Skulpturenpark
Bruno Webers Witwe kritisiert Stiftung: «Das ist nicht der richtige Schritt»

Maria Anna, die Witwe von Bruno Weber nimmt Stellung zur Kritik an ihrer Person. Und sie erklärt, wieso eine Überführung ihrer privaten Besitzanteile in das Stiftungseigentum für sie bisher nie infrage kam.

Sophie Rüesch
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«Wir befinden uns an einem ganz heiklen Punkt», sagt Anna Maria Weber über die gegenwärtige Situation im Skulpturenpark. Dennoch ist sie zuversichtlich, dass das Werk ihres 2011 verstorbenen Mannes noch gerettet werden kann.

«Wir befinden uns an einem ganz heiklen Punkt», sagt Anna Maria Weber über die gegenwärtige Situation im Skulpturenpark. Dennoch ist sie zuversichtlich, dass das Werk ihres 2011 verstorbenen Mannes noch gerettet werden kann.

Sophie Rüesch

Frau Weber, Sie haben turbulente Wochen hinter sich. Der Skulpturenpark soll geschlossen werden, Vorwürfe wurden auch an Ihre Adresse gerichtet. Wie geht es Ihnen?

Maria Anna Weber: Ich kann mit der Situation besser umgehen als mit der Unsicherheit zuvor. Nun liegt ein klarer Entscheid der Stiftung vor — ein Entscheid, zu dem ich ebenso klar sagen kann: Das ist nicht der richtige Schritt. Das gibt mir Mut, mich für den Erhalt des Parks einzusetzen. Denn in ihm steckt auch Brunos Seele. Der Entscheid, den Park zu schliessen, ist aber auch deshalb nicht richtig, weil die Stiftung sich damit anmasste, auch hinsichtlich meiner eigenen Grundstücke zu entscheiden.

Den Ursprung vieler Probleme sehen ehemalige Stiftungsräte in Ihrer Person. Eine Zusammenarbeit mit Ihnen sei schwierig. Ist dem so?

Ich habe gewiss auch Fehler gemacht. Es war nach Brunos Tod schwierig, mit der neuen Situation umzugehen. Doch selbst wenn es nun heisst, ich sei eine schwierige Person: Letztlich geht es um die Sache. Um Brunos Werk, das auch meines ist. Ohne meine Mitarbeit, meine jahrzehntelange bedingungslose Unterstützung von Bruno und seinen Ideen wäre der Park gar nicht entstanden. Das mag überheblich tönen, aber es ist so.

Haben Sie nötige Restrukturierungen verhindert, wie Ihnen vorgeworfen wird?

Es stimmt, dass der Stiftungsrat und ich oft nicht gleicher Meinung waren. Doch ich hätte faktisch gar nichts verhindern können: Der Stiftungsrat bestand stets zur Mehrheit aus Nicht-Familienmitgliedern — selbst als meine Töchter Einsitz hatten — und konnte damit ohne unseren Einfluss alles beschliessen, was er für richtig erachtete.

Es werden Stimmen laut, dass Sie Ihren privaten Teil ins Stiftungseigentum übergehen lassen sollten. Wieso lehnen Sie das ab?

Der Park ist auch mein Kind. Und das kann und will ich nicht ohne vernünftige Absicherung in Hände geben, in welchen seine Zukunft ungewiss ist. Bereits unter dem Vorgängerstiftungsrat schwebte die Prophezeiung über uns, die Stiftung könne in ein paar Monaten Konkurs machen. Wie soll ich unter solchen Umständen einer Abtretung meines Besitzes zustimmen? Eine Stiftung bietet keinen genügenden Schutz: Sie kann insolvent und aufgelöst werden, und was dann mit dem Park geschieht, weiss man nicht. Das Gesamtwerk meines Mannes wäre als Stiftungseigentum nicht gesichert. Jedenfalls nicht ohne Garantie, dass die notwendigen Mittel zugeführt werden können, falls es diese bräuchte.

Was würde das für Sie bedeuten?

Der Park ist meine einzige Altersvorsorge. Wenn er in falsche Hände geraten würde, hätte ich nichts mehr. Im Park stecken nicht nur die Arbeit meines Lebens und mein elterliches Erbe — er beinhaltet das ganze Familienvermögen. Dazu hat Bruno mich als Erbin und Hüterin seines Werks vorgesehen. Er hat in seinem Testament bewusst mehr auf die Familie gesetzt als auf die Stiftung.

Können Sie sich eine Zusammenführung oder Neuregelung der Besitzverhältnisse unter keinen Umständen vorstellen?

