Wie entscheiden sich die rund 350 Angestellten der Stadt Schlieren? Wollen sie bei der bisherigen Pensionskasse der Angestellten des Kantons Zürich (BVK) bleiben oder bevorzugen sie einen Wechsel zur bedeutend kleineren Dietiker Pensionskasse SHP? Noch bis Mitte Oktober können sie über diese Frage abstimmen. Bereits bei der Beratung im Schlieremer Stadtparlament von Mitte September äusserte die CVP/EVP-Fraktion Bedenken, dass die Komplexität eines Kassenwechsels eine Herausforderung für die Angestellten darstellen könnte. Nun versucht der VPOD (Verband des Personals der öffentlichen Dienste), Abhilfe zu schaffen. In einem dreieinhalbseitigen Schreiben, das an sämtliche Angestellten der Stadt gesandt wurde, stellt der Verband die beiden Kassen gegenüber.

Im Dokument ortet der VPOD, der sich stets öffentlich gegen die Sanierungspläne der BVK positioniert hatte, 11 Vorteile für die BVK und 16 für die SHP. In vier Punkten machte ein Wechsel keinen Unterschied. So weist die SHP leicht höhere Verwaltungskosten auf, eine ansteigende Zahl der IV-Bezüger und ein tieferes Niveau des Sparguthabens. Demgegenüber weist die SHP einen flexibleren Vorsorgeplan wie auch einen höheren Anlageertrag auf als die BVK. Der VPOD ortet jedoch auch blinde Flecken. So heisst es in der Gegenüberstellung, dass das generelle Verhalten des SHP-Stiftungsrates, deren Informationspolitik wie auch der Service gegenüber Versicherten nicht beurteilt werden können. «Diese Komponenten bei der BVK können wir hingegen beurteilen: Sie sind teilweise von Überheblichkeit und Fahrlässigkeit geprägt», schreibt der VPOD.

«Es kann kaum schwieriger sein»

Was im Schreiben hingegen fehlt, ist eine Empfehlung für die Angestellten der Stadt Schlieren, wie diese noch bis zum 15. Oktober abstimmen sollen. VPOD-Regionalsekretär Roland Brunner sagt auf Anfrage, dass man bewusst keine Empfehlung für oder gegen einen Wechsel ausgesprochen habe: «Jeder Versicherte soll für sich selber entscheiden, welches die richtige Kasse für seine Bedürfnisse ist.» Er verweist auch darauf, dass man mit der SHP zwar noch keine Erfahrungen gesammelt habe. «In gewissen Punkten kann eine Zusammenarbeit jedoch nicht schwieriger sein als mit der BVK.»

Dass ein möglicher Wechsel überhaupt zum Thema wurde, hat mit den Plänen der BVK-Leitung zu tun, die Pensionskasse fit für die Zukunft zu machen. So sollen ab Anfang kommenden Jahres die Prämien steigen und die Renten für die Bezüger sinken. Bei der Bekanntgabe dieses Entscheids ging ein Sturm der Entrüstung durch einige der rund 480 angeschlossenen Organisationen. Insbesondere das Spital Limmattal äusserte lautstarke Kritik an den Sanierungsplänen. Zwischenzeitlich entschieden sich die meisten Organisationen jedoch gegen einen BVK-Austritt, in der Regel weil die Ausfinanzierung der derzeitigen Rentner zu teuer wäre. Nach aktuellem Stand stimmen noch die technische Fachschule Winterthur, die Gemeinde Oberrieden und die Stadt Schlieren über einen Austritt ab. Erst diese Woche wurde zudem bekannt, dass die Gemeinde Erlenbach ihre Einwohner an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung über einen BVK-Austritt befinden lassen wird.

Für eine Million zur SHP

Erst kürzlich entschied sich eine andere grössere Organisation im Kanton Zürich für einen Wechsel von der BVK zur SHP. Wie der Zweckverband Soziales Netz des Bezirks Horgen in einem Schreiben an seine Delegierten von Mitte September bekannt gab, werden die rund 100 Angestellten ab Anfang 2017 neu bei der SHP versichert sein. Der Geschäftsleiter des Sozialen Netzes des Bezirks Horgen, Beat Nüesch, bestätigt diesen Schritt auf Anfrage der Limmattaler Zeitung.

Seit Anfang Jahr habe sich eine Kommission aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern mit dem Wechsel befasst. «Neun Offerten von anderen Pensionskassen wurden uns unterbreitet. Im Verlauf des Jahres wurde immer klarer, dass die SHP die deutlich besseren Leistungen bietet», sagt er. So koste die Ausfinanzierung zwar rund eine Million Franken, dieses Geld amortisiere sich jedoch innert vier Jahren, da jährlich Minderbeiträge von rund 250 000 Franken anfallen würden. Auch bezüglich der künftigen Entwicklung vertraut Nüesch auf die SHP. Der Umwandlungssatz, mithilfe dessen die Höhe der Renten festgelegt wird, liegt bei der SHP derzeit bei 6,8 Prozent, rund zwei Punkte höher als bei der BVK. «Vertreter der SHP versicherten uns, dass in den kommenden Jahren ein Niveau von um die sechs Prozent erhalten bleibt», so Nüesch.