1 Wie sieht das Sonder-Setting aus?

Der junge Straftäter soll in einer einfachen Wohnung mit enger sozialpädagogischer Betreuung untergebracht werden, wie die Zürcher Oberjugendanwaltschaft mitteilt. Den Tag durch wird Carlos mit Unterricht, Arbeit und Praktika beschäftigt sein. «Die Grundsätze sind erarbeitet, die Details hingegen noch offen», sagt der leitende Oberjugendanwalt Marcel Riesen. Nun gehe es zuerst um eine Standortbestimmung.

2 Wo lebt Carlos nun?

Bis letzten August wohnte der junge Mann in einer 4½-Zimmer-Wohnung in Reinach (BL). Im dortigen Boxcenter arbeitete und trainierte er. Wo sich Carlos nach seiner Entlassung aus der geschlossenen Unterbringung aufhält, wird von den zuständigen Behörden geheim gehalten, um ihn vor der Öffentlichkeit zu schützen. «Es ist noch offen, wo Carlos künftig wohnen wird», sagt Riesen. Die Suche nach geeigneten Gemeinden läuft.

3 Was kostet die Betreuung?

Die Zürcher Oberjugendanwaltschaft rechnet mit monatlichen Kosten von maximal 19 000 Franken – 10 000 Franken weniger als beim ersten Sonder-Setting, das im vergangenen August beendet worden ist.

4 Warum sind die Kosten so stark gesunken?

Marcel Riesen begründet dies unter anderem mit einer günstigeren Wohnung und dem grösseren Arbeitspensum von Carlos. «Wir haben bereits im September gesagt, dass sich das Programm abspecken lässt.» Damals gestand die Oberjugendanwaltschaft in ihrem Bericht ein, die Kosten seien «eindeutig zu hoch».

5 Die Firma Riesen-Oggenfuss geriet für ihr teures Angebot in die Kritik, dennoch kümmert sie sich auch in Zukunft um Carlos. Warum?

Valable Alternativen zu Riesen-Oggenfuss habe es durchaus gegeben, sagt Oberjugendanwalt Riesen. Allerdings scheiterten diese an der Verweigerungshaltung des jungen Mannes. «Wir haben versucht, andere Wege zu beschreiten», sagt Riesen. Allerdings habe die Bereitschaft von Carlos gefehlt. «Er kann sich bis heute nur eine Massnahme unter der Regie von Riesen-Oggenfuss vorstellen.» Nun sei man aber davon überzeugt, die Lösung mit den besten Zukunftschancen gefunden zu haben.

6 Darf Carlos auch in Zukunft Kampfsport betreiben?

Ja, aber nur noch in seiner Freizeit. Bis zum letzten Sommer trainierte er zweimal täglich bei Thaibox-Weltmeister Shemsi Beqiri in Reinach. Ob dieser auch künftig sein Trainer sein wird, ist offen. Im September verkündete die Oberjugendanwaltschaft, Kampfsportausbildungen seien im Massnahmenvollzug nur in Ausnahmefällen zulässig. «Bei Carlos liegt eine Ausnahme vor», sagt Riesen. Die sportliche Betätigung werde aber nicht mehr Teil der Tagesstruktur sein.

7 Was sagt Carlos dazu?

Das Büro seines Zürcher Anwalts lässt ausrichten, man wolle sich vorerst nicht zum Sonder-Setting äussern.

8 Was passiert, wenn er sich dem Programm verweigert?

Zu möglichen Konsequenzen schweigt die Oberjugendanwaltschaft. Er wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen, sagt Marcel Riesen. «Ich gehe allerdings von einer hohen Verbindlichkeit des Sonder-Settings aus.» Ziel des Programms ist es, dem jungen Straftäter die Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen.