Schlieren
CBD-Hanf-Start-up will zweiten Standort eröffnen – mit 30'000 Pflanzen

Sainfort Production GmbH plant eine Plantage mit 30'000 Pflanzen im Aargau.

David Egger, Stefanie Garcia Lainez
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Solange der THC-Gehalt von CBD nicht ein Prozent übersteigt, gilt es als nicht ­berauschend und darf angebaut, ­verkauft und kon­sumiert werden. (Symbolbild)

Solange der THC-Gehalt von CBD nicht ein Prozent übersteigt, gilt es als nicht ­berauschend und darf angebaut, ­verkauft und kon­sumiert werden. (Symbolbild)

Sandra Ardizzone / LTA

Rund eine Viertelmillion Spielsachen lagert das Zürcher Traditionsunternehmen Franz Carl Weber im Gewerbe­gebiet von Kleindöttingen, einer Ortschaft im Aargauer Bezirk Zurzach. Dorthin will nun ein weiteres Zürcher Unternehmen. Die erst im September gegründete Schlieremer Sainfort ­Production GmbH will dort 30'000 Cannabispflanzen anbauen. Das Gesuch für die Umnutzung der bestehenden Halle an der Industriestrasse 7 in eine Cannabis-­Anlage liegt noch bis morgen bei der Gemeinde Böttstein auf – zu dieser gehört Kleindöttingen.

Beim Cannabis, den die Sainfort Production GmbH anbauen will, handelt es sich um CBD-Cannabis. CBD steht für Cannabidiol und wird aus dem weiblichen Hanf gewonnen. Seit 2011 sind Hanf-Zigaretten mit CBD-Gras in der Schweiz legal. CBD gilt als nicht ­berauschend und darf angebaut, ­verkauft und kon­sumiert werden, solange der THC-Gehalt den gesetzlichen Grenzwert von einem Prozent nicht übersteigt.

Dem CBD werden wahre Wunder nachgesagt: Der Hanf soll unter anderem bei multipler Sklerose helfen, die Beschwerden bei Epilepsie, Schlafstörungen, Übelkeit und Migräne lindern, und in Laborversuchen soll er sogar gewisse Krebszellen abgetötet haben.

Nun sollen also bald auch in Kleindöttingen auf 3500 Quadratmetern CBD-Pflanzen angebaut werden, in einer vergleichsweise grossen Indoor-­Anlage. In fünf Produktionsboxen, die zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht simulieren, soll der Hanf etwas mehr als zwei Monate wachsen. Aufgrund des ­geschlossenen Luftsystems der Boxen könne man den Hanf ausserhalb der Produktionshalle nicht riechen, sagt Geschäftsführer Jetlum ­Memedi, der zusammen mit weiteren Investoren hinter der Sainfort Production GmbH steht.

«Wir im rechten Teil des Gebäudes, Franz Carl Weber im linken Teil»

Sind die Blüten reif, werden sie geerntet und als Rauchwaren verkauft oder zu Öl weiter verarbeitet. «Wir legen grossen Wert auf eine sehr saubere, keimfreie und möglichst biologische Produktion ohne Chemikalien», sagt Jetlum Memedi. Die Produktion würde dementsprechend GMP- und ISO-zertifiziert werden.

In Kleindöttingen habe man den idealen Standort für die geplante CBD-Anlage gefunden, sagt der ­35-jährige Jetlum Memedi. Das Industriegebiet sei gut erschlossen, der Weg von Schlieren nicht zu weit, und das Gebäude verfüge über die pas- senden Räumlichkeiten. Am selben Standort befindet sich auch das Zentrallager des Spielwarenhändlers Franz Carl ­Weber. «Wir befinden uns im rechten Teil, Franz Carl Weber im linken Teil des Gebäudes.»

Das Unternehmen beschäftigt an den beiden Standorten, der Wiesenstrasse 36 in Schlieren und dem Gewerbegebiet in Kleindöttingen, insgesamt zehn Mitarbeiter, heisst es. Für die Ernte sollen regelmässig rund 30 Erntehelfer ­während mehrerer Tage in Kleindöttingen angestellt werden. Die Produkte sollen ­dereinst online und in Läden in den grösseren Städten verkauft werden. Ein Massage­öl soll zudem in Apotheken erhältlich sein.

Potenzieller Umsatz für Schweizer Cannbis-Industrie: Bis zu 5 Milliarden Franken

«Wir verfügen über grosse Erfahrungen und setzen auf Qualität, nicht auf Quantität», sagt Memedi, der in ­Zürich bereits einen Laden für CBD-­Produkte eröffnete. Deshalb ist er zuversichtlich, im unterdessen stark gewachsenen CBD-Markt mithalten zu können.

Gemäss Prognosen steigt das Marktpotenzial in den kommenden Jahren auf über 60 Milliarden Dollar weltweit. Das Umsatzpotenzial für die Schweizer Cannabis-Industrie wird gemäss European Cannabis Report auf bis zu 5 Milliarden Franken geschätzt.