Schlieren
Bürgerliche bestehen auf einer Garantie für fliessenden Verkehr

Der Stadtrat will zwischen «Parkside» und «Lilie» einen fussgängerfreundlichen Stadtplatz mit einem einspurigen Kreisel darum herum realisieren. Dagegen laufen bürgerliche Politiker, Industrie, Gewerbe, Detaillisten und Hauseigentümerverband Sturm.

Jürg Krebs
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Der Stadtrat muss beim Stadtplatzprojekt nochmals über die Bücher. Die Bürgerlichen wollen erst eine Garantie, dass der Verkehr flüssig bleibt.

Der Stadtrat muss beim Stadtplatzprojekt nochmals über die Bücher. Die Bürgerlichen wollen erst eine Garantie, dass der Verkehr flüssig bleibt.

Jürg Krebs

Ihre Begründung: Die im Vergleich zur heutigen Situation reduzierte Verkehrsführung führe unweigerlich zu Stau. Der Verkehr werde in die Quartiere ausweichen, die Wirtschaft in ihrer Mobilität behindert.

Ein Postulat von FDP-Gemeinderat Andreas Geistlich und zehn Mitunterzeichnenden fordert vom Stadtrat deshalb, sein Projekt zu überdenken.

Seine Argumente legte Geistlich an der Parlamentssitzung von gestern Abend dar. Sein Fazit: «Für etwas, das nicht funktioniert, will niemand Geld ausgeben.» Künftiger Stau ist von den Planern tatsächlich ausgewiesen, aber mit Absicht in Kauf genommen: Der Verkehr soll sich auf die Bernstrasse verlagern.

Ein 2-spuriger Kreisel

Geistlich betonte, sich nicht gegen visionäre Lösungen zu stellen. Er wolle aber auch keinen Stau. Er schlug gleich Lösungen vor: einen zwei- statt einspurigen Kreisel, eine Untertunnelung im Bereich des Kreisels, keine Haltestelle der Limmattalbahn im Kreisel, flankierende Massnahmen für den motorisierten Individualverkehr vor Baubeginn des Kreisels. Es sei am Stadtrat, das Richtige zu entscheiden.

Der zuständige Stadtrat JeanClaude Perrin (SVP) sprach sich gegen die Überweisung des Postulats auf. Der Stadtrat halte an der wichtigen Funktion eines fussgängerfreundlichen Stadtplatzes mit einem einspurigen Kreisel fest. Es gehe um ein attraktives Zentrum. Die Umsteigefunktion des Platzes zwischen den Verkehrsträgern bleibe zudem als Idee bestehen.

Untertunnelung des Kreisels

Thomas Grädel (SVP), Markus Weiersmüller (FDP) und Markus Hof (parteilos) sprachen sich vehement für Geistlichs Postulat aus. Ihr Hauptargument: die Gefahr, dass Autofahrer ihren Weg durch die Wohnquartiere suchen werden, wenn es wegen eines zu kleinen Kreisels zu Staus kommen wird. Die Lösung: ein zweispuriger Kreisel. Lucas Arnet (FDP) sprach sich für die Idee einer Untertunnelung des Kreisels für Autofahrer aus, denn auch das verflüssige den Verkehr.

Reto Bär (EVP) erklärte, die CVP/ EVP-Fraktion sei mehrheitlich für die Überweisung, vor allem zugunsten von flankierenden Massnahmen.

Beat Rüst (Grüne) und Pascal Leuchtmann (SP) sprachen sich für das Projekt des Stadtrats mit einem einspurigen Kreisel aus. Rüst gab zu bedenken, dass ein verkehrsfreundliches Zentrum nur noch mehr Verkehr anziehe und im Stadtkern erst recht Stau erzeuge. Heidemarie Busch (CVP) wollte den Verkehr gleich eingangs der Stadt abblocken, dann brauche es keinen Doppelkreisel. Jürg Naumann (QV) erklärte, dass der Autofahrer bei Stau schnell einen neuen Weg suchen und dem Zentrum ausweichen werde.

Stadtpräsident redet ins Gewissen

Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) redete den Projektgegnern ins Gewissen. Das Postulat unterbreche einen vor zehn Jahren eingeschlagenen und schweizweit bewunderten Gestaltungsprozess. Brühlmann: «Wir sind auf dem richtigen Weg.» Es nutzte wenig: Geistlichs Postulat wurde mit 13 zu 11 Stimmen überwiesen.