Dietikon/Spreitenbach

Bruno-Weber-Park: Die Empörung über die Schliessung ist gross

Im Oktober muss der Skulpturenpark geschlossen werden, wie es weitergeht, bleibt unklar. abu

Im Oktober muss der Skulpturenpark geschlossen werden, wie es weitergeht, bleibt unklar. abu

Die Nachricht, dass die Aargauer Stiftungsaufsicht den Park im Oktober schliesst, schlug am Freitagnachmittag ein wie eine Bombe. Grossrat Martin Christen versucht alles, um den Bruno-Weber-Park zu retten.

«Als wären die Menschen auf einem Pilgerweg» — so beschrieb eine Besucherin des Bruno-Weber-Parks in einer SMS an Künstlerwitwe Maria Anna Weber den Besucherstrom, der ihr am Sonntag auf dem Heimweg vom Skulpturenpark ob Dietikon entgegenkam. Sie war nur eine von vielen, die den Park noch einmal besuchen wollten, bevor er am 20. Oktober schliessen muss: 800 Besucher sind laut Weber nur diesen Sonntag verzeichnet worden; der bisherige Besucherrekord lag bei 350 Personen.

Die Nachricht, dass die Aargauer Stiftungsaufsicht den Park im Oktober schliesst, schlug am Freitagnachmittag ein wie eine Bombe. Sie markiert das vorläufige Ende einer kulturellen Institution, deren organisatorische und finanzielle Probleme immer offensichtlicher wurden. Doch der Aufschrei liess nicht lange auf sich warten: Die Empörung über diesen drastischen Schritt schlug sich in den Kommentarspalten genauso nieder wie in zahlreichen persönlichen Rückmeldungen an die Adresse von Maria Anna Weber. Der Tenor: Es könne doch nicht sein, dass das Juwel am Dietiker Waldrand einfach seinem Schicksal überlassen werde.

Diese Empörung wird nun auch politisch verwertet: Den Spreitenbacher SP-Grossrat Martin Christen hat der Rekordtag im Skulpturenpark zum Unterschriftensammeln animiert. Für die «Petition zur Rettung des Bruno Weber Parks» seien bereits mehrere Hundert Signaturen eingegangen, erklärt Christen, bis Mitte September soll sie eingereicht sein. Die Petition habe zwar eher ideellen als konkreten politischen Nutzen. «Wir wollen damit die Gemeinden Dietikon und Spreitenbach, die Kantone Aargau und Zürich sowie den Bund darauf aufmerksam machen, dass sie alle in der Pflicht stehen, dieses Kunstwerk von internationaler Bedeutung für die Öffentlichkeit zu erhalten.»

Zudem will Christen ein Komitee zur Rettung des Skulpturenparks gründen. Heute biete sich eine gute Gelegenheit, nach weiteren Mitgliedern Ausschau zu halten: Im Grossen Rat wird heute nämlich seine Interpellation, mit der er den Kanton bereits im März um finanzielle Hilfe für den Park ersuchte, behandelt. Der Aargauer Regierungsrat hatte dieses Gesuch bereits im Juni abgelehnt — sowie den künstlerischen Wert von Webers Werk teils infrage gestellt. Mit einer neuen Interpellation, die er heute einreichen will, verlangt Christen vom Regierungsrat weitere Antworten in der Causa Skulpturenpark.

Hoffnung auf weitere Gönner

Derweil hat sich Maria Anna Weber vom ersten Schock erholt und übt sich in Gelassenheit. Sie zitiert ihren im Jahr 2011 verstorbenen Ehemann: «Man muss hinter der Wolke die Sonne sehen.» Sie hoffe nun, dass der Schliessungsentscheid auch Gutes bewirkt: «Vielleicht können wir so Gönner mobilisieren, die den Ernst der Lage zuvor noch nicht realisiert hatten», sagt sie. Sie suche zurzeit zusammen mit Bekannten nach Lösungen, wie «bis zum 20. Oktober mindestens die 200 000 Franken, die für den laufenden Betrieb nötig sind, gedeckt werden können, damit keine Mitarbeiter entlassen werden müssen». Den Angestellten wurde auf den 20. November gekündet.

Die von der Aargauer Stiftungsaufsicht als kommissarische Stiftungsrätin eingesetzte Anwältin Brigitte Bitterli stellt jedoch klar, dass es damit alleine nicht getan wäre: «Um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten und weitere Schäden an den Skulpturen zu vermeiden, wären Sofortinvestitionen von mindestens 250 000 Franken nötig.» Das sei nur der dringendste Bedarf: Insgesamt besteht ein Investitionsbedarf von mindestens 1,5 bis 2,3 Millionen Franken.

Laut Bitterli, die nach der Demission des gesamten Stiftungsrats im März übernahm, war der Schliessungsentscheid unumgänglich. «Der laufende Betrieb reisst jedes Jahr grössere Löcher ins Stiftungsbudget», sagte sie gestern auf Anfrage. Dazu ist unumstritten, dass die in die Jahre gekommenen Betonskulpturen dringend saniert werden müssen. So kam sie zum Schluss: «Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende.»

Sie betont jedoch, mit der Schliessung «vorerst eine mildere Massnahme gewählt» zu haben: «Es wurde ja nicht die Bilanz deponiert, die Sanierungsbemühungen gehen weiter.» Wie es ab Oktober weitergeht, kann sie trotzdem nicht beurteilen, «das hängt von verschiedenen Faktoren ab». Klar sei nur eines: «So wie zuvor kann es im Bruno-Weber-Park nicht weitergehen.»

Die Probleme, die zur Handlungsunfähigkeit der Stiftung und nun zur Verkündung der Schliessung des Parks geführt haben, liegen tief. Viele sind offensichtlich auf die Eigentums- und Nutzungsverhältnisse zwischen Stiftung und Künstlerfamilie zurückzuführen, die laut Bitterli «zwar legal, aber nicht sinnvoll geregelt» sind. Ein Teil des Parks gehört der Stiftung, ein Teil der Familie; und diese beiden Parteien scheinen sich in grundlegenden Fragen zur weiteren Entwicklung oftmals nicht einig gewesen zu sein.

Stiftung würde haften

Nun stellt sich auch die Frage, wie praktikabel eine komplette Schliessung dieses Freilichtmuseums tatsächlich ist. Maria Anna Weber, die im Park wohnt, sagte bereits am Freitag: «Die erste Frage, die ich mir stellte, war: ‹Müssen wir Besucher, die trotz Schliessung vor den Toren erscheinen, nun einfach wieder nach Hause schicken?›»

Die Antwort der kommissarischen Stiftungsrätin lautet: Ja. Denn würde die Stiftung den Park nicht schliessen, würde sie nicht nur Gefahr laufen, Personal- und sonstige Kosten nicht mehr bezahlen zu können, sondern könnte auch in eventuellen Haftungsfragen zur Rechenschaft gezogen werden, erklärt Bitterli. Zudem gehört der Teil des Parks, der heute für Besucher zugänglich ist, zum grössten Teil der Stiftung. «Die Stiftungsaufsicht verfügt also ganz klar über die Kompetenz, den Park zu schliessen», so Bitterli.

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