NK-Pajde-Torwart Mehdi Dahmani steht wie angewurzelt vor seinem Kasten, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und scheint sich zu fragen: «Was hat die Welt bloss gegen mich?» Die aussagekräftige Szene spielt sich in der 34. Minute des Spiels von Samstagabend in Möhlin ab. Kurz zuvor hat FC Dietikon-Verteidiger Tiago Ribeiro per sehenswertem Heber mit dem vierten Dietiker Torschuss zum 4:0 getroffen.

Dahmani muss sich wohl wirklich wie im falschen Film fühlen: Bereits nach elf Minuten gelingt dem jungen Dietikon-Verteidiger Aleandro Norelli sein erstes Tor in der Meisterschaft. Das frühe Gegentor macht die Möhliner nervös. Die Pajde-Verteidiger versuchen bereits nicht mehr, mit den Dietikern Schritt zu halten, sie werfen sich entschlossen in die Schüsse der Gäste. So kommt Dietikon in den ersten 18 Minuten zu vier Eckbällen. Dass dies nicht ewig gut gehen kann, ist klar: João Paiva, Dragan Durovic und Tiago Ribeiro stellen innerhalb von fünfzehn Minuten auf 4:0.

Dennoch kann Pajde immer wieder gefährliche Angriffe lancieren, FCD-Torwart Predrag Pribanovic muss aber nie eingreifen. Der Ex-Dietiker Alfred, der den Verein im Streit um angeblich ausstehenden Lohn verlassen hat, kommt zunächst gar nicht auf Touren. Er sagt: «Es war ein merkwürdiges Spiel. Unsere Verteidiger waren nervös, weil unser Coach vor dem Spiel gesagt hat, Dietikon sei fast so gut wie Barcelona.» Die Dietiker lassen allerdings nach: In der 38. Minute erzielt Dusan Tesic den Anschlusstreffer. Der Jubel bleibt aber verhalten.
FCD-Spieler Ribeiro hat eine Erklärung für die anfängliche Nervosität: «Beide Teams wollen aufsteigen, alle geben das Maximum.» Pajde zeigt seine Aufstiegsambitionen in der 55. Minute erneut, als Alfred das 2:4 erzielen kann.

Rot für Haziri

Kurz darauf wird der Dietiker Durovic zu Fall gebracht. Die Pfeife des Schiedsrichters bleibt stumm, FCD-Captain Naim Haziri fordert einen Penalty. Dabei berührt er den Schiedsrichter mit dem Arm und fliegt sofort mit einer Roten Karte vom Platz. «Ich wollte ihm nur meine Meinung sagen, dann hat er sich in eine überraschende Richtung bewegt. Deshalb habe ich ihn mit dem Arm getroffen. Das ist nie eine rote Karte, höchstens eine gelbe. Wir sind hier nicht im Ballet», sagt Haziri nach dem Spiel. Sein Ex-Mannschaftskollege Alfred sieht das anders: «Ich weiss nicht, ob er den Schiedsrichter absichtlich berührt hat. Aber er geht aggressiv auf ihn zu und trifft ihn dann. Die rote Karte ist gerechtfertigt.»

Anstatt sich in der folgenden Schlussphase auf das Spiel zu fokussieren, mühen sich beide Mannschaften am Schiedsrichter ab. Pajde ist überlegen, hat aber Pech und kann ausser einem Lattenknaller nichts vorweisen. Den Schlusspunkt liefert passenderweise Pajde-Goalie Dahmani: Er macht sich kurz vor dem Ende bereit, um einen letzten Freistoss zu treten, der sein Team noch einmal heranbringen könnte. Anstatt sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren, liefert er sich aber ein Wortgefecht mit einem Gäste-Fan. Daraufhin verzieht er den Freistoss, im direkten Gegenstoss rutscht er aus und ebnet Vincenzo Merendino so den Weg zum 5:2-Entstand.