Dietikon

Bundesamt lässt Wäldchen fällen – Igel verliert sein Zuhause

Quartierbewohner sind empört. Sie wurden nicht vorab über den Kahlschlag informiert. Nun machen sie sich Sorgen um die Igelpopulation.

Katja Hamburger war überrascht, als sie die gefällten Bäume in ihrer Nachbarschaft liegen sah. Hamburger wohnt an der Luberzenstrasse in Dietikon, gleich bei der Autobahnbrücke. Das kleine Wäldchen zwischen Brücke und Luberzenstrasse bildete jahrzehntelang einen natürlichen Sichtschutz, den die Anwohner auch wegen des ­Skateplatzes unter der Brücke zu schätzen wussten.

Doch nun ist das Wäldchen nicht mehr. Arbeiter einer Thurgauer Firma fuhren am Montag mit einem speziellen Bagger vor und fällten praktisch alle Bäume. Manche von ihnen hatten schon ein stolzes Alter.

Der Auftrag dazu kam vom ­Bundesamt für Strassen (Astra), dem das Grundstück gehört. Das Astra bezeichnet das ­Wäldchen als «Grünstreifen» und nimmt gegenüber der «Limmattaler Zeitung» Stellung zur ­Aktion. «Bei den genannten Arbeiten handelt es sich um ­reguläre Pflegearbeiten, die von der Gebietseinheit, die für den betrieblichen Unterhalt der ­Nationalstrasse zu­ständig ist, in regelmässigen Abständen durchgeführt werden», erklärt Astra-Sprecher ­Jérôme Jacky.

Im Rahmen solcher Arbeiten werde auch überprüft, ob Bäume «die Sicherheit der Nationalstrasse gefährden». Der Grund: «Überalterte Bäume werden instabil und drohen bei Wetterereignissen umzustürzen. Bäume und Äste, die für den Strassenverkehr ein Sicherheitsrisiko darstellen, werden entfernt.»

Mit den nun durchgeführten Arbeiten seien jegliche Bäume und Äste entfernt worden, die ein entsprechendes Risiko bedeuten, führt Jacky weiter aus. «Das bedeutet, dass in naher Zukunft keine ähnlich angelegten Arbeiten notwendig sind. Dies wiederum schützt die Grünfläche, die sich mit der Zeit vom Eingriff erholen kann.»

«Sicherheit der Strasse steht im Vordergrund»

Das Astra könne nachvollziehen, dass sich die Anwohner an den Sichtschutz gewöhnt hätten, sagt Astra-Sprecher Jacky. «Bei Arbeiten des betrieblichen Unterhalts stehen aber der Betrieb sowie die Sicherheit auf der Nationalstrasse im Vordergrund – dieser gesetzliche Auftrag hat für uns oberste Priorität.»

Für Unmut sorgte auch die Tatsache, dass die Quartier­bewohner nicht wie bei vielen Bauarbeiten üblich mit einem Flugblatt vorab informiert wurden. Bei Arbeiten des betrieblichen Unterhalts sei eine Information der Anwohner jedoch nicht vorgesehen, sagt Jacky

Das Wäldchen war die Heimat einer Igelfamilie

Eine Umweltbaubegleitung oder dergleichen, wie sie bei grösseren Bauprojekten stets vorgesehen ist, gab es beim Kahlschlag auch nicht. Die Nachbarschaft aber weiss, dass nicht nur die Menschen das kleine Wäldchen schätzten. So erzählte Anwohnerin Katja Hamburger der «Limmattaler Zeitung» vor Ort, wie sie immer wieder Igel beim Wäldchen sah. Letztes Jahr war es eine grössere Igelfamilie – diese liess einen kleinen Igel in Hamburgers Garten zurück. Sie kümmerte sich dann liebevoll um diesen, bis er wieder selbstständig in die Natur zurück­kehrte. Für dieses Igelchen war das Wäldchen mehr als nur ein «Grünstreifen».

Meistgesehen

Artboard 1