schnellstrasse, auf der Velofahrer Vortritt haben

Sie gilt als neues und zukunftsträchtiges Element in der Verkehrsplanung: Die Veloschnellroute (VSR) soll auf Korridoren mit einer hohen Nachfrage den regionalen Fahrradverkehr bündeln.

Sie führt dabei insbesondere Pendler sicher und schnell von den Wohngebieten zu den Ausbildungs- und Arbeitsstätten sowie zu den Zentren. Die VSR sollte dabei durchgängig vortrittsberechtigt sein, damit auf ihr wie beabsichtigt ein rasches Vorwärtskommen möglich ist.

Gemäss Modellrechnungen hat ein Nutzer auf einer VSR durchschnittlich Tempo 20 drauf; auf dem übrigen Netz liegt die durchschnittliche Geschwindigkeit eines Velofahrers bei 13 km/h.

Eine VSR verfügt zudem in der Regel über ein eigenes Trassee. Dieses ist so breit, dass ein Kreuzen von je zwei Velos pro Fahrtrichtung möglich ist.

Damit sollen Veloschnellrouten die Attraktivität des Velos als Alltagsverkehrsmittel erhöhen. «Als hochwertiges Netz- und Infrastrukturelement haben sie das Potenzial, Verkehr vom motorisierten Individualverkehr und vom öV auf das Velo zu verlagern», hält die Koordinationsstelle Veloverkehr fest.

Im Velonetzplan und im Agglomerationsprogramm Limmattal ist eine schnelle Veloverbindung in Ost-West-Richtung (Zürich–Aarau) vorgesehen. Der geplante Abschnitt von Zürich über Schlieren nach Dietikon ist das erste Veloschnellrouten-Projekt im Kanton Zürich. (og)