Die Nachricht des ehemaligen Dorfpolizisten, der Bussgelder in die eigene Tasche gesteckt haben soll, schüttelte Uitikon vergangene Woche durch. Der Postbote soll ebenso vom Polizisten über den Tisch gezogen worden sein wie eine Bauherrin, deren Arbeiter stets Bussen erhielten.

Hörte man sich jedoch in der Gemeinde um, war zu vernehmen, dass Gerüchte über die Fehlbarkeit des Gesetzeshüters schon länger die Runde machten. Nun wird bekannt, dass die Gemeinde bereits seit knapp einem Jahr von anderen Anzeigen gegen den Polizisten wusste. Hätte er bereits damals fristlos entlassen werden müssen?

Nur durch einen Zufall erfuhr der Gemeinderat von den vermeintlichen Machenschaften ihres Dorfpolizisten, der rund 22 Jahre im Dienst der Gemeinde stand. Vor zwei Jahren soll der heute 61-jährige Polizist den Falschparkierer Karsten Neumann gebüsst haben und ihn zur sofortigen Zahlung von 120 Franken aufgefordert haben. Weil der Lenker nur 110 dabei hatte, nahm der Polizist diese entgegen, stellte dem Mann aber eine Quittung über 120 Franken aus.

Dieser erkundigte sich bei der Kantonspolizei über die Differenz von 10 Franken. Dort liess sich aber keine Quittung der Busse finden. Aus Angst vor Repressalien vonseiten der Polizei schwieg Neumann bis vor wenigen Wochen. Ende 2018 ging er auf die Gemeinde und wies sie darauf hin, dass der Polizist wohl Bussgelder in die eigene Tasche stecke. Daraufhin löste die Gemeinde das Arbeitsverhältnis zum Polizisten mit sofortiger Wirkung auf.

Der Dorfpolizist kam aber bereits zuvor mit dem Gesetz in Konflikt. Wie Erich Wenzinger, Sprecher der Zürcher Staatsanwaltschaft, auf Anfrage bestätigt, läuft derzeit ein Verfahren. In diesem wird dem Polizisten Amtsmissbrauch und passive Bestechung vorgeworfen. Nicht weiterverfolgt wurde ein Verfahren aus dem Jahr 2017, wonach der Polizist 2011 keine Quittung für einen fehlbaren Parkierer ausstellte.

Der Grund: Mangel an Beweisen. Wenzel bestätigt, dass der Uitiker Sicherheitsvorstand Patrik Wolf am 20. Februar 2018 über die Strafuntersuchung informiert wurde. «In der Folge wurde auch entsprechende Akteneinsicht gewährt», sagt Wenzinger weiter.

Kein Kommentar zur Freistellung

Gemeindeschreiber Sinisa Kostic bestätigt auf Anfrage, dass man von der Staatsanwaltschaft über die Anzeige informiert worden sei. «Anschliessend haben wir verschiedene Abklärungen mit der Staatsanwaltschaft vorgenommen», so Kostic. Danach habe man personalrechtliche und organisatorische Massnahmen ergriffen. Diese hätten zum damaligen Zeitpunkt ausgereicht, da es sich bei den beiden Vorwürfen «nur» um einen Verdacht gehandelt habe und das Ausmass der Vorwürfe keine weiteren Massnahmen erfordert hätten.

«Über die getroffenen Massnahmen kann ich keine Auskunft geben, da sie der Schweigepflicht unterliegen», sagt er weiter. Die Frage, ob sich eine Freistellung des Polizisten mit einem Verdacht auf Bestechung und Amtsmissbrauch nicht hätte rechtfertigen lassen, wurde von der Gemeinde nicht kommentiert.

Im Limmattal wurde zuletzt 2013 ein Skandal um Polizisten publik. Damals ging es um die zwei Schlieremer Polizeiangestellten, die einen Randständigen bei den Schrebergärten an der Ifangstrasse verprügelt haben sollen. Das Bezirksgericht sprach sie des Vergehens schuldig, das Obergericht stützte dieses Urteil. Doch wurde das Urteil ans Bundesgericht weitergezogen, wo die beiden Polizisten 2016 freigesprochen wurden.

Auch hier verzichtete man auf eine Entlassung nach Eingang der Anzeige. Erst als 2013 das Urteil des Bezirksgerichts gefällt wurde, zog die Stadt personelle Konsequenzen. Einer der beiden Polizisten wurde freigestellt, der zweite hatte bereits einige Monate vor Urteilsverkündung die berufliche Neuorientierung gewagt. Nach dem Entscheid des Bundesgericht wurde ersterer wieder eingestellt.