Limmattal
BVK-Wechsel verursacht zu hohe Kosten: «Das ist uns zu riskant»

Die Gemeinden Ober- und Unterengstringen, die sich für einen BVK-Austritt interessierten, winken ab und verweisen auf die zu hohen Kosten eines Wechsels.

Alex Rudolf
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Ein Sturm der Entrüstung folgte der Bekanntmachung des BVK-Stiftungsrats von vor rund einem Jahr, wonach ab Anfang 2017 verschiedene Massnahmen dazu beitragen sollen, die Pensionskasse für die Zukunft zu rüsten.

Ein Sturm der Entrüstung folgte der Bekanntmachung des BVK-Stiftungsrats von vor rund einem Jahr, wonach ab Anfang 2017 verschiedene Massnahmen dazu beitragen sollen, die Pensionskasse für die Zukunft zu rüsten.

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Aktuell stellt sich den städtischen Angestellten in Schlieren eine schwierige Frage: Wollen sie bei der beruflichen Vorsorgekasse des Kantons Zürich (BVK) bleiben oder ihre zweite Säule lieber der Pensionskasse SHP aus Dietikon anvertrauen? Bislang ist Schlieren die einzige Gemeinde der Region, die das Personal über diese Frage befinden lassen will. Doch auch andere Gemeinden prüften einen Wechsel eingehend. Wie im Mai dieses Jahres bekannt wurde, trafen Unterengstringen und Oberengstringen detaillierte Abklärungen. Doch kamen die jeweiligen Gemeindeverantwortlichen zu einem anderen Schluss als Schlieren: «Unsere Angestellten bleiben bei der BVK versichert», sagt André Bender, Oberengstringer SVP-Gemeindepräsident. Und auch René Rey, FDP-Gemeindepräsident von Unterengstringen, gibt bekannt, dass kein Wechsel stattfinde. Hauptsächlich habe man sich dazu entschieden, weil nicht mit Sicherheit gesagt werden könne, unter welchen Bedingungen andere Pensionskassen in Zukunft operieren, ergänzt Bender.

Für die rund 70 aktiv Versicherten und 50 Rentenbezüger müsste die Gemeinde der BVK eine Unterdeckung von rund 3 Millionen Franken entrichten. Ein Betrag, der die Kompetenz der Exekutive übersteigt und somit von der Gemeindeversammlung gesprochen werden müsste. «Dieser Kreditantrag bliebe chancenlos. Das einzige Argument dafür lautet: Möglicherweise bietet eine andere Pensionskasse künftig die besseren Konditionen. Das reicht nicht», so Bender.

In Unterengstringen prüfte der Gemeinderat einen Wechsel zur Pensionskasse Profond, die vom VPOD in einem Schreiben an verschiedene Gemeinden als mögliche Alternative ins Spiel gebracht wurde. Für die 25 aktiv Versicherten und 9 Rentenbezüger hätte eine Unterdeckung von bis zu 700 000 Franken bezahlt werden müssen: «Das ist viel zu viel», wie Rey sagt. Auch hätten den Gemeinderat Medienberichte stutzig gemacht, wonach die Profond rund die Hälfte ihres Anlagevermögens in Aktien investiere. «Das ist uns zu riskant», so Rey.

3,7 Millionen günstiger

Einen Anteil von rund 26 Prozent in Aktien – ein Wert auf den die meisten anderen Kassen kommen – weist auch das Portfolio der SHP auf, welche Schlieren eine Offerte unterbreitete. Sprechen sich die rund 350 Angestellten der Stadt für einen Wechsel aus, dann winken Minderausgaben von rund 3,7 Millionen Franken bei gleichbleibender Rente. Dafür müsste sie eine Kapitalbevorschussung von rund 4,5 Millionen Franken für ihre Rentenbezüger entrichten. Bevor allerdings die Stadtangestellten ihren Entscheid Ende Oktober fällen, muss Mitte September erst noch das Gemeindeparlament einer Änderung der Geschäftsordnung beipflichten. Mit dieser käme die Wahl der Personalvorsorgekasse in die Kompetenz der Exekutive zu liegen und wäre nicht mehr beim Gemeinderat angesiedelt.

Ein Sturm der Entrüstung folgte der Bekanntmachung des BVK-Stiftungsrats von vor rund einem Jahr, wonach ab Anfang 2017 verschiedene Massnahmen dazu beitragen sollen, die Pensionskasse für die Zukunft zu rüsten. Mehrere angeschlossene Organisationen und Gemeinden, wie auch der Gewerkschaftsbund VPOD, wehrten sich vehement gegen den Vorsorgeplan, wonach die Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern erhöht, die Renten jedoch gekürzt werden sollen. Grösste Kritikerin aus der Region war das Spital Limmattal, dessen Stiftungsrat Markus Bärtschiger und Spitalpräsident Thomas Brack die Massnahmen der BVK in einem offenen Brief kritisierten. Im vergangenen April gab Brack dann im Rahmen der Delegiertenversammlung bekannt, dass man doch bei der BVK versichert bleiben wolle, da das «Limmi» eine ungünstige Personalzusammensetzung aufweise. Damit bezog er sich auf eine vergleichsweise hohe Anzahl Rentenbezüger des «Limmi», für die bei einem Wechsel eine Unterdeckung von rund 30 Millionen Franken hätte entrichtet werden müssen.