Strippenzieher im Hintergrund machen den Kampf um die Schlieremer Stadtratssitze zu einer immer spannenderen Angelegenheit. Exponenten der Bürgerlichen Parteien Schlierens (BPS) versuchen offenbar, die Wiederwahl des bisherigen Stadtpräsidenten und einzigen Kandidaten für das Präsidium, Toni Brühlmann-Jecklin (SP), zu verhindern.

Brühlmann bestätigt dieses Gerücht auf Anfrage: «Ich habe aus BPS-Kreisen gehört, dass Pläne bestehen, meine Wiederwahl zu verhindern.» Er empfinde es als eigenartiges Vorgehen, diesen versteckten Weg zu wählen, anstatt im Vorfeld einen offiziellen Kandidaten aufzustellen, sagt er. Dass einige bürgerliche Politiker ihm sein Amt streitig machen wollen, irritiere ihn sicher ein wenig, erklärt der Stadtpräsident: «Ich höre aber auch aus bürgerlichen Kreisen, dass viele dieses versteckte Vorgehen nicht goutieren. Das beruhigt mich.»

Brühlmann muss Quorum schaffen

Um am 9. Februar erneut Stadtpräsident zu werden, muss Brühlmann sowohl bei der Stadtratswahl als auch bei der Wahl des Präsidiums das absolute Mehr erreichen. Dies bedeutet im Fall der Präsidentenwahl, dass mehr als die Hälfte aller Wähler auf dem Wahlzettel beim Punkt «Präsidium» Brühlmanns Namen notieren muss. Erreicht Brühlmann bei der Stadtratswahl oder bei der Wahl des Präsidiums das absolute Mehr nicht, kommt es zu einem weiteren Wahlgang um das Präsidium, wobei auch andere Parteien Kandidaten für das Stadtpräsidium nachnominieren können. Um Brühlmann als Stapi zu verhindern, werden seine Gegner also genau dies zu erreichen versuchen.

Einer, der sich klar gegen das geheime Vorgehen bürgerlicher Kräfte stellt, ist Nikolaus Wyss, der für die GLP in den Stadtrat einziehen will: Die Schlieremer Exekutive habe vor allem aufgrund ihrer guten parteiübergreifenden Zusammenarbeit viele wichtige Entwicklungen aufgleisen können. «Ein Doppelspiel, wie es sich abzeichnet, evoziert Uneinigkeit, fördert das Misstrauen und gefährdet damit die spätere Zusammenarbeit im Stadtrat», so Wyss.

BPS liess Angriffspläne fallen

CVP-Kandidat und BPS-Präsident Stefano Kunz erklärt auf Anfrage, dass ein möglicher Angriff auf Brühlmanns Präsidium in der BPS zwar vor längerer Zeit ein Thema gewesen, aber mangels Kandidaten bald wieder fallen gelassen worden sei. «Es ist allerdings ein offenes Geheimnis, dass gewisse Kreise mit Herrn Brühlmann als Stadtpräsident unzufrieden sind», so Kunz.

Auch die Stadtratskandidaten der FDP und SVP wollen mit dem Vorhaben, Brühlmann zu kippen, nichts zu tun haben. FDP-Stadtratskandidatin Manuela Stiefel (bisher) sagt: «Davon ist mir offiziell nichts bekannt. Wenn man das Präsidium hätte angreifen wollen, so hätte man seitens der bürgerlichen Parteien einen eigenen Kandidaten aufgestellt.»

SVP-Kandidat Pierre Dalcher, der die Nachfolge von Jean-Claude Perrin antreten will, dementiert ebenfalls, dass innerhalb der BPS eine offizielle Strategie zum Angriff auf das Stadtpräsidium besprochen worden sei. «Auf der Strasse hört man aber vieles», sagt er. Dalcher beurteilt solche Pläne kritisch: Man sei vor vier Jahren beim Kampf um das Stadtpräsidium an Brühlmann gescheitert. «Ich bin daher eher für Realismus als für Hochmut», so Dalcher.

Wegmüller positioniert sich

Eine weitere Wendung nimmt der Schlieremer Wahlkampf, seit inoffiziell bekannt wurde, dass CVP-Parlamentarier Rolf Wegmüller sich offensiv auf Wählerfang befindet. Auf seiner Wahlkarte weist er handschriftlich darauf hin, dass er sich auch für ein Stadtratsamt zur Verfügung stellen würde. Eine solche Karte haben auch die FDP-Kandidatinnen Beatrice Krebs und Manuela Stiefel erhalten, wie sie sagen.

Ob Wegmüllers Weibeln mit dem Angriff auf Brühlmann in Verbindung steht, muss derzeit noch offen bleiben. Wegmüller war gestern krankheitshalber für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. CVP-Parteipräsident Stefano Kunz dementiert jedoch, dass ein Zusammenhang besteht: «Es gab parteiintern nie einen solchen Beschluss», so Kunz. Und seine Partei schreibt in einer offiziellen Erklärung gar, Wegmüller stehe hinter dem Entscheid, Kunz als einzigen CVP-Kandidaten für ein Stadtratsamt ins Rennen zu schicken.