«Lesen ist für mich existenziell», sagte Hanspeter Müller-Drossaart an der Buchplauderei im Ortsmuseum Urdorf. Eine Geschichte müsse ihn berühren. Der renommierte Schauspieler und Theaterpädagoge lernte vor einiger Zeit im Zürcher Kaufleuten per Zufall den Journalisten und Kommunikationsberater Urs Heinz Aerni kennen.
Bald entstand die Idee, zusammen vor Publikum über Bücher zu sprechen. Im Rahmen ihres Gesprächs in Urdorf frönten die beiden am Donnerstag ihrer Leidenschaft für Belletristik und unterhielten dabei das Publikum mit Anekdoten aus ihrem Leben.

Zwischen lustvoll und ernst

Während sich Aerni als Liebhaber lustvoller Bücher zeigte, sprach Müller-Drossaart eher über Werke ernsteren Genres. Von den 100 000 Büchern, die jedes Jahr im deutschsprachigen Raum erscheinen, konnten die beiden an der Buchplauderei in Urdorf nur eine auserlesene Handvoll näher beleuchten.

Das Publikum hing förmlich an den Lippen der Buchplauderer, besonders, wenn sie von den Büchern ins Leben abschweiften. So etwa, als Aerni beschrieb, wie er unfreiwillig die Unterhaltung einer jungen Blondine mit ihrem Freund mitlauschte: «Schatz, komm doch wieder ins Bett zurück», habe er über den Telefonlautsprecher vernommen. Darauf habe die junge Frau erwidert: «Ich sitze doch gerade im Tram.»

Müller-Drossaart brillierte im Verlauf des Gesprächs immer wieder als Wortakrobat, der wie auf Knopfdruck von perfektem Schriftdeutsch in alle möglichen Schweizer Dialekte wechselte. Seine Erfahrung zeige, dass man mit Gedichten und Prosaauszügen auch eine etwas ins Stocken geratene Unterhaltung - etwa beim Fondueessen - retten könne, erklärte Aerni dem Publikum schmunzelnd.

Männerlektüre und Weltliteratur

Für Hanspeter Müller-Drossaart ist Literatur-Nobelpreisträgerin Alice Monroe eine Autorin, die spannend und authentisch schreibt. Aerni empfahl den Anwesenden hingegen das Buch «Genial komisch» von Jürgen Sprenzinger als ideale Nachtlektüre für Männer. Sprenzinger beschreibt darin sehr unterhaltsam, wie jemand auf eine Stellenanzeige eine Absage schreibt. Amüsant waren auch die Auszüge, welche die Buchplauderer aus dem kleinen gelben Büchlein «Von der Pampelmuse geküsst» von Heinz Erhardt rezitierten.

Zeit verging wie im Flug

Der Abend mit Müller-Drossaart und Aerni war für alle Beteiligten sehr kurzweilig: Kaum hatte die belletristische Plauderei zwischen den beiden begonnen, war die dafür vorgesehene Zeit bereits wieder vorbei - zur grossen Überraschung der beiden Protagonisten selbst. Im Publikum im Ortsmuseum weilte auch eines von drei Geschwistern Müller-Drossaarts. Sie sei stolz auf ihren jüngsten Bruder, sagte die Schwester, die nicht namentlich erwähnt werden will: «Schon während seiner Gymnasialzeit überzeugte mein Bruder mit seinem Talent.»