Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, das besagt, dass bisherige Kommissionsmitglieder bei einer Erneuerungswahl nicht angegriffen werden. Die SP hat es bei der Wahl der Bürgerrechtskommission – sie entscheidet, wer das Stadtbürgerrecht bekommt – am Sonntag trotzdem versucht. Die Partei fühlte sich mit nur einem von acht Sitzen untervertreten und bezeichnete die CVP, die drei Sitze belegt, als «klar übervertreten». Deshalb stiegen die Sozialdemokraten mit Parteipräsidentin Béatrice Bürgin in den Ring, womit es zur Kampfwahl kam.

Absolutes Mehr erreicht

Doch der Angriff der SP ist nicht geglückt: Zwar erreichte Bürgin das absolute Mehr, doch sie schied als überzählig aus. Nicht gewählt wurde die Kandidatin des Quartiervereins, Margret Jakal, die aufgestellt wurde, nachdem es klar war, dass es zur Kampfwahl kommt.

Wiedergewählt wurden die drei bisherigen CVP-Vertreterinnen Gabrièle Estermann, Jeannette Stähellin und Trudy Schönbächler, die beiden Bisherigen der FDP, Peter Britschgi und Sasa Stajic sowie der bisherige Vertreter der SP, Jürg Brem. Neu gewählt wurden für die SVP Thomas Bolliger und Rosmarie Schmid, womit die SVP wie erhofft ihre zwei Sitze verteidigen kann. Die Sitzverteilung nach Parteien bleibt sich somit gleich.

Enttäuschung bei der SP

Bürgin zeigte sich gestern auf Anfrage enttäuscht über das Resultat: «Ich hätte diese Aufgabe sehr gerne übernommen und bin sicher, ich wäre eine Bereicherung für die Kommission gewesen.» Dies vor allem, so Bürgin, weil sie sich in ihrem Berufsleben ein grosses Wissen über Migrations- und Integrationsfragen habe aneignen können. Doch das Stimmvolk habe anders entschieden und sie werde diesen Entscheid natürlich akzeptieren.

Nach wie vor störe sie sich aber an der Sitzverteilung in der Bürgerrechtskommission, so Bürgin. Doch das Wahlresultat zeige vor allem auch, dass die bürgerlichen Parteien «fest zusammengehalten» hätten. «Das dürfen sie natürlich, das ist legitim», sagt Bürgin. Aber für die SP werde es so sehr schwierig, sich durchzusetzen.

Ob sie in vier Jahren nochmals antreten wird, kann die SP-Präsidentin heute noch nicht sagen. Zwar hätte sie, wenn sie gewählt worden wäre, gerne zwei Legislaturperioden absolviert, so Bürgin. Doch nun wolle man erst mal abwarten.