Ansturm: Seit die kommissarische Stiftungsrätin Brigitte Bitterli am 22. August die Schliessung des Bruno-Weber-Parks auf den 20. Oktober verkündete, strömen die Leute in Scharen in den Park auf der Grenze zwischen Dietikon und Spreitenbach. Im September wollten über 7000 Besucher das Ausflugsziel noch einmal sehen, bevor es dafür zu spät sein könnte; allein am Bruno-Weber-Park- Sonntag waren es 1400. Vor der Schliessungsverkündung lag der Rekord bei 350 Besuchern.

Beton: Obwohl Bruno Weber seine Künstlerkarriere als Maler und Grafiker begann, ist er heute am besten für seine Betonskulpturen bekannt, die auch die Hauptattraktionen des Parks ausmachen. 1966 entdeckte er das Material, das sein künftiges Schaffen dominieren sollte. Nur der Beton erlaubte es Weber, seine imposanten Visionen zu verwirklichen. Zudem steht die Materialwahl in engem Zusammenhang mit der regen Bautätigkeit im Limmattal, zu der Weber im Weinrebenpark einen Gegenpunkt bilden wollte — mit demselben Stoff, aus dem im Tal die zahlreichen Wohnblöcke gefertigt wurden.

Credo: «Man muss hinter den Wolken die Sonne sehen», geruhte Bruno Weber zu sagen, wenn seinem Schaffen Steine in den Weg gelegt wurden. In der bewegten Geschichte des Skulpturenparks hat ihm dieser besonnene Blick auf die Welt oft geholfen. Und bisher kam noch nach jeder Wolkenfront tatsächlich wieder die Sonne zum Vorschein.

Drachentor: Zwei Drachenfiguren — ein männliches und ein weibliches Exemplar — markieren den Eingang in den Zauberwald gegenüber dem Wohnhaus. Sie behandeln ein Motiv, das sich durch Webers gesamtes Werk zieht: das Gleichgewicht zwischen Mann und Frau. Das Drachentor im Skulpturenpark ist der Prototyp des Drachentors, mit dem Bruno Weber 1992 an der Weltausstellung in Sevilla die Schweiz vertrat.

Eigentum: Für Diskussionen sorgten seit Webers Tod im Oktober 2011 immer wieder die Eigentums- und Nutzungsverhältnisse, die letztlich auch zur Demission des Stiftungsrats im Februar dieses Jahres führten. Nur der 2012 fertiggestellte Wassergarten gehört der Stiftung, der Rest des rund zwei Hektaren grossen Parks der Familie Weber. Die kommissarische Stiftungsrätin wie auch abgetretene Stiftungsräte haben die Meinung geäussert, dass der Park nur einen Eigentümer haben sollte. Für Maria Anna Weber kommt eine Aufgabe ihres Privatbesitzes, der rund zwei Drittel der Fläche ausmacht, aber nicht infrage.

Fantasie: Ihr sind im Skulpturenpark keine Grenzen gesetzt. Da verschmelzen Mensch, Tier und Pflanze zu sonderbaren Fabelwesen in allen Farben und Formen.

Gaudí: Zwischen den Werken der beiden Künstler bestehen unübersehbare Parallelen. Die ersten Steine im Skulpturenpark waren jedoch bereits gelegt, als Weber Antoni Gaudís Park Güell in Barcelona zum ersten Mal sah. Maria Anna Weber erinnert sich noch an die Taxifahrt in der katalanischen Hauptstadt in den 1970er-Jahren, bei der das junge Paar zur stillen Genugtuung nur über Irrwege zum rund zehnmal so grossen Park wie dem ihren fand. Der Fahrer hatte noch nie von der mittlerweile Unesco-geschützten Sehenswürdigkeit gehört. Dass damals sogar das Meisterwerk des grossen Seelenverwandten noch nicht ins Bewusstsein der Taxifahrer vorgedrungen war, zeigte dem bis dahin noch relativ unbekannten Weber, wie relativ Berühmtheit ist.