Bestimmt nicht, solange in der Stiftung die öffentliche Hand nicht vertreten ist, die den Schutz des Werks garantieren könnte. Ich habe mich schon früher dafür starkgemacht, dass wir Regierungsvertreter für die Stiftungsmitgliedschaft gewinnen. Doch das war nie erwünscht.

Was ist denn eigentlich genau Ihres und was Stiftungseigentum?

2011 haben wir der Stiftung den Wassergarten verkauft — für ein Butterbrot. Der Rest ist in meinem Besitz und später einmal in dem meiner Töchter. Für diesen Teil bezahlt mir die Stiftung eine Nutzungsgebühr, eine Art Pachtzins.

Ihnen gehört also der grössere Teil des Gebiets, das heute den öffentlich zugänglichen Park ausmacht.

Ja, rund zwei Drittel befinden sich in meinem Besitz. Deswegen kann ich auch nicht nachvollziehen, wie die Stiftungsaufsicht auf die Idee kam, die Schliessung des Parks zu bestimmen, ohne mit mir vorgängig darüber zu sprechen.

Ein Grund für den Schliessungsentscheid waren Sicherheitsbedenken. Sie wehren sich vehement gegen die Gültigkeit von vorliegenden Gutachten, die dringenden Sanierungsbedarf ausweisen. Aus welchen Gründen trauen Sie diesen nicht?

Ich habe mich nie gegen Sicherheitsmassnahmen gewehrt. Es besteht Sanierungsbedarf, und es ist auch gut, dass die Sicherheit regelmässig überprüft wird. Das ist auch in meinem Interesse. Doch die Elemente, die noch nicht fertig sind, oder aus anderen Gründen nicht den Vorschriften entsprechen wie etwa die Schlange hinter dem Wohnhaus oder die Pyramide, sind den Besuchern gar nicht zugänglich. Und ausgerechnet die Flügelhunde, die unsicher sein sollten, wurden unter Begleitung eines professionellen Ingenieurs, der auf Tunnelsanierungen spezialisiert ist, errichtet.

Trotzdem stehen die Bedenken im Raum. Was bräuchte es, um diese aus der Welt zu schaffen?

Es braucht dringend ein unabhängiges Gutachten eines Bauverständigen, dessen Gültigkeit alle Beteiligten akzeptieren können.

Welche Schritte müssten Ihrer Meinung nach jetzt unternommen
werden?

Es muss mit allen Mitteln verhindert werden, dass der Park geschlossen wird. Sonst wäre ein Konkurs vielleicht nicht mehr abwendbar. Dafür muss schnellstmöglich ein neuer Stiftungsrat eingesetzt werden, idealerweise mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik sowie Sachverständigen wie einem Juristen, einem Architekten und einem Kunsthistoriker. Zudem braucht es ein künstlerisch hochstehendes, aber wirtschaftlich rentables Betriebskonzept. Und letztlich muss der Park in den Kulturgüterschutz aufgenommen werden. Nur so ist gewährleistet, dass er auch kommenden Generationen zur Verfügung steht.

Zurzeit laufen verschiedene Versuche, den Park zu retten. Auch die kommissarische Stiftungsrätin Brigitte Bitterli hat angekündigt, dass ihre Sanierungsbestrebungen weitergehen. Stimmt Sie das zuversichtlich?

Ja. Doch wir befinden uns an einem ganz heiklen Punkt. Wir müssen aufpassen, dass kein Teufelskreis entsteht: Wenn man erst Gönner suchen kann, wenn ein neuer Stiftungsrat bestellt ist, aber ein Stiftungsrat erst in der erwünschten Zusammensetzung zu bestellen ist, wenn genug Geld vorhanden ist, haben wir ein Problem. Wir müssen Menschen finden, die integer und kompetent sind und sich bereit erklären, die Sache zu unterstützen. Meine grosse Hoffnung ist, dass die Stiftungsaufsicht auch auf unsere Empfehlungen für die Bestellung eines neuen Stiftungsrats eingehen wird.

Haben Sie denn bereits Kandidaten?

Schon nach dem Rücktritt des Stiftungsrats im Februar hätten sich fähige Personen dazu bereit erklärt. Einer davon war übrigens einer der Stiftungsräte, die damals zurückgetreten sind. Er war mit dem Rücktritt in corpore nicht einverstanden und bot am nächsten Tag schon an, die Stiftung zu führen.

Glauben Sie daran, dass der Park noch gerettet werden kann?

Ja, davon bin ich überzeugt. Der Park liegt vielen Menschen am Herzen, das zeigen die Besucher, die in den vergangenen Wochen gekommen sind. Zudem hat das Werk eine internationale Anhängerschaft. Ich bin sicher, dass eine definitive Schliessung zu einem Aufschrei über die Landesgrenzen hinweg führen würde.

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