Dietikon
«Bruno Weber hat eine Harmonie-Welt geschaffen»

Der bekannte Künstler Bruno Weber starb am Montag im Alter von 80 Jahren. Der Zürcher Kunsthistoriker Fritz Billeter und erinnert sich an seinen Freund. «Es gibt viele berühmte Art-Brut-Künstler, doch Bruno Weber war absolut einmalig.»

Bettina Hamilton-IRvine
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Fritz Billeter.

Fritz Billeter.

Limmattaler Zeitung

Wenn Fritz Billeter, Zürcher Kunsthistoriker, über seinen Freund, den am Montag verstorbenen Dietiker Künstler Bruno Weber, spricht, kann er nicht anders, als sich Superlativen zu bedienen. Er habe «eine fantastische Kunst» geschaffen, «bei der sich alles kreuzt», sagt Billeter über Weber, mit dem er mehr als 30 Jahre lang befreundet war und dessen Werk er besser kennt als viele andere.

Das farbige Schaffen des verstorbenen Künstlers Bruno Weber
19 Bilder
Bruno Weber in seinem Skulpturenpark oberhalb von Dietikon im April 2005. sul
Bruno Weber an seinem 76. Geburtstag im Baumhaus im Skulpturenpark
Bruno Weber mit dem Bild Der Pan im Jahr 2006
Bruno Weber und Christine Egerszegi an der Grundsteinlegung zum Wasserpark im Jahr 2007
Bruno Weber und seine Frau Mariann Weber-Godon am Fest zum 40-Jahr-Jubiläum des Weinrebenparks im Jahr 2003
Bruno Weber posiert in seinem Skulpturenpark in Spreitenbach (Archiv)
Bruno Weber kurz vor seinem 80. Geburtstag beim Teich neben seinem Wohnhaus im Skulpturenpark. Alessandro Della Bella/Key
Bruno Weber am Eingang zum Wassergarten im August 2010
Bruno Weber in seinem Skulpturenpark inmitten des unvollendeten Projekts «Wassergarten» im Jahr 2005
Bruno Weber mit Familie bei der Verleihung des Dietiker Kulturpreises im Stadthaus im April 2011. Gleichzeitig konnte der Künstler seinen 80. Geburtstag feiern. fuo
Bruno Webers Skulpturenpark im Limmattal ist eine Welt von fantastischen Figuren: Gross und bunt, eingebettet in die Natur.
«Der Drache» im Jahr 2001
Bruno Webers Skulpturenpark
Bruno Webers Tochter Mireille Flütsch arbeitet an einem Kakadu
Ein Mosaik-Pfau im Skulpturenpark
Grossandrang bei der Grundsteinlegung zum Wasserpark 2007
In Bruno Webers Skulpturenpark warten die wildesten Kreationen auf die Besucher
Blick vom Sockelgeschoss hinaus in den zukünftigen Wassergarten im Skulpturenpark von Bruno Weber im Winter 2008

Das farbige Schaffen des verstorbenen Künstlers Bruno Weber

Archiv

«Eine Never-Ending-Story»

Webers Arbeit werde weiterleben, indem sein Werk über seinen Tod hinaus noch vervollständigt werde, so Billeter: «Er hat in einem Plan alles genau festgelegt. Seine Kunst ist eine Never-Ending-Story.» Angefangen habe alles mit Webers Haus oberhalb Dietikon an der Grenze zu Spreitenbach, in dem er mit seiner Frau und zwei Kindern lebte. Dort habe er sich ein «wunderbares» Esszimmer geschaffen, mit einem Fisch-Cheminée und Fabelwesen, eigentlichen Mischfiguren. Danach sei der verwunschene Teich neben dem Haus entstanden. «Von dort aus hat alles immer weitere Kreise gezogen», erzählt Billeter.

Das Besondere an Weber sei gewesen, dass man seiner Kunst keinen bestimmten Stil habe zuordnen können, so der Kunsthistoriker. So viel Verschiedenes sei in seine Werke eingeflossen: von Drachen, die an das alte China erinnerten, bis zu mexikanischen Einflüssen. Er habe jedoch nichts einfach übernommen, betont Billeter: «Alles wurde verwandelt und verarbeitet zu einem Bruno Weber.» Einzigartig sei auch, dass sich in seiner Arbeit vier Welten vermischten: die Pflanzenwelt, die Tierwelt, Menschen und Geräte. Manchmal sei ein Fabelwesen gleichzeitig auch ein Tisch oder Stuhl gewesen.

Zuerst war es ungesetzlich

Billeter erinnert sich auch an die Anfänge von Webers Arbeit an seinem Skulpturenpark: «Damals war es noch ungesetzlich, was er tat.» Dass Weber Skulpturen in den Wald gestellt habe, sei gar nicht erlaubt gewesen. Viele Leute, darunter Heiny Widmer, Konservator des Aargauer Kunsthauses, hätten sich sehr für ihn eingesetzt.

Hans Bohnenblust, Dietiker alt Stadtpräsident «Er war ein so skurriler wie interessanter Typ. Seine Kunst machte Dietikon und das Limmattal bekannt.»
6 Bilder
Otto Müller, Dietiker Stadtpräsident «Bruno Webers Tod ist ein grosser Verlust sowohl für die Stadt Dietikon als auch für die Kunstwelt»
Stefan Baier, Dietiker Theaterschaffender «Sein Eulenspiegel-Humor wird immer wieder in staunenden Kinderaugen aufblitzen, die seine Gegenwelten spiegeln.»
René Gubelmann, Künstler und Musiker «Bruno Webers Werk, der Skulpturenpark, ist Zeuge seiner aussergewöhnlichen Ideen und Kreativität»
Irene Brioschi, Verein Kellertheater Dietikon «Mit seiner farbigen Welt hat er das Dietiker Kulturleben auf eine wervolle Art und Weise sehr bereichert.»
Christine Egerszegi, Aargauer Ständerätin «Er hat eine Welt geschaffen, die Fantasie greifbar macht und beweist, dass Grenzen überwunden werden können.»

Hans Bohnenblust, Dietiker alt Stadtpräsident «Er war ein so skurriler wie interessanter Typ. Seine Kunst machte Dietikon und das Limmattal bekannt.»

Limmattaler Zeitung

Erst viel später, im Jahr 2005, sei eine nachträgliche definitive Umzonung erfolgt. Dass Bruno Webers Werk in Dietikon nicht von Anfang an auf breite Unterstützung gestossen sei, habe man auch daran gesehen, dass ein Projekt für die neue Gestaltung des Dietiker Kirchplatzes mit einem seiner Brunnen 1989 von den Stimmberechtigten an der Urne abgelehnt worden sei.

«Eine grosse Harmonie-Welt geschaffen»

Dass Dietikon und Bruno Weber miteinander Frieden geschlossen hätten, habe sich dann aber spätestens mit der Erschaffung des Bruno-Weber-Wegs und letztlich auch mit der Vergabe des Dietiker Kulturpreises dieses Jahr gezeigt.

Bruno Weber, der 80 Jahre alt wurde, habe mit seinem Werk eine Botschaft transportiert, die für alle eine Bedeutung habe, ist Billeter überzeugt: «Es ging um das Geltenlassen von allen beseelten Wesen. Bruno Weber hat eine grosse Harmonie-Welt geschaffen.»