Haustiere: Im Weber’schen Universum ist alles ein bisschen anders — so auch die Haustiere. Das Pfauenpaar Josef und Mara ist aus dem Park nicht mehr wegzudenken und unter anderem im Pfauen-WC im Wassergartensaal prominent verewigt. Im Park tummeln sich unzählige steingewordene frühere Haustiere, so etwa die Pekinesen vor dem Drachentor.

Investitionsbedarf: Die über Jahrzehnte Wind und Wetter ausgesetzten Skulpturen im Park müssen saniert werden. Insgesamt hat sich laut Bitterli mittlerweile ein Investitionsbedarf von 2 bis 2,5 Millionen Franken angestaut; mindestens 250 000 Franken wären sofort nötig, weitere 200 000 jährlich braucht es für den Betrieb.

Jimmy Kryeziu: Der langjährige Mitarbeiter hat unzählige Mosaiksteine gelegt. Wenn bis am 31. Oktober nicht noch ein Wunder geschieht, verliert er wie auch die übrigen Mitarbeiter mit der Schliessung seine Stelle.

Komitee: Für die Rettung des Bruno-Weber-Parks setzt sich seit kurzem auch ein eigens dafür gegründetes Komitee ein, dem der Spreitenbacher SP-Grossrat Martin Christen vorsteht. Er konnte für die Sache prominente Mitstreiter wie Franz Hohler, Dimitri oder Cédric Wermuth gewinnen.

Lärm: In einem Punkt sind sich alle Beteiligten einig: Um den Park nachhaltig zu sichern, braucht es nicht nur grosszügige Gönner, sondern auch ein Betriebskonzept, das mehr Geld generiert. Ein vielfach genannter Lösungsvorschlag: Mehr Veranstaltungen im Park durchführen. Viel Spielraum gibt es hier jedoch nicht: Immer wieder mal gingen in der Vergangenheit Lärmklagen ein, wenn abends ein Fest stattfand. Zwar befindet sich der Park auf einer Spezialzone, umgeben ist er jedoch von Wohnzonen. Und da gilt: Ab 22 Uhr muss Ruhe herrschen.

Maria Anna Weber: Die Künstlerwitwe, die seit 1969 im Wohnhaus im Skulpturenpark lebt, war massgeblich beteiligt am Aufbau des Werks ihres Mannes. «Der Park ist auch mein Kind», sagte sie kürzlich gegenüber der Limmattaler Zeitung.

Negative: Das «Denken im Negativ» war für Bruno Webers Schaffen unabdingbar: Für jede seiner monumentalen Skulpturen musste erst eine Negativform hergestellt werden, in die der flüssige Beton gegossen werden konnte. Seine frühen Erfahrungen mit Lithografie haben ihm diese Denkweise erleichtert, wie Druckerei-Unternehmer Willy Haderer einst bemerkte.

Ornamente: Abertausende von Mosaiksteinen zieren die Skulpturen von Bruno Weber. Im farbenfrohen Daherkommen der Kunstwerke ist ein Grundpfeiler Webers Schaffen erkennbar: Das Pochen auf das Recht, sich mit Schönem zu umgeben. «Er sagte immer: Jeder Mensch ist ein Königskind», erinnert sich Witwe Maria Anna.

Petition: Das Komitee für die Rettung des Bruno-Weber-Parks gelangte am 3. Oktober mit einer Petition mit rund 11 000 Unterschriften an die Aargauer Staatskanzlei, um bei den Behörden Druck zu machen. Quittungen davon gingen auch an den Bundesrat, den Zürcher Regierungsrat sowie die Gemeindebehörden von Spreitenbach und Dietikon. Seither wird munter weitergesammelt: Mittlerweile kamen schon über 14 000 Unterschriften zusammen.

Quellgöttin: Auf der landeigenen Quelle gegenüber dem Wohnhaus baute Weber in den frühen 1970er-Jahren einen Brunnen, über den die Quellgöttin wacht. Sie gehört zu den ersten Betonskulpturen, die Weber fertigte. Er nannte sie «seine indische Figur».

Raupen: Während um das Überleben des Parks gezittert wird, geht gern vergessen, dass dieser eigentlich noch gar nicht fertiggebaut ist. Das grösste Projekt, das bisher erst auf Papier existiert, sind dabei die drei überdimensionierten Raupen, die auf dem Wassergartensaal dereinst Besucher in ihrem Inneren empfangen sollen. Vor einigen Jahren erstellte die ETH eine Machbarkeitsstudie; seither ist es still um das Projekt geworden.

