Dietikon
Bruno-Weber-Park beschäftigt erneut die Aufsichtsbehörde

Der Verein «Freunde Bruno Weber Park» reichte eine Beschwerde gegen die Stiftung ein.

Sophie Rüesch
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Es will keine Ruhe einkehren im Skulpturenpark oberhalb von Dietikon.

Es will keine Ruhe einkehren im Skulpturenpark oberhalb von Dietikon.

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Die Gräben im Bruno-Weber-Park vertiefen sich. Vor kurzem wurde bekannt, dass der Verein «Freunde Bruno Weber Park» und Maria Anna Weber, die Witwe des 2011 verstorbenen Dietiker Künstlers Bruno Weber, bei der Standortgemeinde Spreitenbach Einsprache gegen ein von der Bruno-Weber-Stiftung eingereichtes Baugesuch erhoben hatten. Sie wollen damit ein Provisorium verhindern, das der Stiftungsrat auf dem Dach des Wassergartensaals plant.

Doch das ist nicht alles. Bereits im Sommer reichte der Verein bei der Aargauer Stiftungsaufsicht eine Beschwerde ein, wie er der Limmattaler Zeitung nun erklärt. Der Hauptkritik-Punkt: unprofessionelle Strukturen. Der dreiköpfige Stiftungsrat werde vom Ehepaar Isabelle Cart (Präsidentin) und Eric Maier dominiert, welches das «vertraglich zugesicherte Vetorecht» von Maria Anna Weber nicht respektiere und zudem nicht ehrenamtlich tätig sei, «wie das bei einer gemeinnützigen Stiftung der Fall sein sollte».

Ein Bild aus besseren Zeiten: die damals neuen Stiftungsräte Eric Maier und Isabelle Cart mit Maria Anna Weber (Mitte) im Januar 2015.

Ein Bild aus besseren Zeiten: die damals neuen Stiftungsräte Eric Maier und Isabelle Cart mit Maria Anna Weber (Mitte) im Januar 2015.

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Kritik an Doppelrolle

Weiter kritisiert der Verein denn auch die fehlende Trennung zwischen operativer und strategischer Ebene – der Stiftungsrat verantwortet sowohl den Betrieb wie auch das langfristige Sanierungs- und Erweiterungskonzept des Parks. Auch daran übt der Verein Kritik: Der Stiftungsrat setze den Fokus nicht auf den dringend nötigen Erhalt, sondern auf «den überdimensionierten Weiterausbau» des Parks.

Die Stiftung habe zudem der Alleinerbin Maria Anna Weber den Zugang zum gesamten bildnerischen Werk Bruno Webers verwehrt; dieses diene nun «zur Kapitalisierung der Stiftung», so der Vorwurf. Die Stiftung, der rund ein Drittel des Parks gehört, habe der Witwe zudem die Einsicht in die Jahresrechnungen verweigert.

Das passierte bisher

Im Oktober 2011 verstarb der Dietiker Künstler Bruno Weber. Der 1990 gegründeten Stiftung mit dem Zweck des Erhalts und der Weiterentwicklung des Skulpturenparks zwischen Spreitenbach und Dietikon fiel damit grössere Bedeutung zu. Nachdem der Park über längere Zeit mit finanziellen und das Gremium immer wieder mal mit personellen Problemen zu kämpfen hatte, erfolgte 2014 der grosse Knall.

Der damalige Stiftungsrat trat im Februar geschlossen zurück. Dies rief die Aargauer Stiftungsaufsicht auf den Plan, die den Park darauf unter Zwangsaufsicht stellte; angesichts der dadurch zutage getretenen, massiven finanziellen und strukturellen Problemen drohte der Konkurs. Im November desselben Jahres konnte die von der Aufsicht eingesetzte Juristin Brigitte Bitterli aber einen neuen, dreiköpfigen Stiftungsrat um Kunsthistorikerin Isabelle Cart verkünden, mit dem sich Webers Witwe Maria Anna Weber allem Anschein nach blendend verstand.

In der Besetzung dieses Gremiums gab es seither mehrere Wechsel: Bereits zwei Monate nach der Verkündung wurden Roland Kuhn und Barbara Wiegand durch Carts Ehemann Eric Maier und Lukas Strittmatter ersetzt, letzterer nach einem Jahr durch Michele Imobersteg. Im April 2015 stellte der Stiftungsrat sein Sanierungs- und Erweiterungskonzept «3-7-21» vor, in dem er seine kurz-, mittel- und langfristigen Pläne mit dem Park festhält. (rue)

Zankapfel Verkauf

Die Beschwerde bei der Stiftungsaufsicht habe der Verein nicht gerne eingereicht, beteuern Präsidentin Sabine Billeter und Vorstandsmitglied Martin Christen. Doch für sie sei das zulässige Mass an negativen Vorkommnissen überschritten.

