Noch nie sei eines ihrer Projekte so gut gestartet wie in Bülach, sagt Hélène Vuille. Einen Monat nach Beginn ihres neusten Vorhabens gegen Lebensmittelverschwendung zieht die Birmensdorfer Anti-Foodwaste-Aktivistin ein positives Fazit. Seit dem 24. August geben verschiedene Migros- und Volg-Filialen und Bäckereien in Bülach und Umgebung Tagesfrischprodukte wie Sandwiches, Birchermüesli und Fertigsalate an freiwillige Helfer ab, die diese an Bedürftige verteilen. Nachdem Vuille bereits in mehreren Ortschaften Projekte lanciert hat, konnte sie dem Bülacher Sozialamt gleich ein fixfertiges Konzept präsentieren: Von Lebensmittelkarten an Bedürftige bis zur Anwerbung von freiwilligen Helfern war alles geplant.

Das überzeugte die Stadt auf Anhieb. Bülach sei schon seit mehreren Jahren in Projekte gegen Lebensmittelverschwendung wie «Tischlein deck dich» und der «Schweizertafel» involviert, sagt Daniel Knöpfli, Leiter Soziales und Gesundheit. Tagesfrischprodukte verteile aber keine dieser beiden Institutionen, weshalb Vuilles Projekt die bestehenden perfekt ergänze. «Es wurden besorgte Stimmen laut, ob denn die Projekte einander nicht gegenseitig die Esswaren streitig machten, doch die konnte ich beruhigen», so Knöpfli. Seit Projektstart seien für 17 Personen Karten ausgestellt worden, die zum Bezug der Produkte berechtigen. Viele der Bezüger hätten Familien, weshalb insgesamt 37 Erwachsene und Kinder vom Projekt profitierten.

Den Anstoss zur Lancierung von Vuilles Konzept im Zürcher Unterland kam vom Bülacher Daniel Horber. Der 42-Jährige hatte ein Interview über die Aktivistin im Heilsarmee-Magazin gelesen und bot ihr seine freiwillige Mitarbeit an. «Darauf schlug sie mir vor, ein Projekt in Bülach zu starten», sagt Horber. Der Buchhalter war schon früher in soziale Projekte involviert und koordiniert seit einem Monat die wöchentlichen Essensausgaben in der evangelisch-methodistischen Kirche, für die sich innert kurzer Zeit 20 Helfer fanden.

Mehr Armut, als man meint

Horber zeigt sich erfreut über die Anzahl der bisher ausgeteilten Bezugs-Karten und hofft, dass die Stadt bald noch mehr verteilen wird. Es gebe offensichtlich mehr Armut in Bülach, als man meine, sagt er. «Doch das Projekt würde sich auch bereits lohnen, wenn nur zehn Leute bei uns Essen holen kämen.» Horber hofft nun, dass die Stadt Bülach nach dem erfolgreichen Start auch umliegende Gemeinden wie Bachenbülach, Hochfelden und Höri für das Projekt gewinnen kann.

Wie die Stadt Bülach, die sich auch bei Detailhändlern für das Projekt einsetzte, reagiert hat, ist laut Vuille vorbildlich. In den letzten Jahren hat die 63-Jährige ihr Anti-Foodwaste-Konzept bereits in Birmensdorf, Dietikon, Thalwil und Zürich lanciert. Produkte, die vor wenigen Jahren noch im Abfallkübel landeten, werden an Personen abgegeben, deren Essensbudget knapp bemessen ist. Ein Konzept, das einfach daherkommt, für das Vuille jedoch in den letzten 18 Jahren oft zäh mit Lebensmittelhändlern verhandeln musste.