Dietikon
Bruno Webers Wassergarten nimmt Formen an

Wer in Bruno Webers Skulpturenpark Schritt setzt, findet sich unverzüglich in einem Zauberreich wieder. Die normale Welt des umtriebigen Limmattals, auf das man von hier aus beste Sicht hat, ist vergessen.

Sophie Rüesch
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Das neueste Projekt von Künstler Bruno Weber in Dietikon nimmt Formen an
13 Bilder
Der Fischkamin
Der grosse Saal
Der Flügelhund ist begehbar
Mystische Treppe
Pfauen-Mosaik
Mariann Weber, die Frau des Künstlers
Spinne und Flügelhund
Noch ist der Wassergarten im Bruno Weber Park nicht ganz fertiggestellt
Sie haben den Künstler inspiriert
Die goldene Ecke
Inspiriert von echten Pfauen im Park
Ein Seepferdchen streckt sich vor dem Flügelhund in die Höhe

Das neueste Projekt von Künstler Bruno Weber in Dietikon nimmt Formen an

AZ

Man stolpert über Fabelwesen, Mosaikskulpturen, Stühle mit Menschengesichtern und freilaufende Pfauen. Das jüngste Projekt des 80-jährigen Künstlers, der diesen Frühling den Kulturpreis der Stadt Dietikon erhalten hat, ist der Wassergarten. Über aufwändig verzierte Treppenstufen gelangt man zum kreisförmig angelegten Platz. Dort, umrahmt von riesigen «Flügelhunden» mit scheinbar endlos vielen Beinen, soll dereinst das Wasser fliessen und eine Bühne für Konzerte, Lesungen und Theater geschaffen werden.

Schon seit 25 Jahren geplant

In Webers Vision gibt es den Wassergarten schon seit fast 25 Jahren. «Damals hat er der Stadt Dietikon ein Konzept vorlegen müssen, das beschreibt, was er in seinem Skulpturenpark genau zu realisieren gedenkt», sagt seine Frau Mariann. Mit der Umsetzung konnte das kleine Team um Bruno Weber aber erst 2008 beginnen, als die Finanzierung gesichert war.

Die Suche nach Gönnern sei ein mühsames Unterfangen, gibt Mariann Weber unverhohlen zu, doch die Realisierung von Projekten sei davon nun einmal abhängig. Denn gerade in den Wasserpark sind bereits unzählige Stunden Arbeit investiert worden, und es werden noch viele mehr werden. «Es ist ein Riesenprojekt. Die künstlerische Gestaltung ist detailreich und extrem arbeitsintensiv», sagt Mariann Weber, die zusammen mit ihrem Mann die kreative Leitung für das Projekt führt. Doch Bruno Weber habe immer gesagt: «Auf die Zeit schauen wir nicht, sonst leidet die Qualität.»

So fand die Eröffnung auch nicht wie geplant diesen Frühling statt, sondern wurde bis auf weiteres verschoben. Vielleicht würden sie es bis November schaffen, den Wassergarten und den dazugehörigen Saal zu beenden, doch im Winter zu eröffnen «ist auch nicht ideal», sagt Mariann Weber. Eine grosse Eröffnung im nächsten Frühling sei da wünschenswerter. Und vielleicht auch realistischer.

Das Grundgerüst des Wassergartens steht zwar schon. Die Flügelhunde sind vollendet und inwendig bereits mit Wasserleitungen versehen, aus denen sich einstweilen ein Wasserfall in den grossen Teich ergiessen soll. Die Kleinskulpturen, die im und um den Teich stehen werden, sind gegossen; auch der grosse Saal ist in seinen Grundzügen gebaut. Doch noch immer stünde ihnen viel Arbeit bevor, gibt Mariann Weber zu bedenken. Noch müssen das Becken gelegt werden, die Wasseranlagen installiert und der Saal fertig verziert werden. Die Mosaike nehmen viel Zeit in Anspruch, selbst wenn dem Künstlerpaar unter die Arme gegriffen wird. Da Bruno Weber an Parkinson leidet, kann er selber nicht mehr Hand anlegen.

Im Moment beschäftigen die Webers deshalb vier Künstlerinnen, die seine Vision ausführen. Diese durften als kleines Dankeschön auch je einen Raum des «Pfauen-WCs» gestalten. Die Inspiration dafür lieferten die Pfaue, die das Künstlerpaar als Haustiere hält.

Webers Handschrift ist spürbar

Doch an guten Tagen schaue er gerne mal vorbei und tue seine Meinung zum Gemachten kund. Diese werde auch immer berücksichtigt. «Es ist mir wichtig, dass man Brunos Handschrift spürt, auch wenn er die Steine nicht selber gelegt hat», sagt seine Frau. Die meisten Entwürfe für das Grossprojekt stammen von ihm selbst, neue Ideen entwickelt Mariann Weber mit ihm zusammen. Durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit habe sie ein Verständnis für die Kunst ihres Mannes entwickelt; schon früher hat er sich mit ihr unterhalten, wenn er nicht weiter wusste. Dies gab ihr die Sicherheit, um die Hauptaufsicht über den Wassergartensaal zu übernehmen.

Trotzdem stosse sie dabei manchmal auf Schwierigkeiten: «Bruno hat eine strenge Formsprache. Er will der Form immer das Äusserste abringen. Das kann man nicht nachahmen», hält sie fest. Doch solange er den gesamten Prozess überwacht, ist Mariann Weber zuversichtlich, dass alles in seinem Sinne fertiggestellt werden kann.

Bis alle Pläne, die Weber für den Park hatte, realisiert sind, wird aber noch viel Zeit vergehen. In einer nächsten Etappe sollen drei riesige Raupen gebaut werden, die den Wassergarten überblicken. Doch da die Finanzen dafür noch fehlen, ist unklar, ob Bruno Weber die Vollendung seiner Vision noch erleben wird. Seine Frau meint dazu: «Jeder grosse Komponist hat eine unvollendete Symphonie geschrieben. Dann wäre das eben Brunos Unvollendete.»