Diese drehen sich zu einem grossen Teil um Witwe Maria Anna Weber, der zwei Drittel des Parks gehören: Deren Rechte würden vom Stiftungsrat «systematisch ignoriert», ja, es finde ein regelrechtes Mobbing gegen sie statt. Zudem werde sie öffentlich ins falsche Licht gerückt. «Uns ist es wichtig, zu betonen, dass der einmalige Skulpturenpark ohne Maria Anna Webers unermüdlichen Einsatz nie zu dem Gesamtkunstwerk von internationaler Bedeutung geworden wäre, das er heute ist. Das gilt es zu respektieren», sagt Christen.

Bruno Weber Park, Dietikon
6 Bilder
Der Park feierte im April 2015 seine Wiedereröffnung.
«Wassergarten mit Doppel-Flughund» (1996-99).
«Wassergarten und Haus der Wandlung» (2008 - 2012)
«Drachentor» (1983), im Vordergrund erste Aussenskulptur: «Quellgöttin» (1970).
«Weinrebenpark»: Modell der heute «Bruno Weber Park» genannten Anlage (1991).

Bruno Weber Park, Dietikon

So gehe es auch nicht an, dass der Stiftungsrat «stets behauptet», dass ihm Weber ihre zwei Drittel des Parks verkaufen werde. Die Stiftung verfügt lediglich über ein Vorkaufsrecht; doch Maria Anna Weber will nicht verkaufen. Ihr schwebt nebst einer Unterschutzstellung des Hauses vielmehr eine Lösung mittels Baurechtsvertrag vor, in dem notariell festgehalten würde, dass ein Teil ihres privaten Eigentums an die Kantone Aargau und Zürich übergeht. Nur so könne das Werk ihres verstorbenen Mannes auch in der weiteren Zukunft geschützt werden, ist Weber überzeugt.

Ein erklärtes Ziel von Weber wie auch des Vereins ist es zudem, die Bruno-Weber-Stiftung Zewo-zertifizieren zu lassen. Dies würde sowohl eine Vergrösserung des Führungsgremiums sowie eine Trennung zwischen operativer und strategischer Ebene bedingen.

Der Stiftungsrat war gestern für eine Stellungnahme noch nicht bereit. Er wird dies in den nächsten Tagen nachholen.

Entscheid dürfte schon bald fallen

Auch die Aargauer Stiftungsaufsicht kann zum Fall noch nicht viel sagen, da der Schriftenwechsel, aufgrund dem sie Stellung nehmen und gegebenenfalls Massnahmen ergreifen würde, noch nicht abgeschlossen ist.

Klar ist aber, dass die Stiftungsaufsicht gar nicht die Kompetenzen hätte, die Hauptforderung des Vereins, die Zewo-Zertifizierung, durchzusetzen. «Wir können keiner Stiftung vorschreiben, sich zertifizieren zu lassen – das kann sie nur selber und freiwillig entscheiden», sagt Martin Mayer, Geschäftsführer der BVG- und Stiftungsaufsicht Aargau (BVSA). Ohnehin würde auch eine solche Zertifizierung keine abschliessenden Garantien bieten. «Eine Zewo-Zertifizierung ist nicht Gesetz – es gibt keine legale Verpflichtung, ihren Bestimmungen nachzukommen.» Sie sei vielmehr als Gütesiegel zu verstehen, das Spendern als Entscheidungshilfe dienen würde.

Sollte die Stiftungsaufsicht allerdings zum Schluss kommen, dass im Skulpturenpark etwas geschehen muss, könnte sie andere Massnahmen zu ergreifen – wie sie es zum Beispiel schon 2014 tat, als sie den Park unter Zwangsaufsicht stellte. Zurzeit sei aber noch völlig unklar, ob man Massnahmen ergreifen werde, und wenn ja, welche, so BSVA-Geschäftsführer Mayer. Wenn kein weiterer Schriftenwechsel als der noch ausstehende notwendig wird, kann die Aufsicht voraussichtlich im Februar einen Entscheid fällen.