Dietikon
BVK-Stiftungsrat: «Wer mich kennt, weiss, dass ich gegen die Erhöhung war»

Der Lohnsprung des Chefs der kantonalen Pensionskasse BVK sorgt für rote Köpfe. BVK-Stiftungsrat und AL-Stadtratskandidat Ernst Joss stimmte gegen den Anstieg auf 380 000 Franken – jedoch nicht gegen den auf 320 000 Franken.

Sophie Rüesch
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Grosse Diskussionen um den Lohnsprung des BVK-Chefs.

Grosse Diskussionen um den Lohnsprung des BVK-Chefs.

Keystone

Herr Joss, die Löhnerhöhung von BVK-Chef Thomas Schönbächler sorgte für Aufruhr. Haben Sie dem ursprünglichen Anstieg auf 380 000 Franken im Dezember zugestimmt?

Ernst Joss: Wer mich kennt, weiss, dass ich gegen die Lohnerhöhung war.

Weshalb stimmten Sie dagegen?

Die BVK ist immer noch die Pensionskasse der Angestellten des Kantons, auch wenn sie nun privatrechtlich geführt wird. Deshalb sollte sich auch die BVK an die Lohnobergrenze der kantonalen Angestellten, die bei rund 265 000 Franken liegt, halten. Natürlich wurde der ganze BVK-Apparat im Rahmen der Ausgliederung auch etwas grösser. Aber warum sollte einer, der im Wesentlichen denselben Job wie früher macht, plötzlich fast doppelt so viel verdienen als zuvor? Das ist meine persönliche Meinung. Wobei andere Stiftungsratsmitglieder selbstverständlich auch Argumente für eine Lohnerhöhung hatten.

Die da wären?

Der Banken- und Versicherungssektor ist eine Hochlohnbranche, in der man sich dem personellen Wettbewerb nicht entziehen kann. Und Thomas Schönbächler ist ein guter Mann, den der Stiftungsrat nicht verlieren will. Von linker Seite sind diese Argumente natürlich nicht stichhaltig, weil sie ein weiteres Aufklaffen der Lohnschere bedeuten.

Vor zwei Wochen entschied der Stiftungsrat die Halbierung der Lohnerhöhung von zusätzlichen 120 000 auf «nur» zusätzliche 60 000 Franken. Haben Sie dieser zugestimmt?

Schlussendlich ja.

Gegen Lohnexzesse: Ernst Joss.

Gegen Lohnexzesse: Ernst Joss.

fni

Sie politisieren weit links und wollen als «linke Alternative» in den Dietiker Stadtrat. Ist Ihre Zustimmung da kein Widerspruch?

Nein. Wir haben auch noch einmal auf den Tisch gebracht, die ganze Lohnerhöhung rückgängig zu machen, sind aber erneut gescheitert. Die Verträge mit dem höheren Lohn waren bereits unterzeichnet, letztlich konnte der Stiftungsrat nur noch entscheiden, ob Herr Schönbächler 120 000 oder 60 000 Franken mehr verdienen soll. Und da war ich natürlich für den geringeren Betrag.

Können Sie nun mit gutem Gewissen hinter dem Lohnanstieg stehen?

Der Stiftungsrat hat so entschieden und das akzeptiere ich. Meine persönliche Haltung, also die generelle Ablehnung einer Lohnerhöhung, habe ich in der ersten Abstimmung zum Ausdruck gebracht und bin unterlegen. Als Gremium stehen wir nun aber geschlossen hinter dem Entscheid – wie man das übrigens auch in jedem Exekutivamt tut.

Nicht nur die Cheflohnerhöhung sorgte für Kritik. Auch die «Goodies» für BVK-Mitarbeiter – etwa eine zusätzliche Ferienwoche oder ein ZVV-Jahresabo – kamen schlecht an.

Ich verstehe jeden, der die Cheflohnerhöhung kritisiert. Als Gewerkschafter kann ich aber nicht gegen diese geringfügigen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen sein. Dieser Entscheid war richtig, auch deshalb, weil die Ausgliederung der BVK für die ehemals kantonalen Angestellten Nachteile mit sich brachte. Für diese «Zückerchen» entschieden wir uns, um keine Angestellten zu verlieren.

Der Stiftungsrat hat auch seine eigenen Löhne festgesetzt. 2013 betrug der durchschnittliche Lohn 27 000 Franken. Wird es 2014 mehr?

Nein, die Stiftungsräte werden weniger verdienen als 2013. In der ersten Phase der Verselbstständigung hatten wir aussergewöhnlich viele Sitzungen, 2014 dürften es weniger sein. Ich habe letztes Jahr übrigens weniger als 27 000 Franken verdient.

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