Bezirksgericht Dietikon
Brutaler Vergewaltiger oder harmloses Justizopfer?

Laut Anklage hat ein aus Nordafrika stammender Limmattaler seine Ehefrau eingesperrt und bedroht und wiederholt vergewaltigt. Die Staatsanwaltschaft verlangte eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren, die Verteidigung einen vollen Freispruch.

Attila Szenogrady
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Das Bezirksgericht Dietikon muss entscheiden: Das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Dietikon muss entscheiden: Das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet. (Symbolbild)

Keystone

Es war am 15. November 2013, als die Polizei einen im Limmattal wohnhaften Nordafrikaner festnahm. Seither sitzt der über 40-jährige Lagerist im Gefängnis. Laut der zuständigen Staatsanwältin Claudia Kasper völlig zu Recht. So verlangte sie am Dienstag vor dem Bezirksgericht Dietikon für den Beschuldigten eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Nicht nur wegen Drohungen, Freiheitsberaubung und Tätlichkeiten, sondern auch wegen Körperverletzung und mehrfacher Vergewaltigung. Alles zu Lasten seiner erheblich jüngeren Ehefrau, die er im Mai 2013 in seiner Heimat nach arabischer Sitte geheiratet hatte.

Happige Vorwürfe

Die geschädigte Nordafrikanerin trat als Zeugin vor die Schranken. Die attraktive und modisch elegant gekleidete Frau berichtete, dass sie heute Angst vor ihren Mann habe und wegen seiner erzürnten Verwandtschaft nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren wolle.

Auf ihren Aussagen beruhten die happigen Vorwürfe der Anklage. Demnach hatte der Magaziner die Geschädigte ab Oktober 2013 immer wieder in der gemeinsamen Wohnung eingesperrt und ihr untersagt, alleine nach draussen zu gehen. Zudem verbot er ihr jeglichen Kontakt zu Nachbarn oder anderen Personen.

Laut Anklage konnte der Beschuldigte auch handgreiflich werden, indem er sie an den Haaren zerrte oder gegen einen Salontisch warf. Am schlimmsten wog aber, dass er seine Frau wiederholt gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr zwang. Staatsanwältin Kaspar sprach von der Isolation und Angst der jungen Frau. Sie habe konkrete Wiedergaben ihrer Erlebnisse zu Protokoll gegeben. Dem Beschuldigten lastete die Anklägerin ein brutales und krass egoistisches Vorgehen an.

Verteidigung für Freispruch

Die Rechtsvertreterin der Geschädigten führte aus, dass der Mann ihre Klientin mehr als Sache, denn als Menschen behandelt habe. Sie verlangte eine Genugtuung von 20 000 Franken.

Zum Unwillen des Beschuldigten, der alle Vorwürfe als erfunden zurückwies und von einer Racheaktion sprach. „Sie hat mich nur wegen der Papiere geheiratet“, erklärte der Mann mit der „Niederlassung C“ und zeigte sich überzeugt, dass es seiner Noch-Ehefrau nur um den gesicherten Aufenthalt in der Schweiz gehe.

Auch Verteidiger Roger Vago verlangte einen vollen Freispruch und zog die Belastungen der jungen Frau massiv in Zweifel. Objektive Beweise würden jedenfalls nicht vorliegen. Sein Mandant sei deshalb aus der Haft zu entlassen, erklärte er.

Das Gericht kam am Dienstag noch zu keinem Entscheid. Allerding wird es das Urteil voraussichtlich in den nächsten Tagen eröffnen.

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