Spezialzone: Nach jahrelangem Behördenstreit wegen unbewilligter Bauten wurde der Skulpturenpark in eine schweizweit einzigartige Spezialzone für künstlerisches Schaffen umfunktioniert. 2003 stimmte die Spreitenbacher Gemeindeversammlung dem Vorhaben zu, 2005 genehmigte der Kanton Aargau die Umzonung. Der Autor Peter K. Wernli nennt diese Wendung eine «erfreulich unschweizerische Legalisierung all dessen, was da während eines Jahrzehnts aus Beton um das Gebäude herumgewachsen ist».

Turm: Das Weber’sche Wohnhaus wuchs über Jahrzehnte zu dem imposanten Schloss heran, das es heute ist. Sein wohl markantestes Element ist der schon von weitem erkennbare Wohnturm, der hoch über Dietikon thront. In seinem Innern befindet sich der Sternensaal, von dem aus man eine atemberaubende Aussicht auf das ganze Limmattal hat.

Uto Kulm: Ein breites Publikum erreichen Bruno Webers Skulpturen nicht nur im eigenen Park, sondern auch auf dem Üetliberg. Dort säumen seine Hirsche den Pfad von der SZU-Endstation zum Aussichtspunkt und leuchten den Sonntagsspaziergängern den Weg. Auch die überdimensionierte Spinne, die heute im Wassergarten sitzt, war lange auf dem Üetliberg anzutreffen.

Vorschriften: Von langwierigen Bewilligungsverfahren liess sich Bruno Weber noch nie von seiner Arbeit abhalten. Das führte in den 1970er-Jahren zur ersten Krise im Weinrebenpark: Weil Weber nicht für all seine Bauten eine Bewilligung eingeholt hatte, erliess die Standortgemeinde Spreitenbach eine Abbruchverfügung. Es folgte ein Baustopp, den Weber zwar einhielt, aber im Herzen kaum ertrug. Ein Abbruch fand dank des jahrzehntelangen Einsatzes seines Anwalts sowie viel Goodwill der Gemeinde nie statt.

Werkzeugschuppen: Auf gerade mal knapp zwei auf drei Metern begann Bruno Webers Karriere. Auf dem Land des heutigen Skulpturenparks funktionierte der junge Künstler den winzigen Schuppen, der den benachbarten Bauern als Werkzeuglager diente, ab 1952 in ein Atelier um. Die Grundfesten sind heute noch gegenüber dem Weber’schen Wohnhaus erkennbar.

X-fache Ausführung: Viele der Bruno-Weber-Skulpturen gibt es in mehrfacher Ausführung. So ist etwa die gigantische Eule, die vor dem Wassergarten steht, auch auf dem Campus der Technischen Universität in Wien anzutreffen; «Vinci», der frühere Rennhund der Webers, säumt nicht nur die Beete im Park, sondern ziert auch den Bahnhof Stadelhofen. Vereinfacht wird die Vervielfachung durch die Betongiesstechnik: Ist eine Negativform mal erstellt, lässt sich relativ einfach ein Duplikat der Skulptur herstellen.

Youtube, Twitter und Co.: Seit der Schliessungsverkündung wird jedes Register gezogen, um auf die missliche Lage des Parks aufmerksam zu machen. Besonders die Online-Präsenz wurde in den vergangenen Wochen und Tagen massiv aufgemotzt. So berichtet der «Parkpfeiffer» auf Twitter täglich vom aktuellen Stand der Dinge, auf Youtube findet man genauso amüsante wie rührende Rettungsaufrufe.

Zauberer: Unvergessen bleibt die Anekdote, wonach der ehemalige Spreitenbacher Gemeindeammann Joseph Bütler als kleiner Junge einen Blick des arbeitenden Künstlers in seinen eigenwilligen Gewändern mit dem unverkennbaren weissen Bart erhaschte. Die Erscheinung muss ihm solchen Eindruck gemacht haben, dass er ins Tal rannte, um seinem Vater atemlos zu berichten: «Ich habe den Zauberer gesehen!»