Bruno Weibel hatte gestern Nachmittag nicht viel Zeit. Der Urdorfer steckt mitten in der Arbeit in seinem Garagenbetrieb in Birmensdorf. Und ganz nebenbei muss er noch seinen Rennwagen inspizieren, den Lotus 20 von Jo Siffert. «Das mache ich irgendwann am Nachmittag», sagt Weibel.

Es muss alles noch am selben Tag erledigt werden. Denn Weibel muss sich gleichentags auf den Weg nach Hockenheim machen. Dort startet er am Wochenende in die neue Saison der FIA Lurani Trophy, der offiziellen Europameisterschaft für die so genannte Formel Junior, in der die einsitzigen, offenen Rennwagen unterwegs sind.

Eigentlich hätte der Europameister von 2015 mit dem Wohnmobil nach Hockenheim fahren wollen. Doch dieses ist nicht rechtzeitig in der Schweiz eingetroffen. Zuvor war es in Neuseeland, wo Weibel und seine Familie bis Anfang März einige Wochen verbrachten. Dort hatte der Urdorfer einen befreundeten Rennfahrer betreut, der in Neuseeland ein paar Rennen absolviert hatte. Dass er nach Neuseeland reiste, war für Weibel eine «einmalige Chance im Leben», wie er damals sagte.

Doch mit der Reise kam auch Weibels Zeitplan durcheinander. Denn normalerweise nutzt er den Winter, um seinen Lotus 20 auf die nächste Saison aufzubereiten. Dazu gehören unter anderem die Revision des Motors und der Zusammenbau des Getriebes. Das alles musste der Urdorfer nun deutlich schneller erledigen als sonst– und sich dazu noch um die Fahrzeuge von Kunden in seinem Betrieb kümmern. Keine optimale Vorbereitung auf eine Rennsaison. Weibel sieht in der verkürzten Vorbereitungszeit allerdings auch einen Vorteil. «Ich bin sonst jemand, der immer alles doppelt und dreifach hinterfragt», verrät er. «Vielleicht ist es ganz gut, dass ich das diesmal nicht tun konnte, denn sonst stehe ich bis zur letzten Minute unter Vollstrom.» Dann könne man nichts mehr ändern. «Es ist dann so, wie es ist. Und am Schluss geht es ja immer irgendwie.»

Wenigstens muss sich Weibel nicht gross mit der Strecke in Hockenheim auseinandersetzen. «Ich kenne den Kurs zum Glück relativ gut», sagt er. Und es ist einer, der ihm liegt. Letztes Jahr holte er in Hockenheim im ersten Rennen Dritter in seiner Klasse – trotz Getriebeproblemen. Im zweiten Rennen gewann er in seiner Klasse sogar. Ein Vorteil für Weibel ist auch, dass wegen der kurzen Distanz viele Freunde und Bekannte an die Rennstrecke kommen werden. «Es ist wie ein Heimrennen», sagt er.

Startrennen wichtig

Dennoch verspürt er eine gewisse Anspannung. «Das erste Rennen ist mental immer das schwierigste», sagt Weibel. «Denn man ist über den ganzen Winter kein Rennen gefahren und muss erst wieder in den Rhythmus kommen.» Zudem könne man am ersten Rennwochenende in der Meisterschaft schon vorentscheidend in Rückstand geraten. «Punkte, die man verliert, fehlen einem möglicherweise in der Endabrechnung», so Weibel. «Von daher ist es wichtig, gleich von Anfang an gut abzuschneiden. Und wenn man den Titel holen will, müssen eigentlich alle Rennen perfekt laufen.»

Damit es für Weibel am Wochenende perfekt läuft, fährt er heute Abend noch einige Trainingsrunden. «Dann kann ich noch einiges anpassen», sagt Weibel.
Auf das Wetter hat der Urdorfer allerdings keinen Einfluss. Was ist, wenn sich die Wetterkapriolen der letzten Tage fortsetzen? Für Weibel kein Problem. «Ich mag es, wenn es widrige Bedingungen gibt», sagt er und lacht. Sein Lachen tönt optimistisch.