Verkehr

«Chance, um Pionierarbeit zu leisten» – warum sich die Limmattaler Autobahn für Velofahrer lohnt

in Abschnitt der Veloschnellroute soll auf bestehenden Wegen am Bahnhof Schlieren (im Bild rechts) vorbeiführen.

Eine Analyse zeigt: Jeder Franken, der in die Veloschnellroute Limmattal investiert wird, kommt sechsfach zurück. Zudem könnten auch die Unfallhäufigkeit und die Unfallschwere eingedämmt werden.

Die Idee einer gut ausgebauten und direkten Veloverbindung von Dietikon über Schlieren nach Zürich besteht seit mehreren Jahren. Die Realisierung dieser Veloschnellroute würde sich – trotz erwarteten Baukosten in Höhe von rund 20 Millionen Franken – wirtschaftlich rechnen.

Dies geht aus einer Kosten-Nutzen-Analyse hervor, über welche die kantonale Koordinationsstelle Veloverkehr in der aktuellen Ausgabe der «Zürcher Umweltpraxis» der Baudirektion berichtet.

Das Ergebnis dieser Analyse, die für den Veloverkehr in der Schweiz ein Novum darstellt, fällt eindeutig aus. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis bleibt selbst im konservativsten Szenario positiv, wenn trotz der attraktiven Veloschnellstrasse kein einziger Autofahrer oder öV-Nutzer auf das Velo umsteigen würde. Jeder in die Limmattaler Veloschnellroute investierte Franken würde in diesem Fall zu sechs eingenommenen oder eingesparten Franken führen.

In den optimistischeren Szenarien käme ein Mehrfaches des investierten Betrages zurück; gemäss Analyse könnte das Verhältnis bis zu 1:27 betragen.

Weniger Unfälle, weniger Lärm

Die Eröffnung einer Veloschnellroute kann sich beispielsweise im Hinblick auf die Unfallkosten positiv auswirken: Sowohl die Unfallhäufigkeit als auch die Unfallschwere dürften zurückgehen und abnehmen.

Können Radfahrer auf einer Dorfkreuzung mit einem Auto oder einem Lastwagen zusammenstossen, verringert sich dieses Risiko auf einer «Autobahn für Velofahrer», die weitestgehend auf einem Eigentrasse verläuft, deutlich. Zudem wird die Schnellwegroute explizit für Radfahrer und deren Bedürfnisse konzipiert. Damit entfallen Gefahrenstellen wie Trottoirübergänge. Als Folge davon ist mit einer geringeren Zahl an Selbstunfällen zu rechnen.

Als weitere positive Effekte werden unter anderem Zeitgewinne in die Kosten-Nutzen-Analyse eingerechnet: Radfahrer, die heute im Stadtzentrum Umwege einlegen müssen oder zwischen Autokolonnen im Stau steckenbleiben, werden auf der separaten Veloschnellroute rascher unterwegs sein.

Bei Autofahrern, die wegen der neuen Route auf das Velo umsteigen, ergeben sich – trotz eines allfälligen Zeit- und damit Geldverlustes – positive finanzielle Effekte bezüglich Umwelt- und Lärmbelastung sowie Gesundheitsaspekte. Bei Umsteigern fallen im Weiteren auch geringere Betriebskosten für das Auto an.

Eine ideale Velo-Region

Noch ist unklar, wann die Veloschnellroute im Limmattal erstellt wird. Für die Koordinationsstelle Veloverkehr ist angesichts der Analyse aber klar, dass sich hier eine Chance bietet, «Pionierarbeit zu leisten und den Weg für die Velozukunft zu ebnen».

Die Ausgangslage im Limmattal sei dafür ideal. Die Strecke entlang der Limmat sei flach. Die Distanz von der Kantonsgrenze bis zum Zürcher HB liege mit zwölf Kilometern innerhalb der Reichweite von Velopendlern. Zudem sei die Dichte von wichtigen Einrichtungen wie Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplatzgebieten hoch. «Das Limmattal bietet alle Grundvoraussetzungen für das Pendeln mit dem Velo – es fehlt nur eine attraktive Veloinfrastruktur.»

Dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis für eine Veloschnellroute im Limmattal derart positiv ausfällt, führt die kantonale Koordinationsstelle Veloverkehr insbesondere auch auf die vergleichsweise tiefen Baukosten zurück.

Die geplante Route – von Zürich Altstetten den Juchhof-Sportplätzen und der Bahnlinie entlang nach Schlieren und dann über die Überlandstrasse nach Dietikon – führe weitgehend über bestehende Strassen und Wege. Einige notwendige bauliche Anpassungen könnten zudem mit anstehenden Strassenbauprojekten kombiniert werden.

Gemäss der Analyse ist aber davon auszugehen, dass sich auch andere Schnellrouten im Kanton rechnen würden, selbst wenn dort kostenintensive Ausbauten erforderlich wären. Es sei anzunehmen, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis zwar etwas tiefer läge, aber «immer noch klar positiv» ausfallen würde.

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