Zarte 13 Jahre alt war Bruno Weber, als er 1944 den Künstler Max Gubler kennenlernte. Es war eine Begegnung, die sich für den jungen Dietiker aus einfachen Verhältnissen als wegweisend herausstellen sollte. Eine Ausstellung im Skulpturenpark stellt das malerische Werk Bruno Webers nun dem seines frühen Mentors gegenüber. Denn bevor sich der 2011 verstorbene Weber ausschliesslich auf seine berühmten Skulpturen konzentrierte, widmete er sich über 30 Jahre lang der Malerei.

Als Bruno Weber als 12-Jähriger ein Porträt des 33 Jahre älteren Gubler in der Kulturzeitschrift «Du» las, war es um ihn geschehen. Für ihn stand fest: Er will Künstler werden. Weber hatte Glück: Gubler, der als jüngster von drei Söhnen in einer Künstlerfamilie an der Zürcher Langstrasse aufwuchs, hatte sich nach Jahren im Ausland im Limmattal niedergelassen. Ein Verwandter Webers vermittelte darauf einen Besuch in Gublers Atelier in Unterengstringen, nahe beim Kloster Fahr, erinnert sich Webers Witwe Maria Anna Weber-Godon.

Mentor und Wegbereiter

Dem ersten Besuch folgten weitere; zwischen Weber und Gubler entwickelte sich eine Mentor-Lehrling-Beziehung. «Gubler hat Brunos Talent sofort erkannt und ihn darin bestärkt, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen», erzählt Hanspeter Paoli, der seit Anfang dieses Jahres die Bruno-Weber-Stiftung präsidiert und die Ausstellung mitkuratiert. Ein Weg, der sich für den Schlossersohn nicht einfach gestaltete.

Denn Vater Weber wollte nicht, dass sein Sohn den brotlosen Malerberuf ergreift. Doch für Bruno Weber war die Kunst Berufung. Und mit Max Gubler hatte er einen wichtigen Verbündeten auf seiner Seite.

Der bekannte Maler wurde bei Webers Familie vorstellig und vermochte seinen Vater davon zu überzeugen, dass Bruno in die Kunstgewerbeschule gehört. Im Gegenzug wurde vereinbart, dass er nach seinem Abschluss eine Lehre als Lithograf bei Orell Füssli absolvieren würde - auch dies mit der Schützenhilfe seines berühmten Advokaten.

«Ohne Gubler hätte Bruno die Kunstgewerbeschule nicht besuchen dürfen», ist sich Weber-Godon sicher. Doch obwohl Gublers Rolle als Wegbereiter für Webers Biografie entscheidend war, die Beziehung zwischen den Künstlern war nicht von langer Dauer.

Noch bevor Webers Karriere so richtig ins Rollen kam, neigte sich diejenige Gublers bereits dem Ende zu. Ende der 1950er-Jahre kam Gublers Schaffen nach schwerer Krankheit zum Erliegen. 1969 lässt sich der Maler, der mittlerweile mit Preisen und grossen Retrospektiven gefeiert wird, in die Klinik Burghölzli einliefern, wo er 1973 stirbt.

Werkraum prägte Schaffen

Auch künstlerisch verfolgten Weber und Gubler verschiedene Pfade. «Bruno suchte eigene Wege in der Malerei», sagt Weber-Godon. Sie erinnert sich, wie er einmal sagte: «Einige bleiben ihr Leben lang Gubler-Schüler. Ich gehöre nicht dazu.»

Parallelen im Schaffen der zwei Künstler gibt es dennoch, wie die Bilder aus der Zeit ihrer Begegnung nun zeigen. Beide Maler wurden stark von ihrem Werkraum geprägt. In vielen Gemälden kommt ihre Liebe zur Limmattaler Landschaft genauso zum Ausdruck wie ihre Sorge um sie.

Das Stadtkind Gubler liess sich hier von der unberührten Natur inspirieren; seine Landschaftsbilder aus dem Limmattal gehören zu seinen berühmtesten. Weber hingegen thematisierte in seinem Werk auch das unaufhaltsame Wachstum der Region. Der zunehmenden Verstädterung setzte er seine fantastische Vision entgegen, die schon in den frühen Gemälden ihren Ursprung nahm.